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PC-Abenteuer um Krabat komplett auf Sorbisch

Sagenhafte Sorben PC-Abenteuer um Krabat komplett auf Sorbisch

Ein Computerspiel in sorbischer Sprache? Die freie Wirtschaft sieht dafür keinen Markt. Nicht aber ein 6-köpfiges Entwicklerteam: Die Projektgruppe „Rapaki“ hat um den legendären Zauberer Krabat eine rätselreiche Geschichte gewoben – ganz zur Freude der Stiftung für das sorbische Volk. Nach 6 Jahren mühseliger Arbeit steht das Werk als Download bereit.

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Zauberer Krabat im Anflug: Die Spieler sollen in die legendäre Sagengestalt schlüpfen und eine Reihe kniffliger Rätsel lösen.

Quelle: Screenshot

Potsdam.  Die Lausitz anno 1714. Die Pest wütet, dabei glaubte man das düstre Mittelalter doch schon längst hinter sich zu wissen. Immerhin, die frühen Postkutschen künden von der anbrechenden Moderne. Am sächsischen Königshof residiert August der Starke, sendungsbewusst wie fruchtbar. An seiner Seite steht Krabat, ein sagenumwobener sorbischer Zauberer, der es mit dem Wenden­könig aufnehmen soll.

Ein reales historisches Szenario vermengt mit einer wundersamen Legende – hinter dieser Geschichte steht eine kreative wie umtriebige Projektgruppe um Jörg Hübner. Sechs Männer um die 40, groß geworden in der sorbischen Gemeinschaft, sie kennen sich von klein auf. Grafiker, Musiker, Kommunikationsprofis, Programmierer. Sie sind die Macher von „Krabat und das Geheimnis des Wenden­königs“, eines ganz besonderen Computerspiels. Nach dem Vorgänger „Krabat ist zurück“ (2001) ist es das erste mit komplett sorbischsprachiger Handlung.

Jörg Hübner

Jörg Hübner

Quelle: privat

„Wir erzählen eine völlig neue Geschichte, die auf der Krabatsage basiert“, erzählt Jörg Hübner. Der 39-Jährige und seine Mitstreiter haben sechs Jahre lang an der Neuerscheinung gearbeitet. Krabat soll herausfinden, was es mit dem Wendenkönig auf sich hat, diesen Auftrag erhält er von August dem Starken. Am Hof gehen die finstersten Gerüchte um. Wer ist dieser Sorbenherrscher, dessen Armee man eine besondere Schlagkraft nachsagt? Droht sogar ein Volksaufstand?

Der Spieler schlüpft am Computer in die Rolle des Krabat und bekommt es mit unzähligen Rätseln zu tun. Die Handlung führt von Bautzen über Lausitzer Dörfer bis in den Spreewald, auch Schloss Moritzburg, das berüchtigte Lustschloss des Sachsenkönigs, ist Schauplatz der Handlung. „Diese Orte kommen erstmals in einem Computerspiel vor“, sagt Hübner. Sein Anspruch lautet „Edutainment“: ein englisches Kofferwort für Bildung und Unterhaltung.

Fraglos, bei aller Spielerei gibt es viel zu lernen über den legendären Krabat und die sorbische Kultur, deren Vertreter sich unermüdlich gegen das Vergessen stemmen. Wie Jörg Hübner, der das Sorbische vom Kindergarten bis zum Abitur in sich aufgesogen hat. Seine Kinder, vier Jahre und sieben Monate, sollen das weitertragen. Wie könnte das besser gelingen als mit der Zauberersage. Die Geschichten um Krabat weiß man nicht nur in der Lausitz als faszinierendes Allgemeingut zu schätzen, Otfried Preußler hat ihm ein literarisches Denkmal gesetzt.

Bei der Stiftung für das sorbische Volk jubelt Michaela Moosche über eine „grandiose Idee“, die Hübner und seine Freunde da in sechsjähriger Fleißarbeit umgesetzt haben – ehrenamtlich. Die Stiftung hat das Spiel als Werbung für die sorbische Kultur in Auftrag gegeben und hilft beim digitalen Vertrieb. „Die freie Wirtschaft sieht keinen Markt für sorbischsprachige Computerspiele.“ Einen Bedarf sieht die Stiftung trotzdem. 100 000 Euro, überschlägt Moosche, habe das Projekt gekostet. Nicht viel Geld angesichts der großen Werbewirkung des Spiels für die sorbische Sprache und Kultur. Eine professionelle Spieleschmiede hätte dafür gut und gerne das Zehnfache verlangt, schätzt Moosche.

Dass das in Wochenend- und Feierabendarbeit entstandene eigene Werk mit den Erzeugnissen professioneller Spieleentwickler mithalten kann, stellt Jörg Hübner nicht infrage. Die liebevollen Zeichnungen stammen aus der Feder des freien Grafikers Šcepan Hanuš, die Musik, teils neu arrangierte Volkslieder, teils Neukompositionen, hat Ištwan Kobjela geschrieben. Mehr als ein Dutzend Animationsstufen gibt es für jede der Figuren, denen 80 Sprecher ihre Stimmen liehen – die jüngste neun Jahre, der älteste 74.

Zunächst müssen sich die Spieler mit einer obersorbischen Synchronisation zufriedengeben. Das Niedersorbische, das vorwiegend in Brandenburg gesprochen wird, gibt es ebenso wie die deutsche Übersetzung vorerst nur im Untertitel. Aber vielleicht ist das ja ein lohnenswertes Folgeprojekt. Schließlich denkt Jörg Hübner schon darüber nach, neben dem PC-Spiel auch eine Tablet-App zu entwickeln.

Minderheit mit Sendungsbewusstsein

60.000 Sprecher zählt die Stiftung für das sorbische Volk, davon 40 000 Sachsen (obersorbisch) und 20 000 in Brandenburg (niedersorbisch).

„Rapaki“ (Raben) nennt sich die sechsköpfige Projektgruppe in Anspielung auf die Krabatsage. Entwickelt haben das Spiel Jörg Hübner (Leitung), Jan Bjenš (Spieldesign, Texte, Programmierung), Šcepan Hanuš (Grafik), Daniel Zoba (Programmierung), Michał Cyž (Synchronisation) und Ištwan Kobjela (Musik).

Das Spiel   ist als Download für Microsoft-Windows-Betriebssysteme unter www.rapaki.de verfügbar. Dafür muss zunächst in einer der verzeichneten stationären Verkaufsstellen für 19,90 Euro ein Booklet erworben werden. Darin ist ein Download-Code enthalten, der auf der Webseite eingelöst werden kann.

Von Bastian Pauly

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