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Brandenburg Das Chaos am Lageso als Mohamed verschwand
Brandenburg Das Chaos am Lageso als Mohamed verschwand
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14:29 27.06.2016
Hunderte Flüchtlinge warteten im Oktober jeden Tag in Berlin auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) auf die Registrierung. Quelle: dpa
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Berlin

„Das sind Zustände, die auf eine große Überforderung hindeuten.“ Mit diesen Worten schätzte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) die katastrophale Lage am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin Ende 2015 ein. Sie war schockiert – und mit ihr beinahe die ganze Stadt, ja das ganze Land.

Der Verkauf von Wartemarken, Fehlgeburten wartender Frauen, rassistische Hetze der Lageso-Mitarbeiter gegen Flüchtlinge, Rekrutierungen seitens extremistischer Salafisten, hungernde Menschen, weil die Behörde nicht mit den Zahlungen der Lebenshaltungskosten hinterherkam und schier nicht enden wollende Warteschlagen – zunächst bei größter Hitze, später bei klirrender Kälte. Die Nachrichten aus dem Lageso überschlugen sich 2015 bis Anfang 2016. Flüchtlinge warteten teils tagelang. Denn das Amt ist die erste Anlaufstelle für jene, die Schutz suchen. Es ist nicht nur zuständig für die erste Registrierung, sondern auch für die medizinische Erstversorgung, das Zuweisen in Notunterkünften und auch die Ausgabe des Taschengeldes.

Mehrere Frauen sollen während der Wartezeiten laut des Vereins „Moabit hilft“ Fehlgeburten erlitten, viele Kinder in der Kälte vor dem Lageso immer wieder gezittert haben. Quelle: dpa

Mehr als ein Jahr erlebt Berlin bei der Registrierung Zehntausender Flüchtlinge ein Chaos. Die Bundeshauptstadt versank darin. Die Konsequenz: ein erzwungener Rücktritt des Flüchtlingsamts-Chefs und ein Konflikt der Landeskoalition, der sich immer weiter verschärfte.

Mitten im Chaos befand sich im Oktober auch die Familie des kleinen Flüchtlingsjungen Mohamed. Er selbst war gerade vier Jahre alt. Gemeinsam waren sie aus Bosnien-Herzegowina nach Deutschland gekommen und warteten nun wie viele andere auf eine Zukunft. Mit ihnen vor Ort: Hunderte Menschen. Eben mitten in diesem Chaos ist der Junge plötzlich verschwunden. Die Familie muss außer sich vor Sorge gewesen sein. Die Polizei ermittelte aber zunächst gegen die Flüchtlingsfamilie selbst und vernachlässigte anfangs die Suchmaßnahmen nach dem schutzlosen Jungen. Erst nach Tagen sollen die Ermittlungen auch darüber hinaus angestoßen worden sein. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Suche offenbar schon zu spät. Mohamed wurde am 1. Oktober entführt und später von seinem mutmaßlichem Mörder Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) getötet.

Kerzen und Blumen als Symbol für die Anteilnahme am tragischen Schicksal des kleinen Flüchtlingsjungen Mohamed nach dem Auffinden seiner Leiche in Kaltenborn. Quelle: dpa-Zentralbild

Der unscheinbare Mann aus Brandenburg, der auch Elias aus Potsdam entführt, missbraucht und ermordet haben soll, nutzte das Chaos im Lageso aus. Silvio S. hatte einen Teddybären in der Hand, als er sich in Berlin unter die langen Schlangen von Flüchtlingen mischte und den kleinen Mohamed entführte. Sein Auto hatte er nahe dem Lageso abgestellt, heißt es. Erst nahm niemand größere Notiz davon, als Silvio S. mit dem Vierjährigen verschwand. Später lief die verzweifelte Suche nach dem Kind wochenlang.

Mohameds Mutter im Gerichtssaal. Sie hat ihren Sohn auf dem Lageso-Gelände verloren und wurde zunächst selbst verdächtigt. Quelle: AFP / POOL

Helfer sind bis heute überzeugt, dass es ein Leichtes war, den Jungen dort zu entführen. Das Lageso: ein unsicherer und vor allem unübersichtlicher Ort, an dem mitten am Tag auch schon mal Taschen oder Handys entrissen worden sein sollen.

Liveticker: Das sagt Mohameds Mutter während des Mordprozesses>

Von MAZonline

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