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Darum singen die Vögel

Experteninterview Darum singen die Vögel

Viele kennen das - im Frühling spielen die Singvögel am Morgen den Wecker. Der Gesang ist einfach zu laut, um ihn zu verschlafen. Die MAZ hat sich von einem Experten erklären lassen, warum Vögel überhaupt singen und wann welcher Gesang zu hören ist. Außerdem sagt er, warum viele heimische Vögel zunehmend bedroht sind.

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Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  Manfred Pohl ist Ornithologe beim Nabu Brandenburg. Mit der MAZ hat er über Vogelgesang und die zunehmende Bedrohung heimischer Vögel gesprochen.

Warum singen Singvögel?

Manfred Pohl: Sobald ein Vogel aus seinem Winterquartier bei uns eingetroffen ist, fängt er an zu singen, um seinen Nebenbuhlern klar zu machen: Das ist mein Revier, das beanspruche ich. Der Gesang schreckt andere Männchen ab, die sich ebenfalls in das Revier hineinbegeben wollen. Wer zuerst kommt, hat und hält die besten Plätze. Gleichzeitig macht der Vogel einem Weibchen klar: Ich habe ein Revier, ich bin stark und schön, ich möchte demnächst heiraten und eine Brut großziehen.

Vom 8. bis zum 10. Mai ruft der Naturschutzbund zu einer bundesweiten Vögel-Zähl-Aktion auf. Die Aktion ist extra auf ein Wochenende gelegt worden, damit möglichst viele Menschen in ihrem Garten mitzählen können. Damit Sie wissen, wer da vor ihnen sitzt und trällert, stellen wir die wichtigsten Piepmätze vor.

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Warum haben unterschiedliche Singvögel unterschiedliche Singzeiten?

Pohl: Es gibt tatsächlich eine Art Vogeluhr. Bei manchen Vögeln geht das je nach Monat schon um vier Uhr morgens los. Die erste Kohlmeise können Sie zum Beispiel schon um viertel Vier hören, bei anderen Vögeln fängt der Gesang später an. Das verschiebt sich dann aber auch von Monat zu Monat. Letztlich ist der Beginn des Gesangs bei den einzelnen Arten evolutionär bedingt. Einige Arten singen aber praktisch rund um die Uhr und auch nachts. Bekannte nachtaktive Arten sind der Sumpfrohrsänger und die Nachtigall. Auch sie sichern damit ihr Quartier ab oder gehen mit dem Gesang auf Brautschau.

Wann ist die beste Gesangszeit?

Pohl: Die Gesangsaktivität geht morgens um vier richtig los wird dann ab neun oder halb zehn weniger. Am späten Nachmittag so von 17 bis ungefähr 20 Uhr geht das noch einmal von vorne los, aber nicht mehr in der gleichen Intensität wie morgens. Jahreszeitlich geht der Gesang von März bis Anfang Juli. Dann wird es deutlich weniger, weil dann das Brutgeschäft zumeist abgeschlossen ist.

Manfred Pohl

Manfred Pohl.

Quelle: NABU

Wie geht es der heimischen Vogelwelt überhaupt?

Pohl: In den letzten 25 Jahren sind es in ganz Europa um die 250 Millionen Vögel weniger geworden. Auch für die 248 heimischen Brutvogelarten hat sich seit Ende der 90er-Jahre die Situation sehr verschlechtert. Jede dritte brütende Vogelart hat Bestandsrückgänge erlitten.

Fallen Ihnen verschwundene Arten ein?

Pohl: Die Arten an sich sind noch da, aber in ihrem Bestand enorm geschrumpft. Besonders negative Trends haben zum Beispiel Baumpieper und Stieglitz zu verzeichnen. Gerade wegen des schrumpfenden Bestands will die Fachgruppe Ornithologie vom Nabu-Kreisverband in Potsdam mittels sorgfältiger Beobachtungen die Brutreviere der Stieglitze und Girlitze im alten Stadtkern Potsdams noch bis Ende Mai neu kartieren. Bei der neuen Kartierungen von Nachtigallen mussten wir vergangenes Jahr feststellen, dass offenbar nur noch 313 Sänger in Potsdam waren. In den vorausgegangenen Jahren waren es noch fast 400 gewesen.

Was könnten die Gründe für diesen Rückgang sein?

Pohl: Das hat natürlich mit Bebauungen und auch mit unnötigen Rodungen von Bewuchs durch die Grünflächenämter zu tun. Selbst über den März hinaus, also in die Brutperiode hinein, wurden noch Büsche und Ähnliches gerodet. Hier sind wir mit der Stadt im Gespräch, dass das gar nicht sein darf, denn das trifft oft die Gelege von Bodenbrütern. Von März bis Oktober muss jede Störung untersagt werden.

Und wie sieht es bei den Vögeln auf dem Land aus?

Pohl: Die Agrarvogelarten sind natürlich sehr von der intensiven Landwirtschaft betroffen. Dort werden Herbizide und Pestizide eingesetzt. Diese töten nicht nur Insekten, sondern zerstören auch die Wiesen- und Ackerwildkräuter, also auch die Nahrung von Insekten. Der Insektenbestand ist schätzungsweise um 75 Prozent zurückgegangen. Das schadet natürlich auch den Vögeln. Ganz besonders betroffen davon sind Feldlerchen, die eigentlich auf den Äckern brüten. Das Spritzen ist inzwischen so extrem, dass den Tieren regelrecht die Füße wegfaulen. Auf intensiv bewirtschafteten Flächen können diese Vögel keine Jungen mehr großziehen. Auch der Mais- und Rapsanbau nimmt den Vögeln die Brutflächen. Zunehmend sind wir auch in Sorge, dass die zunehmenden Spargelfelder mit ihren Plastefolien den Vögeln Brutraum nehmen und Nahrungsquellen entziehen.

Was können wir tun, um die Vogelwelt zu schützen.

Pohl: Zunächst kann man natürlich an die Politik appellieren, doch die Lobby der Landwirte ist ziemlich stark. Aber auch als Gartenbesitzer kann man vieles tun. Diese können zum Beispiel Gebüsche stehen lassen und es müsste auch nicht unbedingt immer alles Laub entfernt werden. Zusätzlich kann man Nistkästen aufhängen. Vor allem sollten sie auf den Einsatz von Giften in Gärten verzichten.

Sollte man Vögel auch im Sommer füttern?

Pohl: Ich füttere meine Vögel jetzt immer noch. Früher war das tabu, denn es gab ja genügend Insekten. Vögel, die Jungen aufziehen, brauchen eiweißhaltiges Futter. Wenn das immer weniger wird, muss man es ergänzen. Deswegen kann man inzwischen die Empfehlung geben: Wer es sich leisten kann, kann das ganze Jahr über zumindest leicht füttern. Die Vögel kommen dann immer noch und freuen sich, dass sie ein bisschen Beifutter für ihre Jungen finden.

Von Rüdiger Braun

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