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Brandenburg Comeback der Eisfee
Brandenburg Comeback der Eisfee
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19:41 16.09.2013
Christine Errath bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck.
Wildau

WM-Gold, Olympia-Bronze, Europa-Champion Christine Stüber-Errath aus Wildau (Dahme-Spreewald) ist seit den 70er-Jahren eine Eiskunstlauf-Legende. Als eine der ersten Aktiven beherrschte sie die schwierige Sprung-Kombination Dreifach-Touloop und Doppel-Touloop. Jetzt dient ihre atemberaubende Karriere als Stoff für einen Kinofilm, der in Co-Produktion mit dem ZDF produziert wird. „Hauptdarstellerin ist Katrin Sass, Drehbeginn ist 2014“, sagt Christine Stüber-Errath sichtlich bewegt.

Der Film mit dem Titel „Die Anfängerin“ sei ein Mix aus ihrer eigenen realen Karriere und einer fiktiven Handlung. Eine Ärztin (Katrin Sass) will seit Kindheitstagen zum Eislauf. „Doch der Kufen-Sport bleibt ein vergeblicher Kindheitstraum“, verrät die Regisseurin Alexandra Sell. Erst mit Ende 50 schnallt sich die Medizinerin laut Drehbuch das erste Mal Schlittschuhe unter die Füße und begegnet später Christine Stüber-Errath.

Fast drei Jahre recherchierte Alexandra Sell im Berliner Eiskunstlauf-Metier, schoss tausende Fotos und führte unzählige Gespräche. „Die Melancholie der Eishallen berührte mich von Anfang an“, sagt die 44-Jährige. Ein Auslöser für das Interesse war Christine Stüber-Erraths Buch „Die Pirouettenkönigin“, das die Wildauerin 2010 ihrer verstorbenen Trainerin Inge Wischnewski widmete. „Bei meinen Lesungen tauchte regelmäßig eine sympathische junge Frau auf, die voller Hochachtung für meine rund 40 Jahre zurückliegenden Leistungen war“, erinnert sich Stüber-Errath an ihre Begegnungen mit Alexandra Sell.

Aus der Zusammenarbeit der letzten Jahre entstand eine Freundschaft, sagen beide. „Ich fühle mich geehrt, dass so eine Ausnahme-Sportlerin wie Christine beim Film-Projekt mitmacht“, so Sell. Die Wildauerin spielt den Ball zurück und sagt, dass sie schon als Kind zum Film wollte. Christine Stüber-Errath geht es ihren Worten nach auch um die Anerkennung des Berliner Eiskunstlaufsports, der immer im Schatten anderer DDR-Leistungssportzentren stand. „Dabei brachte Berlin etliche WM- und EM-Medaillengewinner hervor, deren Erfolge aber kaum gewürdigt werden“, moniert die heute 56-Jährige.

Ähnlich erging es Stüber-Errath, die schon mit 12 Jahren an einer Europameisterschaft teilnahm. „Funktionäre und Sportverbände machten mir in der DDR das Leben schwer“, sagt sie. Beispielsweise, als sich die junge Christine Errath weigerte, von Berlin ins Eiskunstlauf-Leistungszentrum Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) zu wechseln.

Christine Stüber-Errath war zwar dreimal Europameisterin, aber nur zweimal DDR-Meisterin. „Als Berliner Eiskunstläuferin gehörte ich in der DDR nicht zu den Lieblingen der Funktionäre und Preisrichter“, sagt die zierliche Frau mit dem großen Herz fürs Eiskunstlaufen.

Doch die Mutter von zwei erwachsenen Kindern rappelte sich immer wieder auf, startete später eine zweite Karriere als Fernseh-Journalistin („Außenseiter-Spitzenreiter“). Seit sieben Jahren lebt sie in Wildau, wo sie ihre große Liebe, den Kieferorthopäden Paul Stüber, fand.

Der Filmdreh war für die Wahl-Brandenburgerin Anlass, nach 37 Jahren neue Schlittschuhe zu kaufen. „Meine Olympiaschuhe haben einfach nicht mehr gepasst. Nach 15 Minuten auf dem Eis waren meine Füße wie abgestorben“, lacht die Eisfee und zeigt stolz ihr neues Paar Laufschuhe. Herzerwärmende Geste der großen Christine Stüber-Errath: Ihre Erfolgsschuhe von 1976 schenkte sie jetzt ihrem größten Fan, Petra Oswald aus Satow (Mecklenburg-Vorpommern) zu deren 53. Geburtstag. Die Norddeutsche kann wegen einer Behinderung die Wohnung kaum verlassen. Im Internet ersteigert sie alles, was die Sammlung über ihr Idol bereichert. „Petra besitzt Fotos von mir, die ich vorher noch nie sah. Ihre Verehrung und ihre Verbundenheit rühren mein Herz.“, sagt Christine Stüber-Errath und ist den Tränen nah. Dann fügt die Märkerin hinzu: „Ich habe größte Hochachtung für alle Menschen, die sich nie unterkriegen lassen und das Leben meistern.“

MAZ

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