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Brandenburg Brexit: Schlimm, aber kein Grund zur Panik!
Brandenburg Brexit: Schlimm, aber kein Grund zur Panik!
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06:40 14.06.2016
Die Zeit bis zur Abstimmung läuft. Quelle: EPA
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Potsdam

In anderthalb Wochen, am 23. Juni, wird in Großbritannien über den Verbleib des Königreichs in der EU abgestimmt. Der Schatten eines möglichen „Brexits“ geistert durch die Medien. Und mehr und mehr höre ich: „Dann sollen sie halt aussteigen.“

Aber sollten sie das? Aus der Hauptstadtregion ist es nur eine gute Flugstunde bis nach London, unsere Kinder lernen Englisch als erste Fremdsprache. Großbritannien gehört zu Europa, das steht außer Frage. Und dennoch ist das Vereinigte Königreich ein spezieller Teil Europas, nicht nur wegen seiner Insellage oder des Linksverkehrs. Vielmehr haben die Briten schon in der Vergangenheit ihr eigenes Verständnis von Zusammenarbeit gezeigt und sind nicht jeden Integrationsschritt – wie die Einführung des Euro – mitgegangen. Und heute? Müssen wir mit allen Mitteln versuchen, die Briten zu halten oder kann uns ein Brexit egal sein?

Ein Leistungsträger würde das Feld verlassen

Mario Tobias ist Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. Er fürchtet wirtschaftliche und politische Nachteile im Falle eines britischen EU-Austritts. Vor allem die Briten selbst würden verlieren, sagt er. Quelle: Julian Stähle

Egal sicherlich nicht, auch wenn wir nicht in Panik verfallen müssen. Man kann nur zusammen spielen, wenn man die gleichen Spielregeln akzeptiert, und man kann nur Vorteile für sich nutzen, wenn jeder bereit ist, sich auch für eine größere Sache mit einzubringen. Um in der Sprache des Fußballs zu sprechen, muss auch ein Stürmer, der für seine Tore von guten Zuspielen profitiert, mit nach hinten arbeiten und sich einbringen, wenn seine Hintermannschaft unter Druck gerät.

Was also wäre, wenn die Briten aus der EU aussteigen – quasi ein Leistungsträger der Mannschaft das Feld verlässt? Für die Mannschaft würde es schwieriger werden, erfolgreich zu sein – aber auch ein Team mit zehn Spielern kann Großes vollbringen. Aber was macht einer allein an der Außenlinie? Ein Wechsel zu einem anderen Team scheidet hier wohl aus.

London müsste jahrelang verhandeln

Stiegen die Briten aus, würde nicht alles bleiben können, wie es ist. Ein Brexit würde für die Regierung in London jahrelange Verhandlungen bedeuten, um heute liebgewonnene Vergünstigungen mit seinen Handelspartnern, insbesondere mit Deutschland, nicht zu verlieren. Diese Verhandlungen stünden mit allen europäischen Partnern an. Vermutlich würde manches dabei auf der Strecke bleiben. Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, ja vielleicht auch ein wenig Gefühl, dass wir Europäer sind. Großbritannien würde über Freihandelsabkommen reden müssen – mit der EU, mit der man bisher über die Zollunion verbunden war, aber auch mit den USA – und dort dann ohne das gemeinsame Team EU im Rücken.

Brandenburg profitiert von Briten-Geschäften

Unsere märkische Wirtschaft jedenfalls profitiert von einer großen starken Union mit Großbritannien. Immerhin unterhalten rund 300 Brandenburger Unternehmen mit einem Exportvolumen von fast 470 Millionen Euro Geschäftsbeziehungen zu britischen Firmen. Importiert wurden im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp einer Milliarde Euro. Fast 30 britische Investoren engagieren sich bisher bereits in Brandenburg, eine Zahl, die wir weiter steigern sollten.

Dass sich auch die britische Wirtschaft mit großer Mehrheit für einen Verbleib in und eine Reformation der EU ausspricht, setzt ein deutliches Signal, auf das wir auch aus Sicht unserer regionalen Firmen setzen: Großbritannien ist ein sehr wichtiger Partner – aber auch Stürmerstars können sich nicht alles erlauben. Ihr Können muss zum gemeinsamen Erfolg beitragen. Sonst ist am 23. Juni in der Vorrunde nicht nur England bei der EM, sondern auch aus der EU ausgeschieden. Beides wäre schade.

Von Mario Tobias

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