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Brandenburg Wenn Brustkrebs Männer trifft
Brandenburg Wenn Brustkrebs Männer trifft
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12:40 26.03.2018
Ein Prozent aller Neuerkrankungen bei Brustkrebs werden bei Männern festgestellt. Die bei den Männern seltene Krankheit kann bei Betroffenen Fragen aufwerfen. Quelle: Pexels (Symbolbild)
Brandenburg an der Havel

Gerd Niehaus aus Kirchmöser ist ein fröhlicher Mensch. Er steckt Menschen mit seinem Lachen an, reißt sarkastische Sprüche – auch, wenn das Thema, über das er gerade spricht, ein Ernstes ist. „Optimismus darf man nie verlieren und Mitleid braucht keiner“, sagt er. Der 75-Jährige bekam 2014 eine Diagnose, an die er nicht im Ansatz gedacht hatte. Er erinnert sich gut an den Moment, als er in der Werkstatt seines Hofes stand, seine Frau unter Tränen vor ihn trat und sagte, dass er Brustkrebs habe. „Da zog es mir erst mal die Beine weg“, sagt der Rentner.

Inzwischen hat er Abstand gewonnen.„Meine rechte Brustwarze hatte eine Filiale aufgemacht“, witzelt er. Dann verstummt sein Lachen. Ein paar Sekunden ist es ruhig, bis der Kirchmöser den „Knubbel“ beschreibt, den er eines Tages spürte – größer als eine Eichel, kleiner als eine Walnuss und unempfindlich.

Eine Röntgenaufnahme zeigt ein Mammakarzinom beim Mann Quelle: Städtisches Klinikum Brandenburg

Nur ein Prozent aller Brustkrebs-Neuerkrankungen betrifft Männer

Bösartige Tumore des Brustgewebes entstehen überwiegend aus dem Drüsengewebe der Brust. Das ist auch bei Männern rudimentär angelegt. Nur bei einem Prozent aller Neuerkrankungen sind Männer betroffen. „Der Brustkrebs bei Männern ist viel seltener. Ein bis zwei männliche Patienten mit Brustkrebs haben wir im Jahr im Vergleich zu 120 bis 150 Frauen im Jahr“, erklärt Chefarzt Peter Ledwon vom Städtischen Klinikum Brandenburg in Brandenburg an der Havel. Deutschlandweit wurde 2016 insgesamt 71.640 Frauen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Brustkrebs diagnostiziert. Demgegenüber stehen lediglich 682 Männer. In Brandenburg erkrankten in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 20 Männer an Brustkrebs. Das Alter der Männer: zwischen 69 und 72 Jahren.

Als Gerd Nierhaus einem befreundeten Arzt von seiner Entdeckung erzählte, die man nur sah, wenn er seinen Oberkörper gerade anspannte, pochte der auf einen Besuch in der Gynäkologie – der Abteilung für Frauenheilkunde. „Ich dachte, er würde spaßen“, erinnert sich der 75-Jährige. Doch die Erkennung und Behandlung von Brustkrebs obliegt – ob bei Frauen oder Männern – den Gynäkologen. „Manche verwundert es, warum sie beim Frauenarzt landen, aber die Erklärung leuchtet schnell ein: Es ist eine seltene Krankheit beim Mann und deshalb beim Frauenarzt angesiedelt“, sagt Peter Ledwon.

Verändert sich die Brustwarze, muss an Brustkrebs gedacht werden

Ledwon vom Brandenburger Klinikum arbeitet seit 25 Jahren als Frauenarzt. Er ist der letzte Mann unter den Gynäkologen im Krankenhaus. Der 54-Jährige begleitet Niehaus von Beginn an. „Brustkrebs ist gut heilbar, wenn man ihn konsequent behandelt“, sagt der Chefarzt. Das Problem beim Brustkrebs des Mannes sei jedoch, „dass keiner daran denkt.“ Deshalb wird der Krebs oft nicht oder zu spät erkannt. Weil er deshalb Zeit zum Streuen hätte, würden mehr Männer im Vergleich sterben. Ledwon warnt: „Wenn sich irgendwas bei der Brustwarze eines Mannes verändert, wenn es sich neu tastet oder anschwillt, dann muss er an Brustkrebs denken – es muss abgeklärt werden.“

Dr. Peter Ledwon ist Chefarzt in Brandenburg an der Havel und für Frauenheilkunde in der Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum Brandenburg zuständig. Er ist der letzte männliche Frauenarzt vor Ort. Quelle: Christin Iffert

Kurz nach Niehaus‘ Diagnose ging es schnell: Entfernung des Tumors in der Brust und verschiedener Lymphe im rechten Arm – beide Narben sind gut 10 Zentimeter lang - , anschließend Chemo- und Strahlentherapie. Bis heute nimmt er Tamoxifen. Die Einnahme des Wirkstoffes ist eine Antihormontherapie, mit der das Östrogen, das auch bei Männern produziert wird, blockiert wird. „Probleme entstehen durch die Östrogenteilwirkung. Allgemein gesagt, kann es verweiblichendere Erscheinungen geben“, erklärt Chefarzt Peter Ledwon. Es ist, als käme der Mann in die Wechseljahre. „Üble Nebenwirkungen“, bemerkt Gerd Niehaus. Was der Rentner früher von seiner Frau gehört hatte, durchlebt er inzwischen selbst. Meist abends gegen sechs oder sieben Uhr bekomme er Anflüge von Depressionen, manchmal Übelkeit. „Ich kämpfe dagegen an, versuche, damit umzugehen, ohne mich davon beeindrucken zu lassen“, sagt der 75-Jährige. Und manchmal, wenn es ganz hart kommt, belüge er sich mit seinem Optimismus selbst.

Behandlung der Männer ist analog zu Frauen – ohne Rekonstruktion

Die Behandlung von erkrankten Männern ist analog zu den betroffenen Frauen. „Männer sehen sie kosmetischen Auswirkungen nach dem operativen Eingriff jedoch deutlich gefasster“, sagt Chefarzt Ledwon. Während die meisten Frauen ihre Brust wiederherstellen lassen, verzichten Männer in der Regel darauf. Nierhaus wollte, dass so viel wie möglich weggeschnitten wird. „Wer soll mich denn noch sehen in meinem Alter“, fragt er. Mit seiner Frau fährt er trotzdem in den Urlaub, badet ungeniert am Strand. Wichtig sei am Ende nur die Gesundheit – und drei mal auf Holz geklopft, sehe es bei ihm hinsichtlich des Brustkrebses inzwischen gut aus.

Wenn Ledwon und Niehaus aufeinandertreffen, wirkt die Beziehung persönlich. Sie sprechen über die Krankheit, das Leben, die Familie. „Patienten ist der persönliche Bezug zu Ärzte, um Vertrauen zu haben. Da haben wir hier in Brandenburg eine ganz gute Größe mit dem Klinikum“, sagt der Chefarzt. Es sei gerade groß genug, um alle diagnostischen und operativen Möglichkeiten zu bieten und gleichzeitig keine Massenabfertigung zu haben. Die Behandlung bei Brustkrebs sei deutschlandweit standardisierte Praxis. Gerd Niehaus sieht noch einen weiteren Aspekt: die räumliche Nähe. Denn von Brandenburg an der Havel nach Kirchmöser sei der Weg nicht weit. Und die Familie und sein altes Landhaus am Ufer des Wassers sind für ihn bis heute eine Reha, auf die er anderswo verzichtete. „Es wäre das Schlimmste gewesen, mich aus meinem Trott rauszureißen. Ich brauche diese Atmosphäre zuhause“, sagt er.

Von Christin Iffert

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