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Bundesweite Angriffsserie auf Flüchtlinge

Brandanschläge und Steinwürfe in Brandenburg Bundesweite Angriffsserie auf Flüchtlinge

Es gibt derzeit bundesweit eine regelrechte Angriffsserie auf Flüchtlinge. Menschen, die eigentlich Zuflucht in der Bundesrepublik suchen, sind immer öfter dem Hass der Bürger ausgesetzt. Etwa eine junge Familie aus Brandenburg an der Havel, die Opfer eines Brandanschlags wurden. Doch das war in den vergangenen drei Tagen nicht der einzige Angriff.

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Entsetzen nach Anschlag auf Flüchtlinge

Rechtsextreme formieren sich und greifen immer wieder auch Flüchtlinge an.
 

Quelle: imago stock&people

Brandenburg.  Sie suchen bundesweit Schutz und Zuflucht: Flüchtlinge. Immer öfter stoßen sie jedoch auf puren Hass. Das zeigt eine nicht abnehmen wollende Angriffsserie auf Flüchtlinge.

Brandenburg an der Havel, 18.30 Uhr am Sonnabend. Eine junge Familie aus Inguschetien wird Opfer eines Brandanschlags. Die junge Mutter, Madina Tsychuer schläft bereits. An ihrer Seite sind ihre beiden 2 und 5 Jahre alten Kinder. Ihr Mann ist mit der ältesten Tochter noch im Garten. Sie leben in einer Wohnung in der Pariser Straße, suchen Asyl. Gezielt wählen die Täter ihre Wohnung aus, verkleben den Türspion und legen Feuer vor der Wohnungstür. Die Familie hat Glück. Rechtzeitig bemerken sie den beißenden Geruch des Brandes.

Familie Tsychuer sucht um Asyl

Familie Tsychuer sucht um Asyl. Am Sonnabend wurden sie Opfer eines Brandanschlags in Brandenburg an der Havel.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Angriff auf Begegnungsstätte

Knapp 35 Kilometer entfernt kracht es in einer Begegnungsstätte in Bad Belzig.  Das Info-Café „Der Winkel“ wird am Samstag Opfer eines Anschlags mit möglichem rechtsextremen Hintergrund, sagt die Polizei. Steine fliegen gegen den Ort, an dem sich Menschen jeder Nationalität treffen – frei von jedem Vorurteil. Es ist nicht das erste Mal. Und es ist nicht das letzte Mal. Die Täter schlagen am Sonntag gleich wieder zu. Das letzte, noch unversehrte Fenster wird zerschmettert. Diesmal sehen Zeugen einen Mann im Auto flüchten.

Mit Steinen gegen eine Begegnungsstätte

Mit Steinen gegen eine Begegnungsstätte: In Bad Belzig hat vermutlich ein Mann mit Pflastersteinen das Fenster des Info-Cafés „Der Winkel“ zerschmettert.

Quelle: Rene Gaffron

Rechtsextreme rasten in Dresden aus

Doch nicht nur in Brandenburg knallt es in den vergangenen drei Tagen. In Dresden fliegen am Freitag Steine gegen ein Asylbewerberheim. Sechs Scheiben gehen zu Bruch. Es gibt weitere gewalttätige Ausschreitungen am Rande einer NPD-Demonstration. Die rechtextreme Partei hatte gegen die neu errichtete Zeltstadt in einem Gewerbegebiet am Dresdner Alberthafen mobil gemacht.  Doch die Aggression richtet sich nicht nur gegen die Asylbewerber, sie richtet sich auch gegen Solidarität mit ihnen. Flaschen, Feuerwerkskörper und eine Verkehrs-Warnbarke fliegen in Richtung Gegendemonstration. Drei Menschen werden verletzt. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes werden ebenfalls angegriffen. Sie bauen die Zelte auf. Angriffe auf Mitarbeiter des DRK „und Körperverletzungen gegenüber Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen, sind nicht hinzunehmen. Hier werden Grenzen überschritten“, sagt Sachsens Staatskanzlei-Chef Fritz Jaeckel. Man werde sie zur Rechenschaft ziehen. Weitere Beamte werden künftig in der Notunterkunft eingesetzt. Zum Schutz derer, die hilflos sind.

Flüchtlingscamp auf der Bremer Straße 25

Flüchtlingscamp auf der Bremer Straße 25. Ein rechter Demonstrant wird von der Polizei abgeführt.

Quelle: imago stock&people

Vier syrische Asylbewerber werden bei einem Angriff in Thüringen verletzt. Drei junge Männer prügeln auf sie ein. Sie sind 18, 23 und 26 Jahre. Ein ausländerfeindliches Motiv schließen die Ermittler nicht aus.

Angriffsserie bundesweit

Es sind wenige Tage, in denen sich die Angriffe häufen. Nicht die einzigen in diesem Monat, nicht die einzigen in diesem Jahr. Die Hintergründe sind zumeist rechtsextrem. Das jedenfalls schließt die Polizei bei Angriffen auf Asylbewerber nie aus. Der Brandanschlag auf das geplante Flüchtlingsheim in Zossen im Mai, die Ausschreitungen in Dresden, der Anschlag auf die Asylunterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt. Mittlerweile sucht die Polizei dort nach Zeugen. Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, sind sogar mit einer Belohnung von 20000 Euro ausgesetzt. Tröglitz selbst ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt. Dort trat sogar der Bürgermeister ab, weil er von Rechtsextremen bedroht wurde.

Die sogenannte „Flüchtlingswelle“ wird nicht abnehmen. Mehr Flüchtlinge werden in Deutschland und in anderen Ländern der Europäischen Union Zuflucht suchen.  Manche Bürger formieren Bürgerwehren. So wie einige Anwohner aus Perleberg. Inzwischen ist sie wieder aufgelöst. Viele hingegen stehen für Willkommenskultur. Sie sehen die Umstände – etwa, dass Deutschland noch immer sehr wenig Flüchtlinge im Europavergleich aufnimmt oder das Schicksal, dass die Menschen erlebt haben müssen. Gewalt, Verfolgung, Krieg. Zeigt Menschlichkeit, fordern viele Menschen. Zeigen sie Menschlichkeit, fordert Sachsens Staatskanzlei-Chef.

Von MAZonline

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