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Bund zahlt für Entschärfung alliierter Bomben

Weltkriegsmunition Bund zahlt für Entschärfung alliierter Bomben

Lange hatte sich die Bundesregierung gesperrt. Jetzt sind erstmals 60 Millionen Euro bereitgestellt worden, damit auch alliierte Bombenblindgänger in Oranienburg, Potsdam und auf anderen Verdachtsflächen zügig entschärft werden können. Bislang kam Berlin nur für die Beseitigung reichsdeutscher Munition auf.

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Besonders in Brandenburger Städten lauern noch gefährliche Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs.

Quelle: dpa

Potsdam. Lichtblick für die geplagten Städte Oranienburg (Oberhavel) und Potsdam: Für die Entschärfung von Weltkriegsbomben der Alliierten stehen nun erstmals Bundesmittel bereit. Der Haushaltsausschuss in Berlin hat 60 Millionen Euro freigegeben, die bis 2019 bundesweit für die Bergung von Kampfmitteln abgerufen werden können. „Das Bemühen Brandenburgs um eine finanzielle Beteiligung des Bundes trägt Früchte“, so Martin Gorholt (SPD), Bevollmächtigter des Landes in Berlin, am Donnerstag.

Bislang mussten Länder und Kommunen die Kosten allein tragen. Der Bund kam nur für die Beseitigung sogenannter reichsdeutscher Munition auf. Brandenburg hatte mehrere Bundesratsinitiativen gestartet, um eine komplette Kostenübernahmen zu erreichen, zuletzt 2014. Die Mark ist bundesweit am stärksten mit explosiven Hinterlassenschaften des Krieges belastet. Etwa 350 000 Hektar Fläche sind betroffen. Von dem jetzt bereitgestellten Geld sollen fünf Millionen Euro noch in diesem, 15 Millionen im nächsten Jahr und jeweils 20 Millionen Euro 2018/19 an die Länder ausgezahlt werden.

Gefährliche Langzeitzünder

10 000 Bomben haben die Alliierten nach Schätzungen über der Industriestadt Oranienburg abgeworfen.

Besonders gefährlich sind vor allem Bomben mit chemischem Langzeitzünder, die als Blindgänger im märkischen Kiesboden stecken. Sie können noch nach Jahrzehnten detonieren.

11,4 Millionen Euro hat das Land Brandenburg 2015 für die Kampfmittelbeseitigung ausgegeben. Entschärft wurden untre anderem 19 Bomben mit einem Gewicht über 250 Kilogramm. Dazu kamen 800 Brand- und 120 Sprengbomben.

Der Oranienburger Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) hält sich mit Jubel zurück, weil die Verteilung des Geldes noch unklar sei. „Ich bin aber froh, dass ein drängendes Problem von Kommunen wie Oranienburg endlich erkannt wurde.“ Die finanziellen Auswirkungen seien auch 70 Jahre nach Kriegsende erheblich, sagt Laesicke. Seine Stadt stelle jährlich vier Millionen Euro für die Bombensuche bereit. Die nächste Entschärfung ist für den 14. Dezember geplant. Im Monatsrhythmus müssen in der Oberhavel-Kreisstadt Tausende Bewohner ihre Häuser verlassen, weil Blindgänger gefunden werden – zuletzt Mitte Oktober, wo an einem Tag gleich zwei amerikanische 500-Kilo-Bomben entschärft wurden. Seit 1990 wurden in Oranienburg mehr als 180 Fliegerbomben unschädlich gemacht. Darunter 100 Blindgänger mit gefährlichen Langzeitzündern, die laut Munitionsbergungsdienst immer mehr zu einem unkalkulierbaren Risiko werden.

Uwe Feiler, Oranienburger Bundestagsabgeordneter, will sich dafür einsetzen, dass das bislang nur für ein Mal aufgelegte Hilfsprogramm des Bundes über 2019 hinaus weitergeführt wird. „Wir haben jetzt einen Fuß in der Tür“, sagt Feiler. Er fordert von der rot-roten Landesregierung, die bereitstehenden Bundesmittel umgehend an die betroffenen Kommunen weiterzureichen und den Landesanteil nicht zu kürzen. Auch in Potsdam hofft man auf kräftige Zuschüsse, um die eigene Kasse entlasten zu können.

Von Volkmar Krause

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