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Wahlkreis 61 Von Schnellzählern und Briefwählern
Brandenburg Bundestagswahl 2017 Wahlkreis 61 Von Schnellzählern und Briefwählern
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21:26 23.09.2013
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Potsdam

Wäre die Bundestagswahl ein Film, hätte Drewitz ganz klar die Special Effects in der Mache. Längst waren im Wahlkreis 61 die Stimmen ausgezählt und die Uhr ging stramm auf die allerletzte Stunde des Wahltags zu – da stoppelten die Drewitzer noch immer ihr Ergebnis zusammen. „Wenn man sich einmal verzettelt hat, kommt man einfach nicht wieder in Tritt“, sagt Wahlleiter Matthias Förster. „In so einer Situation nutzt es auch nichts, den Wahlhelfern die Sache noch einmal lange am Telefon zu erklären – die Leute müssen dann zu uns mit Sack und Pack reingefahren kommen und wir zählen hier gemeinsam.“ Um 23.08 Uhr war es dann endlich auch für den letzten der 293 Wahlbezirke im Wahlkreis 61 soweit – das Ergebnis von Bezirk 7202 Drewitz/Hans-Albers-Straße lag vor und für die Direktmandat-Konkurrenten stand nach langem Zittern und Händekneten fest: Katherina Reiche (CDU) ist an Andrea Wicklein (SPD) haarscharf vorbeigezogen.

Am schnellsten zählte in der Landeshauptstadt übrigens das Team Sacrow, in Mittelmark der Trupp Michendorf. Um 18.29Uhr meldete Sacrow dem Wahlleiter das vorläufige Endergebnis; Michendorf schlug um 19.50 Uhr an. Zugegeben, allzu viel ist in Sacrow nicht zu sichten. 119 Wahlberechtigte leben derzeit in dem malerischen Nest. 31 hatten sich zur Briefwahl angemeldet und haben so auch abgestimmt. Von den übrigen 88 Sacrowern machten 81 ihr Kreuzchen live im Wahllokal. Sieben Sacrower haben die Sache sein lassen. Das macht eine Wahlbeteiligung von 94 Prozent – top!

Weil im vorläufigen Bericht zur Bundestagswahl in Potsdam allerdings nur die Urnen-Gänger erfasst werden, muss Sacrow mit nurmehr 68Prozent die Krone an den Wahlbezirk 1306 Bornstedt/Hermann-Mattern-Promenade abtreten. Dort sind 71,1 Prozent der Wahlberechtigten zur Tat geschritten. Die rote Laterne geht in den Schlaatz. Dort wurden im Wahlbezirk 6306 Schlaatz/Inselhof nur 41,1 Prozent registriert. In Mittelmark räumt Kleinmachnow mit 87,2 Prozent ab; Werder ist mit 70,6 Prozent das Schlusslicht.
Generell hat die Wahlbeteiligung in der Region zugenommen. Sie lag bei 74,4 Prozent im Wahlkreis (plus 3,2 Prozent) und in der Landeshauptstadt bei 73,6 Prozent (plus 1,6 Prozent) und war damit höher als im Land Brandenburg (68,4 Prozent) und in der gesamten Bundesrepublik (71,6). Zugenommen hat auch das Interesse an der Briefwahl. Mehr als jeder fünfte Potsdamer Wähler (22Prozent) kreuzte nicht im Wahllokal an (2009: 20,6Prozent). Mit 6465 online gestellten Anträgen hat sich zudem die Zahl der im Internet angeforderten Briefwahlunterlagen seit der letzten Bundestagswahl mehr als verdoppelt.

960 Wahlhelfer waren im Wahlkreis aktiv – freiwillig. Niemand musste zum Dienst an der Urne verpflichtet werden, sagt Wahlleiter Matthias Förster. Dabei zahlten die Nachbarn Berlin und Falkensee (Havelland) bis zu 50 statt der üblichen 21 Euro Erfrischungsgeld – die befürchtete Helfer-Wanderung trat aber nicht ein. „Ganz vielen geht’s nicht ums Geld, sie wollen gern mal dabei sein oder einfach nur helfen“, sagt Förster. „Das zeigt, wie viel den Leuten die Demokratie wert ist.“
Im Wahlkreis 61 hat erstmals die CDU-Frau Katherina Reiche (32,6 Prozent, 58399 Stimmen) das Direktmandat errungen, Andrea Wicklein (SPD) erhielt 32,2 Prozent (57668) der Stimmen. Norbert Müller (Linke) bekam 20,0 Prozent (35914). Auch bei den Zweitstimmen hat die CDU mit 31,4 Prozent vor SPD (24,9) und Linken (20,7) den Wahlkreis für sich entschieden. Die Grünen kamen auf 9,0Prozent, die AfD auf 5,7 und die FDP auf 3,3Prozent. „Das ist ein totaler Kipp und hat auch uns völlig überrascht“, sagt Förster. Man vermutete gar einen Programmfehler – erstmals kam landesweit einheitliche Software zum Einsatz, man fremdelt noch.

Von Nadine Fabian

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