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Brandenburgs größte Dreckschleudern

Internetseite des Umweltbundesamtes gibt Einblick Brandenburgs größte Dreckschleudern

Kohlendioxid, Feinstaub, Ammoniak, Metalle: Das Umweltbundesamt führt auf der Website Thru.de Unternehmen auf, die einen hohen Schadstoffausstoß haben - sich damit aber im gesetzlichen Rahmen bewegen. Laut Thru.de gibt es in Brandenburg 181 solcher ganz legalen Umweltsünder.

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Das Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.

Quelle: dpa

Potsdam. 4,12 Millionen Tonnen. Das ist eine gewaltige Menge. So viel Kohlendioxid (CO2) hat die PCK Raffinerie GmbH in Schwedt (Uckermark) im Jahr 2011 in die Luft geblasen. Das ist ein Platz unter den Top 3 der CO2-Ausstoßer der märkischen Wirtschaft. Das jedenfalls besagen die Daten, die vom Umweltbundesamt auf der Internetseite Thru.de veröffentlicht werden.

Nach europäischem Recht müssen große Betriebe, die Schadstoffe wie eben Kohlendioxid oder aber auch Ammoniak, Feinstaub und Metallverbindungen in die Umwelt abgeben, ihre Emissionen melden. Thru.de macht die Umweltsünden für jeden einsehbar. Diese Umweltsünden haben eines gemein: Sie sind absolut legal. Hier gehe es nicht etwa um rechtswidrige Emissionen, erklärt Ulrich Stock, Abteilungsleiter für Technischen Umweltschutz beim Landesumweltamt in Brandenburg. Von den Betrieben wurden keine vorgeschriebenen Grenzwerte überschritten. Ziel ist es vielmehr, so Stock, einen Überblick über „Freisetzungen, die umweltrelevant sind“, zu bekommen.

Daten von rund 5000 Betrieben abrufbar

  • Daten von rund 5000 Betrieben sind abrufbar
  • Die Schadstoff-Emissionen von Betrieben werden seit dem Juni 2009 im Internet veröffentlicht. Die derzeit aktuellsten verfügbaren Daten stammen aus dem Jahr 2011. Erfasst sind dabei die Umweltbelastungen durch rund 5000 Betriebe.
  • Die Daten werden jährlich von den Industriebetrieben selbst gemeldet. Die zuständigen Länderbehörden prüfen die Angaben. Danach werden sie durch das Umweltbundesamt veröffentlicht und gleichzeitig an die Europäische Union (EU) weitergeleitet.
  • Ziel ist es, so die Angaben des Umweltbundesamtes, für jeden Schadstoff 90 Prozent der europaweiten Emissionen aus der Industrie zu erfassen. Dementsprechend sind Schwellenwerte für die Meldepflicht großer Unternehmen festgelegt. Diese Schwellenwerte haben aber nichts mit gesetzlichen Grenzwerten für Schadstoffemissionen zu tun.
  • Auf www.thru.de wird über die Umweltbelastung durch insgesamt 91 Schadstoffe und Schadstoffgruppen informiert, die in die Luft, das Wasser oder auch in den Boden abgegeben werden.
  • Das Umweltbundesamt will künftig auch Informationen zu Emissionen aus solchen Quellen wie Verkehr, Haushalten oder der Landwirtschaft flächendeckend für Deutschland zur Verfügung stellen. Daran arbeite man, erklärt Fachgebietsleiter Joachim Heidemeier. So könnten die industriellen Schadstoffe zu denen aus anderen Quellen ins Verhältnis gesetzt werden. so

Auf Unternehmensseite hält sich die Freude über die Veröffentlichung in Grenzen. Das Problem sei, dass die abstrakten Zahlen ohne einen Zusammenhang aufgelistet werden, meint Vica Fajnor, Sprecherin der PCK Raffinerie. Die 4,12 Millionen Tonnen CO2 müssten schon ins Verhältnis zur Schwedter Produktion gesetzt werden. Immerhin würden bei PCK zehn Prozent der gesamten deutschen Erdölproduktion abgewickelt, so Fajnor. Dabei sorge ausgerechnet die Produktion der umweltfreundlichen schwefelfreien Fahrzeug-Kraftstoffe für eine erhebliche Belastung des CO2-Kontos. Schuld daran sei der aufwändige Produktionsprozess. Mit Blick auf die Veröffentlichung der Daten im Netz fragt Fajnor: „Was soll das bringen?“

Darauf hat Joachim Heidemeier, zuständiger Fachgebietsleiter beim Umweltbundesamt in Dessau (Sachsen-Anhalt), eine einfache Antwort: Es sei „erklärtes Ziel der Schadstoffregister, durch Transparenz, Öffentlichkeit und Information zur Verbesserung der Umweltsituation beizutragen“. Das könne durch Nachfragen vor Ort geschehen, aber auch durch Vergleiche der Betriebe. „Es geht nicht darum, Unternehmen als Umweltsünder an den Pranger zu stellen“, betont Heidemeier.

Die schlimmsten Verschmutzer der Mark
Sortiert nach Schadstoffen (Ausstoß im Jahr 2011)

1. Schweinezucht- und Mastanlage Tornitz (Oberspreewald-Lausitz): 139 Tonnen Ammoniak in die Luft; 104 Tonnen Methan in die Luft

2. Spreenhagener Vermehrungsbetrieb für Legehennen GmbH, Bestensee (Dahme-Spreewald): 68,8 Tonnen Ammoniak in die Luft; 21,3 Tonnen Distickoxid in die Luft

3. Vattenfall Europe Generation AG, Energie: 24,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft; 22300 Tonnen Schwefeloxide in die Luft; 635 Tonnen Feinstaub in die Luft

4. PCK Raffinerie GmbH Schwedt (Uckermark): 4,12 Millionen Tonnen Kohlen dioxid in die Luft; 2720 Tonnen Stickoxide in die Luft; 75,6 Tonnen Feinstaub in die Luft

5. Propapier PM 2 GmbH, Werk Eisenhüttenstadt (Oder-Spree): 6820 Tonnen organischer Kohlenstoff im Abwasser; 59,4 Tonnen Gesamtstickstoff im Abwasser

6. Hamburger Rieger GmbH & Co. KG, Papierfabrik Spremberg (Spree-Neiße): 2220 Tonnen organischer Kohlenstoff im Abwasser; 55,4 Tonnen Gesamtstickstoff im Abwasser

7. BASF Schwarzheide GmbH (Oberspreewald-Lausitz), Chemie: 6020 Tonnen Chloride im Wasser; 445000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft; 664 Tonnen Stickoxide in die Luft

8. Arcelor Mittal Eisenhüttenstadt GmbH (Oder-Spree), Stahl:560 Tonnen Feinstaub in die Luft; 1,55 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft; 210 Kilogramm Kupfer im Abwasser

9. FWA Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH, Frankfurt (Oder): 517 Kilogramm Kupfer im Boden; 63,5 Tonnen organischer Kohlenstoff im Wasser

10. Berliner Wasserbetriebe, Klärwerk Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark): 153 Kilogramm Kupfer im Wasser; 2710 Tonnen Chloride im Wasser

Quelle:

181 Betriebe führt das Register für Brandenburg insgesamt auf. Sie alle zusammen haben im Jahr 2011 mehr als 48 Millionen Tonnen Treibhausgase wie CO2 freigesetzt. Brandenburg als Braunkohleland und Energieerzeuger bringt es damit auf einen nahezu doppelt so großen Ausstoß wie beispielsweise die Industrie in Baden-Württemberg. Nordrhein-Westfalen mit 1223 Betrieben und einem hohen Anteil von Unternehmen aus dem Energiesektor und der Metallindustrie toppt den Sündenwert um ein Vielfaches: 208 Millionen Tonnen Treibhausgase sind hier zusammengekommen.

Mit ein paar Klicks auf der interaktiven Karte bei Thru.de lassen sich die Stärken der Wirtschaft und die Probleme bei der Umweltbelastung in einzelnen Bundesländern erkennen. Allein 50 relevante Brandenburger Betriebe gehören zum Bereich der Intensivtierhaltung – in Baden-Württemberg sind es nur drei. Die Folge für die Mark: Eine vergleichsweise große Belastung der Luft durch Ammoniakverbindungen, die in den Ausscheidungen der Tiere enthalten sind. Als größter Emittent ist diesbezüglich die Schweinezucht- und Mastanlage Tornitz (Oberspreewald-Lausitz) angegeben. Vom Betreiber gab es keine Stellungnahme auf die MAZ-Anfrage.

Sehr wohl Erklärungsbedarf sehen die Berliner Wasserbetriebe, die fünf Klärwerke auf Brandenburger Gebiet betreiben. Drei Werke davon gehören zu den Top Ten, wenn es um die Kupfer-Belastung von Wasser geht. Beispiel: das Klärwerk Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark). 153 Kilogramm Kupfer gelangten hier übers Jahr in die Umwelt. Auf den ersten Blick ein ziemlicher Brocken. Wolfram Heinig, stellvertretender Laborleiter der Berliner Wasserbetriebe, rückt die Verhältnisse zurecht: An jedem einzelnen Tag werden in Stahnsdorf um die 40000 Kubikmeter Abwasser – auch aus Potsdam – behandelt. Das sind im Jahr 14,6 Millionen Kubikmeter. Damit bliebe eine Kupfer-Konzentration von zehn Mikrogramm in jedem Liter des gereinigten Abwassers, sagt Heinig. Zum Vergleich: Im Trinkwasser dürfen Heinig zufolge bis zu 2000 Mikrogramm Kupfer je Liter enthalten sein.

Man müsse schon die Emissionen in das Verhältnis zu den insgesamt bewegten Mengen setzen, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Und er betont, dass die Klärwerke als Recyclingbetriebe am Ende der Kette von Millionen anderen Emittenten stehen. Was da an Schadstoffen an die Umwelt abgegeben wurde, „das waren nicht wir, sondern die Stadt“ – mit ihren Produzenten und Privatpersonen. „Wir holen extrem viel raus“, so Natz.

„Industriebetriebe beeinträchtigen die Umwelt, aber ihre Produkte sind fürs Leben nötig“, resümiert Ulrich Stock vom Landesumweltamt. Aus Sicht der an der Umwelt interessierten Bürger sei die Internetseite Thru.de ein gutes Angebot. Die Einwohner erfahren so, was in ihrer Nachbarschaft passiert. Und für die Betriebe sei die Datenbank auch eine Möglichkeit, um in der Öffentlichkeit Gerüchten über ihre Emissionen entgegentreten zu können.

So stehen beispielsweise für den Energiekonzern Vattenfall, der in der Lausitz Braunkohletagebaue und Kraftwerke betreibt, CO2-Ausstöße von gut 24 Millionen Tonnen zu Buche. Das ist der Spitzenwert für Brandenburger Betriebe. Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer betont: „In allen Braunkohlekraftwerken unterschreitet Vattenfall die gesetzlich vorgegebenen Emissionsgrenzwerte deutlich.“ Durch verbesserte Kraftwerksanlagen konnten zudem die CO2-Emissionen seit 1990 um ein Viertel gesenkt werden.

Von Gerald Dietz und Ute Sommer

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