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Camper-Carsharing gegen Fernweh

Junges Unternehmen in Brandenburg Camper-Carsharing gegen Fernweh

Dirk Fehse ist selbst ein leidenshaftlicher Camper. 2010 bot er sein eigenes kleines Wohnmobil übers Internet zur Vermietung an. So entdeckte der Diplom-Kaufmann zufällig eine Marktlücke. 2013 ging die Plattform „Paul Camper“ online. Inzwischen wird der Jungunternehmer in Bernau mit einer Riesenförderung belohnt.

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Er ist selbst Camper aus Leidenschaft: Eine Tour mit seinem umgebauten VW Transporter namens „Paul“ brachte Dirk Fehse auf die Idee seiner Mietplattform „Paul Camper“

Quelle: foto: Dzung Le

Bernau. Wenn Dirk Fehse könnte wie er wollte, würde er am liebsten mit seinem Wohnmobil von Berlin in Richtung Kaukasus bis zur Mongolei fahren. Die Abenteuer-Tour muss der begeisterte Camper aber wohl noch etwas aufschieben. Derzeit ist Fehse vollkommen damit beschäftigt, seine 2013 gegründete Internet-Plattform „Paul Camper“ zum Vermieten von Wohnmobilen in ganz Deutschland auszubauen. 1,1 Millionen Euro Fördergelder gibt die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) Fehse, damit er noch mehr Personal im neuen Firmensitz in Bernau (Barnim) einstellen kann.

Car-Sharing wurde durchs Internet attraktiv

Carsharing , die Idee, ein Auto zu teilen, ist älter als der aktuelle Trend vermuten lässt. In der Schweizer Selbstfahrergenossenschaft (SEFAGE) teilten sich schon 1948 mehrere Leute in Zürich einen Wagen.

Einen Schub haben Carsharing-Modelle natürlich durch das Internet erhalten. In Deutschland existierten nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing Anfang 2016 etwa 150 Carsharing-Organisationen. Durchschnittlich kommen auf jedes Carsharing-Fahrzeug in stationsbasierten Angeboten 45 Fahrtberechtigte, in stationsunabhängigen Angeboten 126 Fahrtberechtigte auf ein Fahrzeug.

Kommerzielle Car-Sharing-Angebote sind zum Beispiel „car2go“, „DriveNow“ und „Stadtmobil“. Bei den Wohnmobilen hat „Paul Camper“ bislang einen kommerziellen Konkurrenten. „Campanda“ wurde ebenfalls 2013 gegründet. Campanda vermittelt aber nicht private Wohnmobilbesitzer an Mieter. Die Anbieter dieser Plattform sind alles kommerzielle Anbieter.

„Wir brauchen hauptsächlich Businessleute, aber auch IT-Spezialisten“, sagt der aus dem Elbe-Elster-Kreis stammende Fehse. Eingesetzt würden sie als Kundenbetreuer, Marketingfachleute und Programmierer zur Verbesserung des Instruments der Firma. Die Online-Plattform „Paul Camper“ läuft inzwischen mit einem eigenen System. Fehse musste in Potsdam nicht lange bitten, um die ILB von der Stärke seiner Firma zu überzeugen. Der Leiter der Abteilung ICT-Investments sagt: „Das Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren Tolles geleistet.“ Von der Millionenspritze erwartet die ILB weitere hochwertige Arbeitsplätze in Brandenburg.

Durchweg sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen

Die hat der Gründer schon seit 2013 zunächst in Berlin geschaffen. Zehn feste Mitarbeiter hatte „Paul Camper“ im August 2016. In Bernau sollen es bis Anfang nächsten Jahres noch einmal fünf feste Stellen werden. Auch Akademiker sucht das junge Unternehmen. „Es handelt sich durchweg um sozialversicherungspflichtige Jobs“, betont Fehse, dessen Firmengeschichte sich ein bisschen wie eine Erfolgsgeschichte aus dem Silicon Valley liest.

2007 hatte Fehse bei einer Tour durch Australien seine Liebe zum Caravaning entdeckt, 2010 kaufte sich der gebürtige Brandenburger einen VW Transporter und baute ihn zum Wohnmobil um. „Paul“ nannte er das Gefährt. Das passte, fand Fehses Mutter. Zwei seiner Vorfahren hießen Paul. Um diesen Wagen überhaupt finanzieren zu können, beschloss Fehse, das Wohnmobil an andere Camper zu vermieten, wenn er es selbst nicht brauchte. Damit war die Idee von „Paul Camper“ war geboren. Schnell merkte Fehse, wie groß das Interesse am Wohnmobil-Mieten war. Anfang 2013 meldete er seine Online-Plattform für Vermieter und Mieter von Wohnmobilen als Firma an. An bereits bestehende Car-Sharing-Plattformen dachte er dabei gar nicht.

Mit dem Laptop im eigenen Zimmer

„Angefangen habe ich mit meinem Laptop in meinem Zimmer“, sagt Fehse. Dort brachte er Besitzer von Wohnmobilen und Karawanen mit solchen zusammen, die gerne auf Tour gehen, aber dafür nicht gleich ein eigenes Gefährt kaufen wollten. Schon bald musste Fehse für den immer größeren Interessentenkreis eine Bekannte für das operative Geschäft und die Kundenbetreuung hinzuziehen. „Schon nach dem ersten Jahr hatten wir 47 Vermieter auf unserer Plattform“, sagt Fehse.

Die Zahl vermietender Wohnmobilbesitzer und mietender Camper nahm ständig zu. Fehse stellte noch mehr Leute ein und zog in Räume der Beuth-Hochschule in Berlin um, erst Anfang September dieses Jahres zog die Firma in noch größere Räume nach Bernau. Inzwischen sind 630 Camper registriert. Sie alle bieten ebensoviele private Campingfahrzeuge auf der Plattform „Paul Camper“ zur Vermietung an. Auf jeden dieser Vermieter kommen laut Fehse sechs bis zehn Mieter pro Jahr.

Wohnmobile liegen im Trend

„Reisen mit dem Campingbus liegt im Trend“, sagt Fehse. Vergangenes Jahr hätten in Deutschland rund eine Million Menschen eine Reise mit dem Campingbus oder dem Wohnmobil unternommen. Fehse sieht noch viel Potenzial für den Ausbau seiner Firma. Der gelernte Diplom-Kaufmann und frühere Wirtschaftsprüfer hat eine Marktlücke entdeckt. Die Geschäftsidee, so Fehse, sei simpel: Für die Vermittlung von Wohnmobilen nehme die Firme jedes Mal 15 Prozent Provision. Das habe Erfolg.

„Ein eigenes Unternehmen war früher nicht mein Ziel“, sagt Fehse. „Letztlich hat es sich durch eine damalige Lebenskrise ergeben.“ Für diese Krise ist Fehse jetzt „extrem dankbar“. Denn nicht nur hat er die unternehmerische Ader in sich entdeckt, bei „Paul Camper“ verbindet er auch seine persönliche Leidenschaft fürs Campen mit dem Geschäftserfolg. Regelmäßig veranstaltet die Firma auch Campertreffen, auf denen die registrierten Mitglieder ihre Reiseerfahrungen austauschen.

Auch wenn der Ausbau der Firma Fehse derzeit stark fordert, ganz aufgeben will er das Campen selbst in dieser heißen Phase nicht. Nächstes Jahr will er mit dem Wohnmobil an einer dreiwöchigen „Orient Rallye“ teilnehmen. Sie wird ihn vom Allgäu bis nach Jordanien führen – und das alles in einem Camper.

Von Rüdiger Braun

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