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Bundespolizei fühlt sich in Potsdam nicht sicher

Landespolizei bewacht die Kollegen Bundespolizei fühlt sich in Potsdam nicht sicher

Die Landespolizei muss die Bundespolizei bewachen, weil die sich in ihrem Potsdamer Präsidium derzeit nicht mehr so sicher fühlt. Grund: Nebenan wohnen hunderte Flüchtlinge und außerdem ist die Stimmung in der Stadt aufgeladen – wegen der Pogida-Demos.

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Bundespolizisten im Einsatz.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. „Einen schlechten Witz“ nennt der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster, die Angelegenheit: Seit in direkter Nachbarschaft zum Präsidium der Bundespolizei in Potsdam eine Aufnahmestelle für 1300 Asylbewerber entstanden ist, muss die brandenburgische Polizei Wachmannschaften abstellen, damit den Bundesbeamten nichts zustößt. „Unsere Kollegen saßen den Winter über rund um die Uhr im Auto bei laufendem Motor, damit sie keine kalten Füße bekommen“, sagt ein Streifenpolizist. Und: „Manchmal kommt ein Bundespolizist raus und prüft, ob wir auch nicht schlafen. Können die sich nicht selbst beschützen?“

Hintergrund für den scharfen Zungenschlag: Die Landespolizei ist kräftemäßig am Limit, wie alle Parteien im Landtag auch zugeben. Bewachung von Flüchtlingsunterkünften, Großeinsätze bei Links-Rechts-Demonstrationen – jeder Beamte wird gebraucht.

Anfangs, im September 2015, waren laut MAZ-Informationen sechs bis zehn Mann Bewachung pro Schicht im Einsatz. Das klingt überschaubar, hat bei einem 24-Stunden-Betrieb aber erhebliche Auswirkungen auf das verfügbare Personal. Denn um eine Stelle rund um die Uhr zu besetzen, bedarf es – Urlaub, Krankheitstage und Ähnliches eingerechnet – sechs Polizisten. Macht 36 bis 60 praktisch für Objektschutz eingesetzte Beamte. Mittlerweile sitzen noch zwei Polizisten ihre Zeit im Auto ab oder durchstreifen das weitläufige Gelände. Es könnte alles so einfach sein, denn man kam auf eine einleuchtende Idee: „Die Bundespolizei ist an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Prüfauftrag herangetreten, um vereinzelte Gebäude des Bundespolizeipräsidiums in der Heinrich-Mann-Allee in Potsdam eine Zaunanlage zu errichten“, teilt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf MAZ-Anfrage mit.

Doch die bürokratischen Mühlen mahlen langsam, Prüfaufträge sind ausgelöst, diverse Behörden beteiligt, Kostenrechnungen hin und her gewälzt. Deshalb stehen die märkischen Streifenpolizisten immer noch auf dem Parkplatz – seit nunmehr sechs Monaten.

Jahrelang kamen die rund 800 Mitarbeiter am Hauptsitz Potsdam ohne ein Bollwerk um ihre Arbeitsstätte zurecht. Doch dann rollten die ersten Flüchtlingsbusse an. Menschen aus Kriegsgebieten zogen auf den Behördencampus, was die Bundespolizisten aber dem Vernehmen nach ebenso beunruhigte, waren die Hunderte von freiwilligen Helfern – viele aus der linken Szene –, die jetzt auf dem Gelände herumliefen. Zudem geriet die Bundespolizei nicht nur an der bayerischen Grenze zwischen die Fronten, sondern auch im heißen Potsdamer Pogida-Winter, denn Bundespolizisten gehörten zu dem 1000-Mann-Aufgebot, das den Pegida-Ableger auf seinen „Abendspaziergängen“ durch die Landeshauptstadt begleitete. Ein leichtes Ziel wäre wohl die Bundesbehörde, befürchtete man dort.

Von Ulrich Wangemann

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