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Auf der Suche nach Bündnispartnern

Tornow Auf der Suche nach Bündnispartnern

Kirsten Tackmann spürt den wachsenden Druck und will gerade deshalb zum vierten Mal mit den Themen Landwirtschaft und Leben auf dem Lande für die Linke in den Bundestag. Dabei sei ihr Weg in die große Politik, wie sie betont, ursprünglich eher vom Zufall bestimmt gewesen.

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Das Leben auf dem Lande bildet für die Tornowerin Kirsten Tackmann auch in der Politik den Mittelpunkt.

Quelle: Christian Rehmer

Tornow. Kirsten Tackmann redet schnell. Sie hat ihre Vorstellungen von Problemen und von Lösungen. Es den Zuhörern angenehm zu machen, steht für sie an zweiter Stelle. Was sie sagt, sagt sie meist nicht zum ersten Mal. Kirsten Tackmann ist seit zwölf Jahren Mitglied des Bundestages. Dabei hatte sie das nach eigener Aussage nie vor.

„Das war eher ein Zufall“, erzählt die Tornowerin. 2005 gab es vorgezogene Neuwahlen. Ihre Partei, die Linke, habe kurzfristig engagierte Leute für den Wahlkampf gesucht. So sei sie schließlich auf einen Platz der Landesliste gekommen – keinen Spitzenplatz. „Aber dann haben wir so ein gutes Ergebnis erreicht, dass ich plötzlich mit drin war. Das war ein ziemlicher Schock.“

Das Herz hing an der Wissenschaft

Bis dahin führte die Karriere der heute 56-Jährigen in eine ganz andere Richtung. Ende der 70er Jahre machte sie innerhalb einer Ausbildung zur Chemielaborantin ihr Abitur, um dann Veterinärmedizin zu studieren. 1986 begann sie ihre Arbeit im Staatlichen Institut für Epizootiologie und Tierseuchenbekämpfung in Wusterhausen, dem späteren Friedrich-Loeffler-Institut. Zwei Kinder kamen zur Welt.

Kirsten Tackmann

Geburtsort von Kirsten Tackmann war 1960 Schmalkalden. Sie wuchs in Berlin auf und studierte dort Tiermedizin.

Ab 1986 arbeitete sie am Institut für Tierseuchenbekämpfung in Wusterhausen. Seit 1993 ist sie Doktor der Tiermedizin.

Die Tornowerin Kirsten Tackmann ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder.

Politik spielte schon früh eine Rolle. Zur Wendezeit wurde Kirsten Tackmann Mitglied der SED-Kreisleitung Kyritz. Danach ließ ihr Engagement etwas nach, bevor sie 2002 stellvertretende Kreisvorsitzende der PDS (heute: Die Linke) und ein Jahr später Mitglied des Landesvorstandes wurde. Im Vordergrund stand für die Tornowerin jedoch die Arbeit als Wissenschaftlerin. „Ich wollte politisch aktiv sein – aber ehrenamtlich, nicht hauptamtlich.“ Trotzdem ist die Tiermedizin nun weitgehend Vergangenheit. „Ich hatte erst die Idee, wenigstens einen Tag pro Woche im Institut zu arbeiten. Aber das war eine Illusion.“

Ein Traumberuf ist die Politik für Kirsten Tackmann nicht geworden. „Die emotionale Belastung habe ich völlig unterschätzt. Man will ja was erreichen für die Leute und hat mit ihrer zunehmenden Unzufriedenheit zu tun.“

Mit Bombodrom und Forschungsstandort begonnen

Bei ihrer ersten Wahl 2005 trommelte die Linkspolitikerin gegen den Truppenübungsplatz bei Wittstock (Bombodrom) und für den Erhalt des Wusterhausener Standortes des Friedrich-Loeffler-Institutes. Beides ist inzwischen abgehakt – einmal als Erfolg, einmal als Misserfolg.

Das Leben auf dem Land blieb ihr Thema. „Entwicklungshemmnisse und -potenziale der ländlichen Räume, das ist meine Überschrift.“ Kirsten Tackmann ist unter anderem Obfrau im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und agrarpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Das Gerede vom Aussterben der ländlichen Regionen könne sie nicht mehr hören. „Wir könnten mehr erreichen, aber wir brauchen dazu Unterstützung vor allem vom Bund.“ Ein Punkt sei die Mobilität. „Die meisten Leute, mit denen ich hier rede, nennen das als erstes Thema.“ Mehr öffentlicher Nahverkehr, lautet eine von Kirsten Tackmanns Forderungen. „Das wäre auch ökologisch sinnvoll – jedenfalls sinnvoller, als nur über den Diesel zu streiten.“ Ihre Vision sei der kostenlose Fahrschein für jeden. „Das ist für mich auch eine Frage der Teilhabe.“

Landwirtschaft ist Lebensgrundlage

Dass vielen für diese Teilhabe das Einkommen fehle, darin sieht die Linkspolitikerin eines der Grundprobleme. „In einer armen Gegend ist auch die Wirtschaft arm.“ Mit Sorge verfolgt Kirsten Tackmann die Konzentration von immer mehr Wirtschaftsmacht in immer weniger Händen. „Damit machen wir uns erpressbar.“ Das gelte ausdrücklich auch für die Landwirtschaft. Ortsansässige Agrarbetriebe müssten gestärkt werden. „Die, die was für die Region tun. Die Lebensqualität auf den Dörfern hängt auch davon ab, wie ringsum Landwirtschaft stattfindet. Ich will, dass sie nachhaltig produziert und trotzdem davon leben kann.“

Kirsten Tackmann hegt nicht die Illusion, das innerhalb der nächsten Legislaturperiode zu erreichen. „Für Veränderungen braucht es breite Bündnisse, die sich nicht immer gleich schmieden lassen.“ Aber der Druck wachse. „Die Ungeduld, die um einen herum ist, hat man auch in sich.“

Umso wichtiger werden ganz persönlich die wenigen Stunden Freizeit. „Mein Garten ist mir heilig. Da komme ich wieder runter. Freunde und Familie müssen leider oft auf mich verzichten. Aber die Familie teilt ja das, was ich erreichen will. Sonst würde ich das nicht machen.“

Von Alexander Beckmann

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