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Brandenburg Das Belziger Burgbräu ist Familiensache
Brandenburg Das Belziger Burgbräu ist Familiensache
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20:12 20.04.2016
Weder filtriert noch pasteurisiert: Ein Burgbräu-Jungbier in der Hand von Braugeselle Tim Eggenstein. Quelle: Bastian Pauly
Bad Belzig

Andere wachsen in der Kneipe auf, bei Tim Eggenstein war’s die Brauerei. „Ich bin in den Beruf hineingeboren worden“, sagt der Braugeselle. Eggenstein ist 23 und Juniorchef im geschichtsträchtigen Burgbräuhaus zu Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark).

Unweit der namensgebenden Burganlage Eisenhardt brauen die Eggensteins ihr eigenes Bier zusammen. Ganzjährig im Angebot: das Hell, das Spezial, bernsteinfarben und meistverkauft, sowie das Dunkel. Angefangen hatte alles mit einer fixen Idee des Seniors Norbert Eggenstein. Der Sohn nennt ihn „den Chef“, daraus spricht auch der Respekt vor dem Mut seines alten Herrn.

Anno 2003 verliebte sich Norbert Eggenstein in das Belziger Burgbräuhaus, das damals freilich noch nicht so hieß, geschweige denn so aussah. Es war eine Bruchbude, die seit den 80er Jahren leer stand, aber der Fachwerkbau hatte historisches Flair. Die Eggensteins machten aus dem mutmaßlich ältesten Gebäude Belzigs, das einst der Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei gehörte, mit Hilfe von Denkmalschützern ein städtebauliches Schmuckstück und eine Anlaufstelle für Biergenießer.

500 Hektoliter beträgt die Jahresproduktion der Kleinbrauerei. Aus dem Fass fließt das Burgbräu direkt im Pub und bei örtlichen Gastronomen in durstige Kehlen. Für die abgefüllte Halbliterflasche zum Mitnehmen legen Craft-Bier-Freunde rund zwei Euro auf den Tisch. Für diesen Aufpreis gibt es ein Produkt, das weder filtriert noch pasteurisiert ist, alles andere ginge zu Lasten des Geschmacks, erklärt Tim Eggenstein.

Die Kundschaft ist 30 plus und besser situiert. „Wir können mit dem Einzelhandel nicht mithalten.“ Will man aber auch gar nicht. Qualität hat, glaubt man dem Braugesellen, seinen Preis. Die Fabrikate der industriellen Konkurrenz um Warsteiner & Co. rührt er nur an, wenn es gar nicht anders geht. „Industriebier hat keinen Charakter“, sagt er. Anders das Burgbräu: Es schmecke immer anders, je nachdem, wie das Getreide gewachsen sei.

Maischen, Läutern, Würzkochen, Kühlen, Vergären, Reifen – wenn das Brauerzeugnis gut werden soll, braucht es dafür vier bis sechs Wochen, „das ist optimal“, erklärt Tim Eggenstein. Das Burgbräuhaus ist im engeren Sinne ein Dreimannbetrieb, mit dem Senior als Meister, dem Junior als Gesellen und einem Auszubildenden. Tim Eggenstein hat sich zum Ziel gesetzt, den Laden einmal zu übernehmen, er will seinen Meister machen.

Neben der Brauerei beschäftigen Pub, Pension, Eiscafé und neuerdings auch eine Brennerei die ganze Familie, von der Großmutter bis zu den Enkeln. Im Dezember schenkten die Eggensteins ihren ersten Whisky aus, einzelne der 50 Euro teuren Flaschen Marke „Old Sandhill“ verkauften sich sogar in den USA und Afghanistan.

Man muss sich eben immer etwas Neues einfallen lassen, um die Kunden bei Trinklaune zu halten. Deshalb beherbergt das Burgbräuhaus jetzt auch eine Mälzerei. „Wir stellen seit diesem Jahr unser eigenes Malz her“, sagt Tim Eggenstein. Ziel sei es, das Burgbräu zu einem regionalen Produkt zu verfeinern, denn: „Regionalität kommt bei den Kunden gut an.“ Und alles andere führt in die Untiefen der Kunst des Bierbrauens: Während andere den Hopfen preisen, sagt Tim Eggenstein: „Das Malz ist die Seele des Bieres.“

Weitaus leichter kann sich die Zunft auf die Zutaten einigen, Hopfen, Malz und Wasser, auch Hefe, alles andere ist kein Bier im Sinne des deutschen Reinheitsgebots von 1516. In diesen Tagen wird das Jubiläum des Bier-Grundgesetzes gefeiert, an dessen Fortbestand die Bayern 1918 ihren Eintritt in die Weimarer Republik knüpften. „Es ist uns sehr wichtig, nach dem deutschen Reinheitsgebot zu brauen“, sagt auch Tim Eggenstein. „Deutsche Biere haben im Ausland den besten Ruf. Das kommt sicher nicht von ungefähr.“

Ministerpräsident eröffnet „Brandenburger Bierstraße“

500 Jahre ist es her, dass das Herzogtum Bayern die Inhaltsstoffe von Bier regulierte. Hintergrund waren Klagen über schlechte Brauerzeugnisse, etwa Panschereien. Schon zuvor gab es regionale Brauordnungen, die die Bierqualität sicherstellen sollten.

Das Jubiläum feiern Brandenburgs Kleinbrauereien am 23. und 24. April, jeweils ab 11 Uhr, auf dem Luisenplatz in Potsdam. Am Samstag eröffnet Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die „Brandenburger Bierstraße“, mit Unterstützung der „Ersten Brandenburger Bierkönigin“.

Die märkischen Kleinbrauer versprechen eine Leistungsschau der regionalen Braukunst. Hobbybrauer liefern sich ein Schaubrauen, dazu gibt es Live-Musik. Weitere Infos gibt es unter www.brandenburger-kleinbrauereien.de

Von Bastian Pauly

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