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Brandenburg Brandenburgs letzter Zuckerfabrik droht das Aus
Brandenburg Brandenburgs letzter Zuckerfabrik droht das Aus
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00:22 17.02.2019
Rübenbauer im Ernteeinsatz Quelle: epd / Gustavo Alàbiso
Potsdam

 Die Zuckerfabrik Brottewitz in Mühlenberg (Kreis Elbe-Elster), gegründet 1873, ist die letzte ihrer Art in Brandenburg. Doch ihre Tage scheinen gezählt. Das Werk, das seit 1991 zur börsennotierten Südzucker AG gehört, soll dicht gemacht werden, 90 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit.

Auch ein Werk in NRW ist betroffen

Der Mannheimer Konzern Südzucker hatte die Kapitalmärkte Ende Januar in einer Ad-hoc-Mitteilung über Restrukturierungspläne für seine Zuckersparte informiert. Die Rede war unter anderem von „Kapazitätsanpassungen und Werksschließungen“ sowie einer verringerten Produktion „von bis zu 700.000 Tonnen jährlich“.

Unternehmenssprecher Dominik Risser bestätigte der MAZ, dass zwei der neun deutschen Werke betroffen wären, nämlich Brottewitz und Warburg (Nordrhein-Westfalen). Die Arbeitnehmervertreter an beiden Standorten seien bereits über die Pläne informiert worden.

Eine endgültige Entscheidung soll auf einer Aufsichtsratssitzung am übernächsten Montag fallen. Das Unternehmen verweist auf die horrenden Verluste in seiner Zuckersparte und das „historisch niedrige Preisniveau in der EU“.

Südzucker erwartet Millionenverlust

Für das am 28. Februar endende Geschäftsjahr erwarten die Mannheimer nach eigenen Angaben einen Verlust zwischen 150 und 250 Millionen Euro. Nach dem Ende der EU-Zuckerordnung, die den Produzenten bis Oktober 2017 stabile Preise garantierte, „haben wir in Europa jetzt den unreguliertesten Zuckermarkt weltweit“, so Dominik Risser. Der Tonnenpreis purzelte seither von 400 auf 300 Euro.

Der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wollen das Aus für Brottewitz „nicht kampflos hinnehmen“. Für Freitag haben sie die Mitarbeiter des Werks und die Brandenburger Rübenbauern zu einer Demonstration gegen die Pläne des Mutterkonzerns aufgerufen.

„Für die ohnehin strukturschwache Region wäre das kein positives Signal“, erklärte LBV-Präsident Henrik Wendorff. In der Konsequenz müssten die Brandenburger Rübenproduzenten ihre Ware bis nach Zeitz (Sachsen-Anhalt) fahren. Dies erhöhe die Transportkosten und schmälere den ökologischen Mehrwert der regional erzeugten Produkte.

Aus Brandenburg, Sachsen und Thüringen liefern etwa 400 landwirtschaftliche Betriebe Zuckerrüben nach Brottewitz. Zwei sächsische Zuckerfabriken (Delitzsch und Löbau) hatten schon vor zehn Jahren den Betrieb eingestellt.

Appell der Landesregierung

Für die Landesregierung steht Wirtschafts-Staatssekretär Hendrik Fischer im Kontakt mit der Südzucker AG. Er erklärte: „Wir brauchen Zeit, um Alternativen zur Schließung dieses Brandenburger Traditionsbetriebs zu entwickeln.“ Zudem sei der Bund gefordert, auf EU-Ebene für faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Zuckermarkt zu sorgen. „Von Südzucker erwarten wir, dass das Unternehmen keine übereilten Entscheidungen trifft.“

Auf Antrag der Grünen wird sich der Wirtschaftsausschuss des Brandenburger Landtags am 27. März mit dem Thema beschäftigen. Für die Belegschaft in Brottewitz dürfte diese Sitzung zu spät kommen.

Von Thorsten Keller

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