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Brandenburg Cannabis statt Kohle für die Lausitz
Brandenburg Cannabis statt Kohle für die Lausitz
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00:20 27.10.2017
Cannabis-Wirkstoffe verschaffen etwa Krebspatienten Linderung. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Strukturwandel in der Lausitz geht voran, wenn auch womöglich anders als gedacht. Das kanadische Unternehmen Abcann will in Südbrandenburg im großen Stil Cannabis anbauen – mit staatlichem Segen. Das Tochterunternehmen Abcann Germany will in der Lausitz Cannabis für den medizinischen Bedarf produzieren. Der Markt war im Frühjahr liberalisiert worden.

In der Lausitz seien hierfür Investitionen in Höhe von rund 40 Millionen Euro geplant, teilte John Hoff, Chef von Abcann Germany, am Dienstag mit. Auch eine Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg sei geplant, von der man sich Expertise in Sachen Energieeffizienz erhofft. Denn der Anbau von Cannabis, sofern er nicht in einem Treibhaus stattfindet, ist energieintensiv.

Von der Universität gab es zunächst noch keine Bestätigung dafür, ob entsprechende Gespräche bereits stattgefunden haben.

Bis zu 300 Arbeitsplätze geplant

Das Unternehmen begründete sein Engagement in der Lausitz mit der günstigen Wirtschaftsförderung vom Land wie von kommunaler Seite her. Außerdem gebe es gute qualifizierte Arbeitnehmer. Wo genau das Unternehmen seinen Sitz haben wird, ließ es am Dienstag auf Anfrage noch offen. „Je nach Auslastung wird unsere Investition 150 bis 300 Arbeitsplätze schaffen, darunter für Biologen, Chemiker, Informatiker und Pharmazeuten“, so Hoff.

Einen Fördermittelantrag hat das Unternehmen aber noch nicht gestellt. Die Brandenburger Wirtschaftsförderung bestätigte aber, dass es in letzter Zeit mehrere Anfragen aus der noch jungen Branche gegeben habe. „Brandenburg als Flächenland ist dafür auch durchaus attraktiv“, sagte Alexander Gallrein, Sprecher der Wirtschaftsförderung.

Erste Ernte 2019?

Hintergrund: Seit März 2017 erlaubt das Betäubungsmittelgesetz in Deutschland den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke. Die Produktion ist streng geregelt: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat bis 2022 rund 6600 Kilogramm ausgeschrieben. Mit der ersten Ernte unter staatlicher Aufsicht wird 2019 gerechnet.

Abcann hat sich nach eigenen Angaben an der Ausschreibung beteiligt. Allerdings läuft die Vergabe noch. Die zuständige Cannabisagentur wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Firmenchef Hoff erklärte gegenüber der MAZ, dass man fest mit einem Projekt in Brandenburg rechne, selbst wenn man in der ersten Runde der Vergabe nicht zum Zug komme. Der Markt sei völlig neu und hochinteressant. Bei der Vergabe könnten Tochterunternehmen wie Abcann die besseren Karten haben, da sie auf die Erfahrung im Cannabis-Anbau zurückgreifen können.

Abcann wurde im Februar 2017 gegründet und hat seinen Firmensitz in Schönefeld (Dahme-Spreewald). In Kanada baut das Unternehmen seit 2014 Cannabis für medizinische Zwecke an. Wichtig für den medizinischen Einsatz ist, dass die Hanfpflanze standardisiert gezüchtet wird.

Firmenchef spekuliert auf großen Markt

Firmenchef John Hoff wittert eine große Chance. Der Markt für legalen Cannabis-Anbau existiere bereits, sagt er. „Es handelt sich um einen Übertrag. Die Patienten wechseln von der Selbstmedikation zum verordneten Medikament.“ Allerdings hänge Cannabis als Kiffer-Droge noch ein großes Stigma nach. Die Aufklärung über den medizinischen Nutzen sei „Kärnerarbeit“ meint er.

Im Frühjahr war die Gesetzeslage in Deutschland liberalisiert worden. Seither gibt es eine staatliche Cannabis-Agentur unter dem Dach des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, um die Versorgung von Patienten sicherzustellen. Sie soll Hanf aber nicht selbst anbauen, sondern schreibt Aufträge EU-weit an Firmen aus, die sich dann um die deutschen Plantagen kümmern. Medizinisches Cannabis wird derzeit vor allem aus den Niederlanden und Kanada importiert.

Zielgruppe bisher noch überschaubar

In Deutschland indes ist die Zielgruppe für Cannabis-Therapien noch klein. Nur rund 1000 Patienten hatten bisher eine Ausnahmegenehmigung zum Kauf für medizinische Zwecke. Mit der Liberalisierung wächst jedoch die Nachfrage: Im ersten Halbjahr seien über 10 000 Einheiten an Blüten ausgegeben worden, berichtet der Apothekerverband ABDA. Die Zahl der verschriebenen Behandlungen sei seit März von Monat zu Monat kräftig gestiegen. Hinzu kämen etwa 12 500 Fertigarzneien.

Doch die Nachfrage wachse, wie Eva Milz, Berliner Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte. Sie hat Erfahrung in der Therapie mit Cannabis, behandelt etwa Patienten mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS. „Der Bedarf an standardisierten Cannabis-Blüten ist enorm, aber die Auswahl ist klein“, erklärte sie. Häufig seien die in der Apotheke auf Rezept erhältlichen Pflanzen Qualitätsschwankungen unterworfen. Milz sitzt im medizinischen Beirat der Firma Abcann und soll das Unternehmen künftig beraten.

Von Torsten Gellner

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