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Brandenburg Schwarz-gelbe Koalition gegen den Wolf
Brandenburg Schwarz-gelbe Koalition gegen den Wolf
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17:31 06.08.2018
Rudel Wölfe unterwegs. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Potsdam

CDU und FDP in Brandenburg fordern die Errichtung von wolfsfreien Zonen im Land. Damit machen sich die beiden Oppositionsparteien eine Forderung des Bauernbundes und einer Reihe von Kommunen zu Eigen. CDU-Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski, in dessen Heimatstadt Rathenow (Havelland) Wölfe wiederholt in der Nähe von Menschen angetroffen wurden, bezeichnete die Zonen-Initiative als „Hilferuf“ der Menschen in den ländlichen Gegenden. Sie hätten den Eindruck, dass die Politik nicht auf ihre Sorgen eingehe. „Bevor gar nichts passiert, melden sich die Gemeinden jetzt zu Wort“, so Dombrowski.

Ein Wolf, aufgenommen durch die Kamera einer Fotofalle. Quelle: dpa

Seiner Auffassung nach sei es „nur noch eine Frage der Zeit, dass Menschen durch Wölfe zu Schaden kommen“. Eines der Tiere habe sich einem Schulkind auf bis zu zwei Meter genähert. Ein schärferes Vorgehen gegen die Raubtiere sei nötig.

Dazu zählten sogenannte Schutzjagden nach schwedischem Vorbild, bei denen Tiere einer Wolfspopulation getötet werden können, wenn dadurch der Bestand der Art nicht gefährdet ist. Die Anordnung solcher Dezimierungsaktionen müsse von der Landesregierung vorangetrieben werden. Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) habe schließlich öffentlich den „guten Erhaltungszustand“ der geschützten Tierart Wolf gelobt.

Kugeln gegen Wölfe – ein Hilferuf?

Ebenfalls als „Hilferuf“ fasst FDP-Landeschef Axel Graf Bülow den Ruf nach wolfsfreien Gebieten auf – den gleichen Begriff verwendete der FDP-Mann am Montag auch für den illegalen Abschuss dreier Wölfe in den vergangenen Wochen. Diese Straftaten wären gar nicht vorgekommen, gäbe es ein funktionierendes Wolfsmanagement, sagte Bülow.

Anstecker gegen den Wolf am Anzug eines Jägers. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Weidetierhalter fühlen sich laut dem FDP-Chef in ihrer Existenz durch die Ausbreitung der Raubtiere bedroht. „Die Landesregierung muss endlich die Zuschauertribüne verlassen und darf die Landnutzer mit den aktuellen Problemen nicht allein lassen“, so der Liberale.

Gemeinden als wolfsfreien Zonen

Nach Angaben des Bauernbundes, einer konservativen Vereinigung von kleineren, meist familiär getragenen Landwirtschaftsbetrieben, haben neun Gemeinden bislang die Errichtung von wolfsfreien Zonen beschlossen, in 18 anderen Orten stehe das Thema auf den Tagesordnungen für die Zeit nach der Sommerpause.

Als erste Kommune hatten die Stadtverordneten von Lenzen (Prignitz) im April den Appell an die Landesregierung verabschiedet, das Stadtgebiet für wolfsungeeignet zu erklären. Der Bewegung schlossen sich Gransee, Sonnenberg, Großwoltersdorf, Schönermark und Stechlin im Kreis Oberhavel an, daneben Plattenburg und Breddin in der Prignitz sowie Buckautal (Potsdam-Mittelmark).

Bauern zeigen bei einer Protestkundgebung vor dem Potsdamer Landtag zwei vermutlich vom Wolf gerissene Kälbchen und protestieren gegen die Politik der Landesregierung. Erstling/ Quelle: dpa

Bauernbund-Funktionär Mario Borchert, der die Zonen-Aktion koordiniert und gleichzeitig Gemeindevertreter in Breddin ist, gab zu, dass die Aktion „plakativ“ sei und vor allem der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion gelte. Zuständig für etwaige Wolfszonen seien die Gemeinden nicht.

Grünen kritisieren „Panikmache

Als „reine Panikmache und puren Aktionismus“ bezeichnete der Grünen-Fraktionsvorsitzende Axel Vogel das Agieren des Bauernbunds. „Feuer frei, um wolfsfreie Zonen zu schaffen, kann nicht die Lösung der unzweifelhaft vorhandenen Probleme der Weidetierhalter mit dem Wolf sein“, sagte der Bündnisgrüne und gibt seinen Parlamentskollegen einen Hinweis: „Die CDU wäre gut beraten, Abstand zu halten und nicht als Mitfahrer auf den Zug des Bauernbundes aufzuspringen.“ Auch sei „bedauerlich, dass sich inzwischen einzelne Kommunen anschließen und suggerieren, dass sie sich per Beschluss zu ‚wolfsfreien Gebieten‘ machen könnten.“

Der Grünen-Fraktionschef schlägt stattdessen vor, die Anfang des laufenden Jahres in Kraft gesetzte Wolfsverordnung nach Ende der aktuellen Vegetationsperiode auf ihre Praxistauglichkeit hin zu überprüfen. Die Verordnung erlaubt in Ausnahmefällen das Schießen von Problemwölfen. Dies ist bislang aber kein einziges Mal in die Tat umgesetzt worden.

Der Bauernbund und andere Kritiker halten die Wolfsverordnung – immerhin die erste in Deutschland – für viel zu bürokratisch. Sie fordern, die Wölfe auf Truppenübungsplätze und in Tagebaubrachen zurückzudrängen. Besiedelte Gebiete eigneten sich nicht fürs Zusammenleben mit den grauen Räubern.

In Brandenburg gibt es nach offiziellen Schätzungen 240 Wölfe. Ihr Bestand vergrößert sich jährlich um einen zweistelligen Prozentsatz. Die Zahl der Nutztierrisse, hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht.

 

Von Ulrich Wangemann

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