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Brandenburg Brandenburgs Lehrlinge klagen über Überstunden
Brandenburg Brandenburgs Lehrlinge klagen über Überstunden
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16:58 05.12.2018
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht Mängel bei der Arbeitszeit von Auszubildenden in Berlin und Brandenburg. Quelle: dpa
Potsdam

Ständig erreichbar zu sein, Überstunden und Schichtarbeit sind für viele Jugendliche schon während ihrer Lehre ein großes Problem. Das geht aus dem jüngsten Ausbildungsreport des DGB Berlin-Brandenburg hervor, den am Mittwoch der Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach in Berlin vorgestellt hat. Der DGB beklagt, dass die jungen Menschen schon während ihrer Lehre unter Flexibilisierungsdruck stünden und von ständiger Erreichbarkeit betroffen sind.

Mehr als ein Drittel der über 2100 befragten Jugendlichen in Brandenburg und Berlin gaben an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. 2016 waren es noch 26 Prozent.Von ihnen bekommen 28 Prozent weder einen finanziellen noch einen zeitlichen Ausgleich, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. 40 Prozent der Auszubildenden müssen zudem regelmäßig in Schichtdiensten arbeiten und bei jedem fünften wird die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden nicht eingehalten. Mehr als einem Viertel fällt es schwer, sich nach der Ausbildung in der Freizeit zu erholen.

Chefs rufen gern auf dem Privathandy an

Kritisiert wird zudem der Druck vom Chef. „Die Chefs schrecken nicht davor zurück, die private Handynummer anzurufen“, sagt Bezirksjugendsekretärin Christin Richter. Der Umfrage zufolge wird von jedem vierten Azubi erwartet, dass er häufig oder immer außerhalb der Arbeitszeiten für seinen Chef erreichbar sein muss. Dies treffe häufiger in kleineren Betrieben zu. Auch 40 Prozent der angehenden Hotelfachleute klagten, dass von ihnen ständige Erreichbarkeit erwartet werde.

All diese Gründe erklären laut DGB auch eine hohe Abbruchquote bei den Ausbildungen – laut Umfrage war es zuletzt jeder dritte märkische Azubi. In einzelnen Branchen, etwa dem Handwerk, liegt die Quote mit 41,9 Prozent sogar deutlich höher. Ende September waren in Brandenburg 1192 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Gleichzeitig blieben 1865 Stellen unbesetzt. „In Brandenburg klafft ein riesiges Missverhältnis zwischen der Nachfrage und zu wenigen Angeboten der Betriebe für die jungen Leute“, so Hoßbach. Vor allem in dünn besiedelten Regionen und im Nordosten Brandenburgs sei die Nachfrage höher als das Angebot.

Lehrlinge erhalten in Brandenburg ein günstiges Fahr-Ticket

„Die freien Plätze gibt es oft dort, wo Ausbildungsbedingungen und Vergütung schlecht sind, wo kein Tarifvertrag gilt“, sagte Hoßbach. Dem Missverhältnis auf dem Ausbildungsmarkt müsse die Politik mit einer gesetzlich verankerten Ausbildungsplatzumlage entgegenwirken. In Brandenburg sei auch eine Mobilitätsoffensive nötig, damit junge Leute nicht abwanderten. Betriebe und Berufsschulen müssen gut ans Verkehrsnetz angebunden sein. Hier sei ein günstiges Azubi-Ticket ein gutes Modell, so Hoßbach. Auf ein solches ermäßigtes Ticket für alle Lehrlinge im Land hatte sich vor kurzem die rot-rote Koalition in Brandenburg verständigt. Das Azubi-Ticket kostet 365 Euro im Jahr, gilt für Fahrten im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und soll ab 2019 gelten.

Angesichts der hohen Abbruchquote von Ausbildungen forderte Hoßbach zudem, eine unabhängige Beschwerdestelle zu etablieren, an die sich Azubis bei Problemen wenden können. Die Industrie- und Handelskammer Potsdam verweist darauf, dass die vom DGB geforderte Beschwerdestelle bereits in Form eines Schlichtungsausschusses existiere. Dieser bestehe aus ehrenamtlichen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. „Ob Jugendliche oder Unternehmen – wer Probleme mit dem Ausbildungsverhältnis hat, kann sich jederzeit vertrauensvoll an die IHK Potsdam wenden“, sagt Wolfgang Spieß, Geschäftsführer Bildung. Unabhängig davon könnten sich Azubis auch etwa mit Probleme wie regelmäßigen unbezahlten Überstunden an die Kammern wenden. Die Ausbildungsqualität sei eine berechtigte Erwartung der Jugendlichen. „Doch wenn wir solche Vorfälle nicht gemeldet bekommen, können wir nicht reagieren.“

Dass es zu wenig Ausbildungsangebote für Jugendliche in Brandenburg gebe, weist Spieß zurück. „In der Fläche finden Jugendliche ausreichend Ausbildungsplätze, doch sie wissen oftmals nicht, dass es solche Möglichkeiten gibt.“

Insgesamt, das belegt auch der DGB-Report sind rund 75 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Situation zufrieden.

Von Diana Bade

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