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Wahlkreis 60 Strategische Fehler und neue Optionen
Brandenburg Bundestagswahl 2017 Wahlkreis 60 Strategische Fehler und neue Optionen
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08:03 01.10.2013
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Brandenburg/h.

Nirgendwo findet sich auf den Internetseiten der Havelstadt-Parteien eine Analyse der dramatischen Ereignisse vom 22. September. Die CDU freut sich im Internet an ihrer Kreisvorsitzenden und Jean Schaffer. Kein Wort von Andrea Voßhoff, der knapp gescheiterten CDU-Kandidatin. Die Havelstädter SPD erklärt in einem banalen Text, dass sie sich für ihren Sieger Frank-Walter Steinmeier freut. Und die Havelstädter Linke hat ganz vergessen, dass Wahl war.

Es müsse doch mit dem Teufel zugehen, wenn er den Wahlkreis nicht gewinne, hatte Frank-Walter Steinmeier kurz nach seinem letzten Wahlkampfauftritt und Stunden vor der Wahl gesagt. Schließlich war er monatelang durch die Republik gezogen und hatte außerdem wie kein anderer Kandidat seinen Wahlkreis in Brandenburg, Rathenow Belzig und Jüterbog beackert.

Von Tür zu Tür zog Steinmeier (das wird sein Glück gewesen sein). Auch mit Unterstützung seines Wahlkreis-Teams, eines erheblichen Materialeinsatzes und einiger Politprominenz (Helmut Schmidt, Matthias Platzeck, Dietmar Woidke). Die Partei vor Ort, insbesondere in Brandenburg, hielt sich mit Unterstützung zurück. Sie machte den strategischen Fehler zu glauben, Steinmeiers Wahl sei ein Selbstläufer. Dazu kam Steinmeiers Fehleinschätzung, dass die Linke Diana Golze seine ernsteste Konkurrentin sei.

Golze, die im Wahlkampf kaum zu sehen war, wurde abgestraft: Immerhin 4,7 Prozent verlor sie (23,8 Prozent) gegenüber 2009, uneinholbar hinter Steinmeier (33,1) und Voßhoff (32,8).

"Was hätte das werden können, wenn sie Wahlkampf gemacht hätte", spotteten ihre CDU-Parteifreunde noch am Wahlabend wenig mitfühlend. Tatsächlich hatte Andrea Voßhoff erst spät begonnen, sich in Szene zu setzen. Die Konsequenz: Sie ist raus! Frank-Walter Steinmeier hingegen drin, Diana Golze dank der Zweitstimmen-Liste auch. Die Lehre aus der Wahl ist klar: Brandenburg ist nicht mehr nur rot. Die CDU kann auch in der "kleinen DDR" Mehrheiten holen. Schon an den Wahlständen haben die Linken gemerkt, dass die Zustimmung schwindet. Mal sehen, welche Konsequenz die SPD daraus zieht, die jetzt mit neuem Ministerpräsidenten und neuen Machtoptionen in den Landtagswahlkampf zieht.

Von Benno Rougk

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