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Bundestagswahl 2017 Die CDU erobert Brandenburg
Brandenburg Bundestagswahl 2017 Die CDU erobert Brandenburg
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15:43 23.09.2013
Brandenburgs CDU-Spitzen, darunter der CDU-Chef Michael Schierack (r.) und Katherina Reiche, Kandidatin im Wahlkreis 61 - haben allen Grund zur Freude. Quelle: Christel Köster

Die Mark wählt schwarz: Aus der Bundestagswahl geht auch in Brandenburg, das traditionell als SPD-Hochburg gilt, die CDU überraschend als stärkste politische Kraft hervor. Die anderen Parteien erleiden zum Teil krachende Niederlagen: FDP und Grüne sacken ab. Aber auch die Linke muss deutliche Einbußen hinnehmen, vor vier Jahren hatte sie in Brandenburg - das einzige rot-rot regierte Bundesland - noch vorne gelegen. Die Parteien wollen am Montag über die Ergebnisse der Bundestagswahl beraten.

Mit 34,8 Prozent der Zweitstimmen sind die Christdemokraten nach der Auszählung aller Stimmen die deutlichen Sieger, wie der Landeswahlleiter am Sonntag in Potsdam mitteilte. Im Vergleich zur Wahl 2009 legt die Partei mehr als zehn Prozentpunkte zu und erreicht das zweitbeste Ergebnis seit 1990. Damals war die CDU auf 36,3 Prozent der Zweitstimmen gekommen. Die SPD erreicht nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 23,1 Prozent der Stimmen (2009: 25,1). Die Linke erzielt 22,4 Prozent (2009: 28,5). Bei den kleinen Parteien kommen die Grünen auf 4,7 Prozent der Zweitstimmen, die FDP sackt auf 2,5 Prozent ab. Die eurokritische AfD landet aus dem Stand bei 6,0 Prozent. Die rechtsextreme NPD erreicht 2,6 Prozent, die Piraten kommen auf 2,2 Prozent.

» Hintergründe zur Wahl aus den einzelnen Landkreisen im Wahl-Spezial

Ein deutlicher Erfolg für die CDU ist auch das Ergebnis bei den Erststimmen. Die Christdemokraten gewinnen neun der zehn Direktmandate. Nur im Wahlkreis Potsdam-Mittelmark/Havelland siegte SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier, das Ergebnis fiel jedoch auch knapp aus. Jüngste Umfrageergebnisse hatten bei den Direktkandidaten und Zweitstimmen noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU vorhergesagt.

Sieger in den Wahlkreisen (Erststimmen):

22.09.2013 - Erdrutschsieg für die CDU in Brandenburg bei der Bundestagswahl: Sie holt nicht nur die meisten Zweitstimmen, sondern gewinnt auch neun der zehn Direktmandate. Nur Frank-Walter Steinmeier konnte seinen Wahlkreis ganz knapp für sich und die SPD behaupten. Hier die Gewinner der Direktmandate.

Wahlkreis 56: Sebastian Steineke (CDU) 33,5 %
Wahlkreis 57: Jens Koeppen (CDU) 38,9 %
Wahlkreis 58: Uwe Feiler (CDU) 37,5 %
Wahlkreis 59: Hans-Georg von der Marwitz (CDU) 34,0 %
Wahlkreis 60: Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD) 33,1 %
Wahlkreis 61: Katherina Reiche (CDU) 32,6 %
Wahlkreis 62: Jana Schimke (CDU) 37,9 %
Wahlkreis 63: Martin Patzelt (CDU) 33,9 %
Wahlkreis 64: Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) 35,9 %
Wahlkreis 65: Michael Stübgen (CDU) 40,9 %

Auch die Linke büßte ihre vier Direktkandidaten an die Christdemokraten ein. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Linkspartei, Dagmar Enkelmann, konnte 2009 noch 37 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Diesmal waren es 32,9 Prozent. Erfolglos blieb auch der parteilose und unabhängige Kandidat Wolfgang Nescovic. 2009 holte er mit Rückendeckung der Linken noch 30 Prozent. Diesmal waren es 8,1 Prozent.

Übersicht Zweitstimmen (plus Vergleichszahl 2009):

DIE LINKE: 22,4 % (28,5 %)
SPD: 23,1 % (25,1 %)
CDU: 34,8 % (23,6 %)
FDP: 2,5 % (9,3 %)
GRÜNE/B 90: 4,7 % (6,1 %)
NPD: 2,6 % (2,6 %)
PIRATEN: 2,2 % (2,5 %)
REP: 0,2 % (0,2 %)
MLPD: 0,1 % (0,1 %)
AfD: 6,0 %  -
pro Deutschland: 0,4 %  -
FREIE WÄHLER: 1,0 %  -

21.09.2013 - Politiker sind Vorbild - zumindest wenn es um die Wahlbeteiligung geht. Viele Politiker hatten bereits am Vormittag ihre Stimme abgegeben, darunter auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Am Abend dann trafen sich Politiker und ihre Anhänger zu ihren Wahlpartys. Wir haben ein paar Impressoinen von den verschiedenen Wahlpartys gesammelt.

Wahlberechtigte: 2.065.917
Wähler: 1.412.787
Wahlbeteiligung: 68,4 % (2009: 67,0 %)
gültige/ungültige Erststimmen: 1.383.639/29.148
gültige/ungültige Zweitstimmen: 1.388.325/24.462

» Ergebnisse der Bundestagswahl in Brandenburg beim Landeswahlleiter

» Ergebnisse der Bundestagswahl bundesweit beim Bundeswahlleiter

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Abstimmung: Wer soll Deutschland nach der Bundestagswahl regieren?

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Reaktionen der Parteispitzen Brandenburgs am Sonntagabend:

Nach Veröffentlichung der ersten Wahl-Prognose hat Brandenburgs kommissarische SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz anerkannt, dass die CDU voraussichtlich der Wahlgewinner ist. „Wir haben zugelegt”, sagte sie zugleich zum bundesweiten Abschneiden der eigenen Partei. In Brandenburg erwartet Geywitz ein knappes Rennen zwischen beiden Parteien. „Es wird einen langen Abend geben.”

Die CDU in Brandenburg hat den klaren Sieg der Union bei der Bundestagswahl gefeiert. „Das ist ein historischer Sieg für die Christdemokraten”, sagte Parteisprecher Philip Gursch am Sonntag in Potsdam. Das Ergebnis für die CDU/CSU liege „über den Erwartungen”, sagte Gursch und sprach von einem „klaren Regierungsauftrag” für die CDU-Bundesvorsitzende und amtierende Kanzlerin Angela Merkel. Das Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl ist auch aus Sicht des Brandenburger Landeschefs der Partei, Michael Schierack, ein historisches Ergebnis. „Das ist ein klarer Sieg für den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel”, sagte er. „Dieses Ergebnis habe ich nicht in meinen kühnsten Träumen erwartet.”

Für die Linke gibt es aus Sicht des Brandenburger Landeschefs Stefan Ludwig sehr gute Chancen, den Platz als drittgrößte Fraktion im Bundestag zu behaupten. „Das zeigt: die Kommunikation mit den Wählern hat geklappt”, sagte er. Offenbar konnten breitere Wählerschichten erreicht werden. Die Linkspartei liegt nach der Prognose bei 8,5 Prozent.

Die FDP in Brandenburg sind bestürzt über das schlechte Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl. „Das ist ein ganz, ganz bitteres Ergebnis”, sagte der FDP-Landesvorsitzende Gregor Beyer. Nach ersten Hochrechnungen scheitert die FDP mit 4,5 bis 4,7 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Beyer meinte, der Wahlabend sei noch lang, die Hochrechnungen müssten sich noch „stabilisieren”.

Die brandenburgische Landesvorsitzende der Grünen und Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl, Annalena Baerbock, hat sich enttäuscht über das schwache Abschneiden ihrer Partei geäußert. Es seien beide Wahlziele verfehlt worden, sagte sie am Sonntagabend.
So hätten die Grünen ihr Ergebnis von 2009 verbessern und mit der SPD regieren wollen. Jetzt müsse der Wahlausgang gründlich analysiert werden, um inhaltliche, strategische und personelle Konsequenzen zu ziehen. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF kommen die Grünen im Bund auf 8,0 bis 8,1 Prozent (2009: 10,7 Prozent) und müssen Einbußen von knapp 3 Punkten hinnehmen.

Der Brandenburger Spitzenkandidat der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, sieht das Abschneiden seiner Partei als Sensation. „Vor einem halben Jahr erst gegründet und dann aus dem Stand solch ein Ergebnis”, sagte Gauland. Das sei beispiellos. Selbst wenn es die AfD diesmal nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schaffe, sei das kein Grund aufzugeben, sagte Gauland. „Das spornt uns nur an für die nächste Wahl.”

Reaktionen aus Potsdam (Wahlkreis 61):

Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke): "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Partei hat sich berappelt. Norbert Müller hat einen tollen Wahlkampf und sich bei den Potsdamern einen Namen gemacht." 

Norbert Müller (Linke): "Heute ist ein Festtag für uns.  FDP und AfD sind raus. Die Linke hat im Bund und in Hessen top Ergebnisse. Rot-rot-grün ist eine Machtoption."

Sascha Krämer (Linke): "Wir haben uns mehr nach diesem Wahlkampf versprochen - eine neun vor dem Komma. Mit dem Hessen-Ergebnis haben wir bewiesen, dass die Linke keine reine Ostpartei ist."

Enttäuschung bei der SPD in Potsdam: Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe, Potsdams OB Jann Jakobs, Matthias Platzeck, die unterlegene Direktkandidatin Andrea Wicklein, Mike Schubert. Foto: Julian Stähle

Reaktionen aus Neuruppin und Perleberg (Wahlkreis 56):

Foto: Kathrin Gottwald

Die Direktkandidaten im Wahlkreis 56 trafen sich im Schülercafé Tasca der Evangelischen Schule Neuruppin und werten im Talk, moderiert von Schülern, das Abschneiden ihrer Parteien aus:

Sebastian Steineke, CDU: (darum gebeten, sein Grinsen nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse zu erklären) "Mein Grinsen erklärt sich von selbst.  Wir sind mit Abstand die stärkste Partei. Wir haben zudem um 8 Prozentpunkte zugelegt – das gab es bei der CDU noch nie. Das ist das beste Ergebnis seit Jahren."
Zu möglichen Koalitionen: "Ich hoffe noch auf ein Weiterführen der Koalition mit der FDP, die 0,5 Prozentpunkte kommen schon noch."
Zu einer möglichen großen Koalition: "Das ist gut denkbar, es müssen jetzt die Gespräche zeigen, ob es eine echte Möglichkeit ist."

Der überraschende Direktmandat-Gewinner Sebastian Steineke (CDU, 2.v.l.). Mit Heinz Stawitzki (CDU-Chef in Neuruppin), Siegrid Nau (CDU-Kreisvorstand) sowie Jan Redmann CDU-Kreisvorsitzender. Foto: Kathrin Gottwald

Jens Engelhardt (FDP): "Ob wir mit 4,5 % oder mit 4,6 Prozent raus sind, macht die Sache nicht besser. Das Ergebnis ist eine Katastrophe. Der Wähler ist ja souverän, er hat uns hier einen ganz klaren Denkzettel verpasst. Darüber müssen wir jetzt nachdenken."
Zu möglichen Koalitionen: "Grundsätzlich habe ich nichts gegen schwarz-gelb, aber ich denke, bei diesem Wahlergebnis wird das nicht funktionieren. Eine große Koalition sehe ich nicht."
Zu weiteren Prozentpunkten, die noch kommen könnten: "0,1 Prozent mehr machen unser Drama auch nicht besser."
 

Kirsten Tackmann (Linke): "Ich bin froh, dass sich die Linke stabilisiert hat. Wir hatten im vergangenen Jahr ein schlimmes Jahr, da haben auch durch eigene Schuld viel Vertrauen verspielt. Dieses Vertrauen zurückzugewinnen, ist unendlich schwer. Wir sind die stärkste Oppositionspartei, das zeigt, dass wir das Vertrauen zurückgewinnen konnten. Toll finde ich, dass die Wahlbeteiligung so gut war und die anfängliche Wahlmüdigkeit wieder weg ist."
Zu möglichen Koalitionen: "Ich habe die große Koalitioin schon einmal mitgemacht, das war nicht unbedingt gut für unser Land. Ich erwarte eine Mitte-links-Koalition (rot-rot-grün). Aber: Ich bin auch gern Oppositionspolitikerin, Opposition ist ganz wichtig."

Ivo Haase (SPD, der Neuruppiner Ortsvereinsvorsitzende hielt im Schülercafé die Stellung für Dagmar Ziegler, die zuerst in der Prignitz war): "Wir haben zugelegt. Es sieht so aus, als könne die jetzige Regierung nicht weitermachen wie bisher. Das war eines unserer Wahlziele. Ich bin geschockt vom Abschneiden der AfD. Die hat gefährliche Themen, attraktiv verpackt, aber nationalstaatlich geprägt."
Zu einer möglichen großen Koalitionen: "Regieren ist immer besser als in der Opposition zu sein. Es ist nicht die Ideallösung, aber ich kann es mir gut vorstellen."

Kathrin Bolewslawski (Grüne): "Das ist natürlich enttäuschend für uns." Sie räumt ein, dass die Wahlkampf-Forderung nach einem Veggie-Day (staatliche verordneter Fleischverzicht an einem Tag) provokativ war. Ihre Meinung dazu: "Wer jeden Tag Fleisch essen will, der sollte das auch tun, sich aber vorher überlegen, woher das Fleisch kommt."
Zu möglichen Koalitionen: "Für mich ist schwarz-grün keine Option, weil die Inhalte und Ziele völlig abweichend voneinander sind, und ich nicht denke, dass man da Kompromisse machen kann."

In der Perleberger SPD-Geschäftsstelle herrschte kurz nach 18 Uhr ungläubiges Staunen. Die Zahlen, die da auf der aufgebauten Leinwand hereinflimmern, besagen, dass CDU-Kandidat Sebastian Steineke mit 35 zu 28 Prozent gegen Dagmar Ziegler (SPD) in Führung liegt.

Foto: Bernd Atzenroth

„Da kann irgendetwas nicht stimmen“, meinte eine Anwesende. „Jetzt bräuchte ich auch mal eine Schlandkette“, entfuhr es Dagmar Ziegler in Anlehnung an den Halsschmuck von Bundeskanzlerin Angela Merkel während des Fernsehduells mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück.  

Reaktionen aus Königs Wusterhausen (Wahlkreis 62):

Lutz Franzke (SPD), Bürgermeister in Königs Wusterhausen: "Ich wünsche mir, dass Tina Fischer mit 29,3 oder 30 Prozent in den Bundestag einzieht."

Detlef Gärtner (SPD), Rangsdorf, Beigeordneter des Landrates des Landkreises  Teltow-Fläming: "Im Wahlkreis 62 hoffe ich natürlich, dass Tina Fischer es schafft und nach den vielen erfolgreichen Jahren von Peter Danckert in den Bundestag einzieht. Ich kenne  Tina schon seit vielen Jahren und weiß, dass sie für die Anliegen der Menschen, um deren Stimmen sie kämpft, immer ein offenes Ohr hat. Deshalb würde es mich wirklich sehr, sehr freuen, wenn sie es schafft, hier das Direktmandat zu gewinnen."

Ludwig Scheetz, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Königs Wusterhausen: "Für die SPD hätte ich auf Bundesebene zwei, drei Prozent mehr erwartet. Wir haben ja einen sehr engagierten Wahlkampf geführt. Überraschend für mich ist, dass die FDP aus dem Bundestag ist. Auf jeden Fall wird es Schwarz-Gelb nicht geben. Wenn es eine  große Koalition von CDU und SPD geben sollte, dann muss die SPD sich in so wichtigen  Themen wie  Mindestlohn und Rente durchsetzen. Wenn sie das nicht macht, muss sie auch am Ende so konsequent sein, lieber auf die Machtoption zu verzichten und sagen, wir wollen auf die inhaltlichen Punkte nicht über Bord werfen, sondern wir stehen dafür, wofür wir angetreten sind. Das könnte der SPD auf längere Sicht helfen, Vertrauen zurückzugewinnen."

Tina Fischer (SPD), Eichwalde, Kandidatin der SPD im Wahlkreis 62: "Ich bin so ein bisschen schockiert, dass die CDU/CSU jetzt bei 42 Prozent liegt."

Rainer Suckow, Königs Wusterhausen (Piraten): "Die Seele von Deutschland ist schwarz. Die Piraten wären im Bundestag drin gewesen, wenn sie die Protestwähler gekriegt hätten, die jetzt die Alternative für Deutschland abfasst. Die Frage ist nur, ob wir das überhaupt wollen."

Denny Hellbach (Die Linke), Königs Wusterhausen: "Die größte Freude ist für mich eigentlich, dass die FDP aus dem Bundestag raus ist. Für die Linke habe ich auf neun Prozent getippt. Deshalb bin ich mit dem aktuellen Ergebnis zufrieden."

Steffen Kühne (Die Linke), Kandidat im Wahlkreis 62: "Ich habe gerade eine Dankeschön-Torte vom Kreisverband für unseren Wahlkampf bekommen. Wer von den beiden anderen vermeintlich großen Kandidaten im Wahlkreis 62 – Jana Schimke und Tina Fischer - das Rennen macht, dafür ist der Abend noch zu jung. Ich persönlich rechne mir nicht die allergrößten Chancen aus, aber ausgeschlossen ist nichts."

Ex-Vizelandrat Jürgen Marks (CDU), Königs Wusterhausen: "Von dem Bundestagswahlergebnis meiner Partei bin ich ganz begeistert. Ein Ergebnis in dieser Größenordnung haben wir zuletzt 1994 gehabt. Im Landkreis Dahme-Spreewald werden traditionell die Ergebnisse aus den Dörfern im Süden zuerst gemeldet, wo überwiegend CDU gewählt wird. Entscheidend sind die Ergebnisse aus den großen Städten im Norden. Die muss man unbedingt abwarten. Ich glaube, es wird eine knappe Kiste zwischen Jana Schimke und Tina Fischer werden."

Bundestagswahl auf einen Blick

Überblick über die märkischen Ergebnisse der vergangenen Bundestagswahlen, Hinweise zur Wahl an sich und was man beim Gang zum Wahllokal beachten muss, das große Wahlquiz der MAZ, Zahlen und Fakten zur Bundestagswahl 2013 und unser Chefredakteur macht sich zudem Gedanken über die Nichtwähler.

Bundestagswahl 2009 in Brandenburg

Bis Sonntagabend herrscht das große Zittern in Wackel-Wahlkreisen Quelle: election.de

Bei der letzten Bundestagswahl 2009 hatte die SPD in Brandenburg fünf Wahlkreise, die Linke vier und die CDU einen Wahlkreis gewonnen. Das Land ist in zehn Bundestagswahlkreise ( -->zu den Wahlkreisen im Verbreitungsgebiet der MAZ: Wahlkreis 56, Wahlkreis 58, Wahlkreis 60, Wahlkreis 61, Wahlkreis 62) eingeteilt.

» Bundesweite Hochrechnungen, Statistiken und vieles mehr

Überblick

Die Wahlergebnisse aus Brandenburg bei den bisherigen Bundestagswahlen seit 1990 im Überblick

1990
Wahlbeteiligung: 73,8 %

  • CDU: 36,3 %
  • SPD: 32,9 %
  • FDP: 9,7 %
  • Grüne: 6,6 %
  • PDS: 11,0 %

1994
Wahlbeteiligung: 71,5 %

  • CDU: 28,1 %
  • SPD: 45,1%
  • FDP: 2,6 %
  • Grüne: 2,9 %
  • PDS: 19,3 %

1998
Wahlbeteiligung: 78,1 %

  • CDU: 20,8 %
  • SPD: 43,5 %
  • FDP: 2,8 %
  • Grüne: 3,6 %
  • PDS: 20,3 %

2002
Wahlbeteiligung: 73,7 %

  • CDU: 22,3 %
  • SPD: 46,4 %
  • FDP: 5,8 %
  • Grüne: 4,5 %
  • PDS: 17,2 %

2005
Wahlbeteiligung: 74,9 %

  • CDU: 20,6 %
  • SPD: 35,8 %
  • FDP: 6,9 %
  • Grüne: 5,1 %
  • Linke: 26,6 %

2009
Wahlbeteiligung: 67,0 %

  • CDU: 23,6 %
  • SPD: 25,1 %
  • FDP: 9,3 %
  • Grüne: 6,1 %
  • Linke: 28,5 %

Schlund, Schlumpf oder Schland? Das große MAZ-Wahlquiz

Für jede richtige Antwort gibt es einen Punkt. Die Lösungen finden Sie weiter unten

1. Was verlangt Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer von seiner Kanzler-Gattin?
a) Höhere Mehrwertsteuer
b) Mehr Streusel auf dem Kuchen
c) Genossen als Koalitionspartner

2. Wie heißt der Lieblingsfilm von Angela Merkel
a) Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin
b) Die Legende von Paul und Paula
c) Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

3. Welche spezielle Halskette hat Angela Merkel im TV-Duell populär gemacht?
a) Schlund-Kette
b) Schlumpf-Kette
c) Schland-Kette

4. Wie hieß das Theaterstück, nach dessen Besuch ein FDP-Spitzenmann schwer stürzte?
a) Rocky-Horror-Picture-Show
b) Der fröhliche Weinberg
c) Kabale und Liebe

5. Welche dieser Paarungen gehört zum Spitzenteam der Linken?
a) Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch
b) Gregor Gysi und Caren Lay
c) Klaus Ernst und Nicole Gohlke

6. Welcher Tag soll in Zukunft ein grüner Veggie-Day sein?
a) Gründonnerstag
b) Karfreitag
c) Aschermittwoch

7. Wer ist im Kompetenzteam von Peer Steinbrück für Arbeit und Soziales zuständig?
a) Tim Wiese
b) Klaus Wiesehügel
c) Walther von der Vogelweide

8. Auf welche Namen reagierte Peer Steinbrück mit dem Stinkefinger?
a) Ketten-Peer, Klartext-Peer, Kabeljau-Peer
b) Sigmar Gabriel, Andrea Nahles, Frank-Walter Steinmeier
c) Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi

9. Wer singt für die SPD?
a) Die Amigos
b) Roland Kaiser
c) Die Böhsen Onkelz

10. Wie heißt die Führungsspitze der SPD
a) Das Dreigestirn
b) Die Drei von der Zankstelle
c) Die Troika

11. Was hat sich Horst Seehofer auf die Fahnen geschrieben?
a) Caravan-Verbot für Holländer
b) Tempolimit für Österreicher
c) Pkw-Maut für Ausländer

12. Wozu luden die Piraten im Wahlkampf ein?
a) Schiffe-Versenken-Turnier
b) Krypto-Parties
c) Flatrate-Trinken

13. Was will die Alternative für Deutschland abschaffen?
a) Frauenwahlrecht
b) Euro
c) Sektsteuer

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zur Bundestagswahl am 22. September

  • Am Sonntag sind 61,8 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, den 18. Deutschen Bundestag zu wählen. Nach Auskunft des Bundeswahlleiters haben gut 9 Prozent aller Wahlberechtigten bzw. rund 5,8 Millionen einen Migrationshintergrund.
  • 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen.
  • Rund drei Millionen junge Menschen sind Erstwähler. Sie wurden seit der vergangenen Bundestagswahl 2009 volljährig.
  • Ein Fünftel der Wahlberechtigten ist mindestens 70 Jahre alt.
  • Gewählt wird in den 299 Wahlkreisen in circa 80.000 Urnen- und 10.000 Briefwahlbezirken. Nordrhein-Westfalen hat die meisten (64) und Bremen die wenigsten Wahlkreise (2).
  • In den Wahlkreisen gibt es jeweils zwei Arten von Kandidaten: Direkt- und Listenkandidaten. Jeder Wähler kann deshalb zweimal sein Kreuz machen: mit der Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten.
  • Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Direktmandate bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen.
  • 34 Parteien beteiligen sich an der Wahl, davon stellen 30 eine Landesliste auf.
  • Insgesamt treten 4451 Wahlbewerber (900 mehr als 2009) an, darunter 1149 Frauen (25,8 Prozent).
  • Das Durchschnittsalter liegt wie bei der Wahl 2009 bei 47,4 Jahren.
  • Die jüngste Bewerberin ist 1995 geboren und kandidiert auf einer Landesliste in Bayern, der älteste Bewerber ist Jahrgang 1923 und steht auf einer Landesliste in Berlin.
  • Etwa 630.000 ehrenamtliche Wahlhelfer sind am Wahlsonntag im Einsatz. Manche Großstädte benötigen allein bis zu 10 000.
  • In jedem Wahllokal und für jeden Briefwahlbezirk gibt es einen Wahlvorstand, der sich aus einem Wahlvorsteher, einem Stellvertreter und drei bis sieben Beisitzern zusammensetzt. Neben der Überwachung und Organisation der Wahl zählt der Vorstand am Ende die Stimmen aus und leitet das Ergebnis an die Kommune weiter.
  • Um 18 Uhr verbreiten die TV-Sender ihre Prognosen zum Wahlausgang, kurz darauf die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird für die Nacht zum Montag erwartet.
  • Die Wahlbeteiligung bei der Wahl 2009 lag bei 70,8 Prozent
  • Ein Stimmzettel ist ungültig, wenn mehr als ein Kreuz pro Spalte gesetzt ist, nichts markiert wurde oder nicht zweifelsfrei zu erkennen ist, wo markiert wurde. Wichtig ist laut Deutscher Anwaltauskunft, dass der Wählerwille eindeutig zu erkennen ist. Danach kann man zwar einen Haken anstelle eines Kreuzes setzen, ein Fragezeichen aber kommt nicht infrage. Wenn jemand mit einem T-Shirt Werbung für eine Partei macht, darf er damit nicht ins Wahllokal - unerlaubte Wählerbeeinflussung.
  • Wie kommen die Abgeordneten in den Bundestag? Zunächst wird ermittelt, wie viele von den theoretisch 598 Bundestagssitzen einer Partei nach ihrem Zweitstimmenergebnis zustehen. Dann werden diese Sitze entsprechend dem jeweiligen Zweitstimmenergebnis in den Bundesländern auf die Landesverbände der Partei verteilt. Innerhalb der Landesverbände erhalten zuerst alle direkt gewählten Wahlkreiskandidaten einen Sitz, bleiben welche übrig, gehen diese an die Kandidaten der Landesliste entsprechend deren Reihenfolge.
  • Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss das endgültige Ergebnis der Wahl in einer öffentlichen Sitzung fest. Innerhalb von 30 Tagen, also spätestens am 22. Oktober 2013, muss ein neu gewählter Bundestag erstmals zusammentreten. Der älteste anwesende Abgeordnete leitet die Sitzung sowie die Wahl des Bundestagspräsidenten und seiner Stellvertreter.
  • Aufgabe des Bundestages ist auch die Wahl des Bundeskanzlers. Der Vorschlag für einen Kandidatin oder einen Kandidaten kommt vom Bundespräsidenten. Die Wahl erfolgt dann ausschließlich durch die Abgeordneten, ohne vorherige Aussprache und geheim. Der Kandidat benötigt die absolute Mehrheit der Stimmen des Parlaments.

WAHLKAMPF-CHECK UND AUSWERTUNG

Lösungen:

1. b; 2. b; 3. c; 4. b; 5. a/b/c; 6. a; 7. b; 8. c; 9. b; 10. c; 11. c; 12. b; 13. b

Auswertung

3 Punkte: Sie haben Wahlkampf-Nachholbedarf. Geben Sie Ihr Wahlrecht zurück!
4 bis 10 Punkte: Solide Grundlage. Sie haben eine Zweitstimme gewonnen.
10 Punkte und mehr: Profi-Wähler: Gratulation – Sie haben KanzlerInnen-Kompetenz.

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Stimmenfang im Schweinsgalopp: Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat wenige Tage vor der Bundestagswahl Neuruppin besucht. Auf dem Programm standen ein Bürgerfrühstück, ein Marktbummel und die Beantwortung von zig Fragen - auch einigen unangenehmen.

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