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Brandenburg Burlesque bis das Röckchen fällt
Brandenburg Burlesque bis das Röckchen fällt
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13:39 18.09.2015
Marlene von Steenvag Quelle: Satin Paula Kopczynski
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Berlin

Sie wiegt ihre Hüften, lässt die Brüste kreisen und lupft das Gürtelbändchen – bis das Röckchen fällt. Minutenlang heizt Marlene von Steenvag ihrem Publikum ein. Und erntet dafür tosenden Applaus. Der Arbeitsplatz der 34-jährigen Wahl-Berlinerin ist nicht das Rotlichtmillieu: Marlene von Steenvag ist eine der bekanntesten deutschen Burlesque-Künstlerinnen.

Zwar sind Elemente aus dem Striptease entscheidender Bestandteil von Burlesque-Auftritten, das Ziel aber ist ein anderes: „Stripperinnen wollen die meist männlichen Zuschauer sexuell animieren. Wir Burlesque-Tänzerinnen hingegen sind unnahbar, das Entkleiden ist Nebensache“, erklärt Marlene von Steenvag. Dennoch gehört das „Teasen“, das „Reizen“ oder „Necken“ des Publikums zur Show dazu.

Marlene von Steenvag Quelle: Esther Haase

Wie das aussieht, können Neugierige vom 17. bis 20. September erleben. Dann veranstaltet Marlene von Steenvag zusammen mit ihrer Kollegin Else Edelstahl das dritte „Berlin Burlesque Festival“. Im historischen Ballsaal des Neuköllner Heimathafens und im traditionsreichen Wintergarten Varieté präsentieren die beiden Damen mehr als 30 Burlesque-Künstlerinnen und Künstler, sogenannte „Boylesks“. Die meisten von ihnen erzählen auf der Bühne eine Geschichte – mit ganz unterschiedlichen Mitteln: So tritt der korpulente „Big chief random chaos“ aus Irland am 18. September als gigantischer Silberfisch in Erscheinung, der sich am Ende der Show sein Haar anzündet. „Der feingliedrige Australier Raven hingegen, unterhält seine Fans mit Fetisch-Elementen“, verrät Marlene von Steenvag. Immer wieder kommen beim Burlesque simple Accessoires wie Strümpfe, hochhackige Schuhe, aber auch schöne Unterwäsche und Korsetts zum Einsatz.         

Beim Burlesque zeigen nicht nur Menschen mit idealen Maßen ihren Körper: Auch kräftige Frauen mit Hüftpolstern stehen auf der Bühne. Marlene von Steenvag erklärt: „Die Zuschauer kommen nicht, um perfekte Frauen zu sehen, es geht ihnen vielmehr um den Charakter, der verkörpert wird.“  

Viele Figuren sind ironisch überzogen. Das war schon im Amerika der 1930er Jahre so, als sich die Theaterform des Burlesque ausgebreitet hat. Der Begriff „Burleske“ entstammt dem italienischen Theater des 16. Jahrhunderts und bezeichnete damals eine karikaturistische Darstellung der Reichen und Mächtigen.

Marlene von Steenvag ist auf der Bühne eine kokette Diva der Extraklasse. Sie hat den Burlesque als Schauspielschülerin in London kennen und lieben gelernt. Ihre ersten Gehversuche als Burlesque-Veranstalterin in Berlin waren bescheiden: Beim „Salon Kokett“ in der CCCP-Bar in Berlin-Mitte war vieles noch improvisiert, aber die Hauptstadtszene hatte ein Zuhause.

Billie Rae Quelle: Neil Kendall

Wenn beim diesjährigen „Berlin Burlesque Festival“ internationale Show-Stars aus Europa und Übersee zusammen kommen, werden Unterschiede schnell deutlich: Während die Amerikaner oft auf pompöse Kostüme setzen, ist den Europäern die Handlung und den Briten der Humor sehr wichtig.

Überhaupt kommt der Spaß beim Burlesque nicht zu kurz: So haben bei der Odd-Night skurrile Charaktere und komische Figuren ihren großen Auftritt. „Burlesque ist, als würde man eine Lupe auf einen bestimmten Teil einer Persönlichkeit legen und diesen dann extrem hervorheben“, weiß Marlene von Steenvag. Oft kommen dabei Dinge zum Vorschein, die im wahren Leben keinen Platz haben.

Marlene von Steenvag lebt einen Teil ihrer Künstlerpersönlichkeit auch privat: Geht sie aus, sind Jeans und T-shirt tabu. Stöckelschuhe, Rock und Makeup sind ihre Freizeit-Abend-Garderobe. Immerhin hat die 34-Jährige einen Ruf zu verteidigen: Sie betreibt schließlich eine Agentur, die Burlesque-Künstler vermittelt und bringt zudem Profis und Laien Burlesque-Elemente bei. Das können Abschieds-Parties für Junggesellinnen sein aber auch Kurse für Profitänzerinnen.

Außerdem hilft sie interessierten Frauen zwischen zwanzig und fünfzig dabei, ihre Weiblichkeit zu finden und sich sexy zu fühlen. „Wer genau hinguckt“, sagt sie, „bemerkt schnell Blockaden in den Hüften oder einen krummen Gang. Denn unsere Körper erzählen Geschichten darüber, was wir erlebt haben“, weiß Marlene von Steenvag. So blühten gebückt gehende Frauen mit kleiner Oberweite regelrecht auf, wenn sie dazu ermutigt würden, ihre Schultern nach hinten zu rollen.

Wer in Berlin auf die Bühne geht, fühlt sich in seinem Körper wohl – egal ob mini oder XXL. Für das diesjährige Festival haben Frauen 70 Prozent der Karten gekauft, den Rest haben Männer erstanden. Sie alle wissen die selbstbewussten Darstellerinnen zu schätzen und zeigen das auch. Die direkte Interaktion mit dem Publikum ist Teil des Burlesque. Und so erinnert sich Marlene von Steenvag gerne an einen Auftritt mit Bombenstimmung zurück: „Da haben die Leute geschrien und mit den Füßen getrampelt und ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke.“

Von Barbara Breuer

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