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„Das Ding wird brennen“

Prozess gegen Nauener Neonazis nach Brandanschlag „Das Ding wird brennen“

Nachdem der Prozess gegen die Nauener Neonazi-Gruppe um NPD-Mann Maik Schneider am Donnerstag überraschend weiterlief, kam heraus, dass ein Angeklagter eingeschüchtert worden sei. Schneider ist von einer weiteren Zeugin schwer belastet worden. Erschreckend ist zudem eine Aussage zur angeblichen Stimmung in Nauen.

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Maik Schneider ist angeklagt, den Brand einer Nauener Turnhalle geplant und ausgeführt zu haben.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Erneute Wende im Prozess gegen die Nauener Neonazi-Gruppe um NPD-Mann Maik Schneider: Ein Angeklagter hat Schneider erneut schwer belastet und eine frühere entlastende Aussage zurückgezogen. Er sei unter Druck gesetzt worden, er habe an seinem Auto einen Zettel mit der Aufschrift „Verräter“ vorgefunden.

Am ersten Prozesstag hatte der Angeklagte Christian B. den NPD-Mann Schneider schwer belastet und ausgesagt, dass Schneider den Brand einer Nauener Turnhalle geplant und ausgeführt habe. Auch den Angeklagten Dennis W. belastete er schwer. Am zweiten Prozesstag vollzog B. dann eine überraschende Wende. Er zog seine Aussage zurück.

Weitere Zeugen belasten Schneider als Kopf der Neonazi-Zelle

Jetzt also ist wieder alles anders: Am Donnerstag wiederholte B. seine belastende Aussage. Schneider habe den Brand geplant und gemeinsam mit Dennis W. ausgeführt. Außerdem habe Schneider die Anweisung erteilt, dass B. Streife fahren soll. Noch als die Halle brannte seien er und W. mit dem Auto durch Nauen gefahren um zu sehen, wie weit der Brand zu sehen sei. Einige Tage nach dem Brand habe es außerdem eine Art Nachbesprechung gegeben. Dabei sei W. gelobt worden und man habe darüber gesprochen, wie man sich gegenseitig Alibis geben könne.

Sechs angeklagte Neonazis aus Nauen müssen sich vor dem Potsdamer Landgericht wegen mehrerer politisch motivierter Straftaten verantworten

Sechs angeklagte Neonazis aus Nauen müssen sich vor dem Potsdamer Landgericht wegen mehrerer politisch motivierter Straftaten verantworten.

Quelle: dpa

W. Bestritt diese Aussage. Er habe mit dem Brand nichts zu tun und wisse nicht, wer das Feuer gelegt hat. Er habe lediglich Maik Schneider dabei geholfen, Reifen und Paletten auf das Grundstück vor der Halle zu schaffen. Schneider habe ihn aber später weggeschickt.

Bis zum Mittag sagten außerdem weitere Zeugen aus. Sie bezeichneten Schneider als Kopf der rechten Szene in Nauen. In ihren polizeilichen Vernehmungen gaben beide an, dass sie Schneider und dem Angeklagten W. den Brand zutrauten. „Wenn nicht sie, wer hat den Brand dann gelegt“, sagte ein Zeuge bei der Polizei aus. Schneider und W. seien bei Demos gegen das geplante Flüchtlingsheim in der Turnhalle die Wortführer gewesen. Ein Zeuge wollte seine Aussage bei der Polizei aber einen Tag später zurückziehen. Ihm sei einiges durcheinander bekommen, begründete er am Donnerstag. Ob er unter Druck gesetzt worden sei, fragte der Richter. Nein, sagte der Zeuge.

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Seit dem 24. November 2016 müssen sich vor dem Potsdamer Landgericht sechs Männer verantworten. Ihnen werden mehrere Straftaten vorgeworfen. Unter anderem ein Brandanschlag auf eine Turnhalle, in die Flüchtlinge einziehen sollten. Als Kopf der Gruppe gilt NPD-Politiker Maik Schneider.

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„Das Ding wird brennen“: Zeugin dachte an üblen Scherz

Am Nachmittag ist Maik Schneider von einer weiteren Zeugin schwer belastet worden. Nach der Aussage der Frau soll der NPD-Politiker im Vorfeld des Hallenbrands gesagt haben: „Das Ding wird brennen.“ Sie habe das zwar für einen üblen Scherz gehalten, aber dennoch ein ungutes Bauchgefühl gehabt. Laut ihrer Aussage hat sich Schneider vor dem Brand noch nach Europaletten erkundigt. Solche wurden für den Brand genutzt.

Die 22-jährige Frau stammt aus dem näheren Umfeld von Schneider, hatte auch eine Verhältnis mit ihm. Sie hat außerdem in der Kneipe gearbeitet, in der Schneider und die anderen Angeklagten regelmäßig verkehrten. Auch bei mehreren Treffen der Gruppe war sie dabei.

„Halb Nauen war nicht traurig, dass die Halle abgebrannt ist“

Der Prozess gegen die sechs Angeklagten ist am Donnerstag überraschend fortgesetzt worden. Befangenheitsanträge gegen einen Schöffen und die Kammer wurden abgelehnt. Die Anträge seien zu spät eingereicht worden, begründete das Gericht. Am ersten Prozesstag hatte ein Schöffe in Richtung von Maik Schneider gesagt, ob er „den Stuss glaube, den er von sich gebe“. Der Befangenheitsantrag gegen den Laien-Richter wurde abgelehnt, weil dieser am Ende der Sitzung eingereicht hätte werden müssen. Schneiders Verteidiger hatte dies aber erst im Laufe des Abends getan.

Den sechs Angeklagten werden verschiedene Straftaten vorgeworfen. Unter anderem Farb-Anschläge auf Linkenbüros und mehrere Brandanschläge in Nauen. Darunter der verheerende Brand einer Turnhalle im August 2015. Sie war als Flüchtlingsunterkunft geplant und brannte komplett nieder. Schaden: 3,5 Millionen Euro. Schneider bezeichnete den Brand als „Unfall“. Er habe lediglich ein Zeichen setzen und die Halle einrußen, aber nicht abbrennen wollen. Ein weiterer Zeuge behauptete, dass es in der havelländischen Kleinstadt auch klammheimliche Sympathie für den Anschlag gegeben habe. „Halb Nauen war nicht traurig, dass die Halle abgebrannt ist“, sagte er.

Von Christian Meyer

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