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Brandenburg Vattenfall plant den Braunkohle-Ausstieg
Brandenburg Vattenfall plant den Braunkohle-Ausstieg
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17:28 17.07.2015
Im Tagebau der Vattenfall AG in Jänschwald. Quelle: Patrick Pleul
Potsdam

Vattenfall möchte in der Lausitz aus dem Braunkohlegeschäft aussteigen. Schon im Herbst des vergangenen Jahres gab der Energieriese seine Verkaufspläne bekannt. Zu ungewiss ist die Zukunft der Gruben und Kraftwerke, auf die Brandenburg und Sachsen für die Energieversorgung und die Sicherung tausender Jobs vehement setzen. Inbesondere die Debatte um Klimaabgaben für Braunkohle befeuert den Wunsch des Ausstiegs. Selbst, wenn es derzeit nach einem Kompromiss aussieht. Demnach sollen bundesweit ältere Blöcke eines Kraftwerks nur noch als Reserve dienen und langfristig abgeschaltet werden. In Jänschwalde wären zwei dieser Blöcke betroffen. Deshalb ist nun klar: Vattenfall will die Braunkohle so schnell wie möglich loswerden, spätestens bis Mitte 2016. Das bestätigte jetzt Hartmuth Zeiß auf dem Vattenfall-Vorstand. Zwei Interessenten soll es bereits geben.

Grüne und Umweltschützer wollen den schwedischen Konzern nicht aus der Pflicht lassen, selbst den schrittweisen Ausstieg aus der Braunkohle zu bewerkstelligen und für Ersatz aus erneuerbaren Energien zu sorgen. "Klimapolitisch wäre es Etikettenschwindel, einfach andere den Dreck machen zu lassen", bringt die Grüne Liga Cottbus deren Stimmung auf den Punkt.

Nachdem die neue rot-grüne Regierung in Schweden Anfang Oktober angekündigt hatte, dass der Staatskonzern die umstrittene und derzeit wenig lukrative Sparte loswerden will, brach hektische Betriebsamkeit aus. Appelle von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und seines sächsischen Amtskollegen Stanislaw Tillich (CDU) an Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven, die vor einem Ausstieg warnten, verhallten ungehört.

30.000 Arbeitsplätze hängen an der Braunkohle

Woidke setzt massiv auf die Braunkohle und hat dies längst im Koalitionsvertrag der rot-roten Regierung in Potsdam mit einem Bekenntnis zur Erweiterung des Tagebaus in Welzow-Süd klar gemacht. Entsprechend enttäuscht reagierte er schon im Oktober 2014 auf die vagen Ankündigungen aus Schweden, nun einen Verkauf zu sondieren.

Dabei ging es ihm nicht nur um die Sicherung der Energieversorgung. Rund 8200 Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region hängen direkt, rund 22.000 weitere indirekt an der Braunkohle. Spekuliert wurde in Brandenburg daher auch, das Land selbst könnte den Braunkohle-Tagebau übernehmen. Dies wurde von der Regierung bislang dementiert. Bleibt nur die Hoffnung auf einen neuen Investor, dem die Braunkohle mit dem endgültigen Atomausstieg Deutschlands nach 2020 langfristig wieder lukrativ erscheint. Derzeit drückt ein Überangebot den Preis - die entsprechend roten Zahlen dürften Vattenfall bei seiner Entscheidung beeinflussen. Der schwedische Konzern hält die Braunkohle für wenig profitabel.

Auf dem Rücken der Belegschaft wolle man den Verkauf allerdings nicht austragen, heißt es aus den Reihen des Betriebes. Investitionswille gehe vor Kaufpreis. Doch das reicht der Regierung nicht. Sie fordern Standort-Garantien.

  • Die Lausitz ist das zweitgrößte Braunkohlerevier Deutschlands.
  • Der Energiekonzern Vattenfall gehört zu hundert Prozent dem schwedischen Staat. Das Unternehmen erzeugt und vertreibt hauptsächlich Strom, Wärme und Gas aus Windkraft, Kernenergie, Erdgas, Biomasse sowie Kohle- und Wasserkraft.
  • In Deutschland beziehen 3,4 Millionen Kunden Strom aus dem Vattenfall-Netz. In der Lausitz betreibt der Energiekonzern derzeit noch fünf Braunkohle-Gruben: Cottbus-Nord, Jänschwalde und Welzow-Süd in Brandenburg sowie Reichwalde und Nochten in Sachsen.
  • 2013 machte Vattenfall knapp 172 Milliarden Kronen (etwa 18,5 Millionen Euro) Umsatz. Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Verlust von 13,5 Milliarden schwedischen Kronen.
  • Seit Oktober führt der Schwede Magnus Hall den Konzern.

Grüne fürchten "klimapolitisches Nullsummenspiel"

Für die Grünen ist mit einem neuen Investor an sich aber noch nichts gewonnen. "Wenn die Kraftwerke in neuer Eigentümerschaft eines Hedgefonds oder eines anderen Energiekonzerns weiter laufen würden, wäre das Ganze ein klimapolitisches Nullsummenspiel", sagte etwa der Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Axel Vogel.

Auch für die Tausenden Beschäftigten und ihre Familien ist die Zukunft nun noch ungewisser. Daher auch der erneute Appell von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke), Vattenfall müsse diesen "unerträglichen Zustand" schnell beenden.

Tagebau-Gegner: Braunkohle nicht mehr zeitgemäß

Unabhängig von vielen Arbeitsplätzen und die Suche nach neuen Investoren ist die Braunkohle in Brandenburg umstritten. Inbesondere die Klimaschädlichkeit ist ein Argument, ebenso der Umstand, dass ganze Dörfer abgebaggert werden und Menschen ihre Heimat verlieren.

Von Klaus Peters/MAZonline

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