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Bunter Flickenteppich

Wasserpreise unter der Lupe Bunter Flickenteppich

Nutzen Wasseranbieter ihr Monopol aus und nehmen überhöhte Preise? Das prüft die Kartellbehörde des Landes Brandenburg - und will wissen, warum es in der Mark so enorme Unterschiede bei den Trinkwasserentgelten gibt. Wie unterschiedlich die Preise sind, zeigt die MAZ in einer Karte.

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Quelle: Grafik: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Von weiß und hellblau über dunkelblau bis lila: Wenn es ums Trinkwasser geht, gleicht Brandenburg einem bunten Flickenteppich, wobei jede Farbe für eine unterschiedliche Entgeltkategorie steht. Das zeigt die Karte, auf der die Landeskartellbehörde (LKB) die Ergebnisse ihrer Trinkwasserentgelt-Untersuchung dargestellt hat. Weiß heißt, hier sprudelt relativ günstiges Wasser. Violett dagegen steht für teures Nass. Die LKB prüft nun einige private Anbieter – die öffentlichen unterliegen nicht ihrer Kontrolle – dahingehend, ob die Monopolisten ihre Marktmacht für überhöhte Preise missbrauchen.

Branchenvertreter halten dagegen, dass es für die Differenzen gute Gründe gebe. „Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Bevölkerungsdichte“, erklärt etwa Otto Ripplinger, der amtierende Verbandsvorsitzende des Märkischen Wasser- und Abwasserzweckverbandes (MAWV), dessen Kerngebiet rund um Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) in freundlichem Weiß strahlt. Das Gebiet des MAWV sei recht dicht besiedelt, so Ripplinger, das mache sich in den Fixkosten bemerkbar. Ein einfaches Beispiel: Wenn eine Leitung verlegt wird, um ein Dorf mit 50 Einwohnern an das Trinkwassernetz anzuschließen, ist das für den Verbraucher teurer als eine städtische Leitung, die ungleich mehr Bewohner mit Wasser versorgt.

Teils liegen weiße und violettfarbene Flecken aber auch sehr nah beieinander, wie etwa im Landkreis Teltow-Fläming: Die Stadt Jüterbog wird neben anderen Gemeinden vom Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) Jüterbog-Fläming versorgt. 80 Kubikmeter Wasser kosten dort im Schnitt 244,80 Euro. Nur ein paar Kilometer weiter in der Kreisstadt Luckenwalde zahlen die Kunden für die gleiche Menge Wasser nur 162 Euro, dort beziehen sie es von der Nuthe Wasser und Abwasser GmbH (Nuwab). Mit Unterschieden in der Besiedlungsdichte lassen sich diese Differenzen kaum erklären, sagt Dagmar Stenzel, Geschäftsführerin der Nuwab. „Die Versorgungsstrukturen und auch die Bodenverhältnisse sind ähnlich.“ Ein Kriterium könnten aber Unterschiede bei den Anlagen sein. Hat ein Zweckverband bei seiner Gründung gut erhaltene Anlagen übernommen, wirkt sich das positiv auf das Portemonnaie der Kunden aus. Auch Ilona Driesner, Geschäftsführerin des WAZ, hält es für möglich, dass die Unterschiede bei den Entgelten unter anderem auf diesen Faktor zurückgehen: „Unser Wasserwerk wird nächstes Jahr 100 Jahre alt“, betont sie.

Nicht zuletzt könnte der Flickenteppich auch auf unterschiedliche Finanzierungsmodelle hindeuten, erklären die Experten. Wenn ein Versorger beispielsweise neue Anlagen errichtet, darf er die Kosten dafür über einen Anschlussbeitrag auf die Nutzer umlegen. Je höher die Einmalzahlung, desto geringer die laufenden Gebühren oder Preise und umgekehrt. Der MAWV hat beispielsweise solche Beiträge erhoben, der WAZ in Jüterbog nicht. Dass die LKB diese Beiträge in ihrer Untersuchung nicht berücksichtigt hat, hat pragmatische Gründe. „Es wäre zu aufwendig“, sagt Volker Weißmann von der Behörde, daher sei man auch nicht gesetzlich dazu verpflichtet. Allerdings werde man diese Punkte bei der genaueren Missbrauchskontrolle, die nun bei den teuren privaten Versorgern erfolgt, beachten.

Weil teure Flecken teils mitten in einem kostengünstigeren Gebiet liegen, hat die LKB vorgeschlagen zu prüfen, ob die teuren Inseln gegebenenfalls von den günstigeren umliegenden Versorgern mit Trinkwasser mitversorgt werden können. Erzwingen kann die Kartellbehörde solche Zusammenschlüsse allerdings nicht, und bei den Verantwortlichen trifft die Idee auf Skepsis. „Im Einzelfall mag das richtig sein“, sagt Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, „aber größer heißt nicht per se günstiger“.

Von Angelika Pentsi

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