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Das Geschäft mit der Flecken-Kuh

Rinderzuchtverband Berlin-Brandenburg Das Geschäft mit der Flecken-Kuh

Der Rinderzuchtverband Berlin-Brandenburg hat seit April eine neue Geschäftsführung: neben Thomas Auert leitet mit Cornelia Buchholz nun auch eine Frau den Verband, der mittlerweile seit 25 Jahren besteht. Buchholz berichtet über die schwierige Vergangenheit und wie der fallende Milchpreis die Existenz vieler Brandenburger Bauern gefährdet.

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Die Sonne strahlt über Brandenburg

Die Rinderzucht hat einen hohen Stellenwert für die Brandenburger Agrarwirtschaft.

Quelle: Peter Geisler

Groß Kreutz. Cornelia Buchholz steht neben einem großen weißen Fellkopf. Bedächtig sieht sie das ausgestopfte Andenken an. In seinem rechten Ohr hängen noch immer zwei gelbe Marken. Auf der einen steht „Laudan“ in Großbuchstaben geschrieben – der Name des Bullen, der dem Rinderzuchtverband Berlin-Brandenburg den bisher größten Erfolg und Gewinn eingebracht hat. 2012 starb er, jetzt sein Kopf hängt im Museum. „Laudan war für uns wahrscheinlich einmalig“, sagt Cornelia Buchholz, die seit April gemeinsam mit Thomas Auert die Geschäftsführung übernommen hat.

Der Rinderzuchtverband Berlin-Brandenburg (RZB), der seinen Verwaltungssitz in Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) hat, wurde am 26. April 1990 in Blankenfelde (Teltow-Fläming) gegründet und blickt mittlerweile auf eine 25-jährige Geschichte zurück. Cornelia Buchholz ist seit Anfang an dabei. Als Zuchtinspektorin hat sie die Abteilung Fleischrindzucht mit aufgebaut und später geleitet. Das Brandenburger Landwirtschaftsministerium zählt den RZB, der in der Zuchtorganisation hervorragende Arbeit leistet, zu den national und international erfolgreichsten Verbänden. Diesen Status habe der Verband einer weitreichenden Entscheidung zu verdanken, sagt Buchholz.

DDR-Züchtung nach der Wende nicht mehr gefragt

Nach der Wende hatte der RZB 420 000 schwarzbunte Milchkühe in seinem Bestand. Diese Kreuzung war in der DDR sehr beliebt, nicht aber in der Bundesrepublik, wo das auch heutzutage als Hauptrasse geltende Holstein-Rind die Überhand hatte. Die Nachfrage nach der schwarz-weißen Fleckenkuh aus der DDR, die mittlerweile vom Aussterben bedroht ist, sank und die Bestände mussten reduziert werden, damit die Betriebe überleben konnten. „Allein hätten wir diese wirtschaftlich schwierige Situation nach Verbandsgründung nicht gemeistert, also haben wir uns für einen starken Partner entschieden“, so Buchholz weiter.

Mit Unterstützung der Zuchtrinder-Erzeugergemeinschaft Hannover (ZEH) und der Rinderproduktion Niedersachsen (RPN) gründete der Verband die Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH (RBB). Die Brandenburger Bauern behielten die Mehrheit mit 51 Prozent, die restlichen 49 Prozent teilen sich die Niedersächsischen Unternehmen. Die komplette wirtschaftliche Tätigkeit in Zucht, Besamung und Vermarktung wurde auf die Gesellschaft übertragen. Dem Verband gehören noch die Grundstücke und Immobilien, wie das Verwaltungsgebäude in Groß Kreutz und die Besamungsstationen in Falkenberg (Elbe-Elster) und Schmergow (Potsdam-Mittelmark).

Genetik aus Brandenburg ist beliebt

Alle Kühe und Rinder kennt Cornelia Buchholz nicht beim Namen. Seit sie Geschäftsführerin ist, schafft sie es ohnehin nicht mehr so oft, die Betriebe zu besuchen. Im Zuchtbuch des Verbands sind aktuell rund 121 000 Kühe 24 verschiedener Rassen registriert. Die 780 Mitglieder verteilen sich mit ihren Zuchtbetrieben aufs ganze Land, die meisten unter ihnen sind Milchrindzüchter. Im Gedächtnis bleiben der 57-Jährigen meist nur die besten der besten. Laudan ist einer von ihnen. Abgesehen von ein paar vereinzelten schwarzen Flecken, war der Bulle schneeweiß. Mit ihm hat der Verband 700 000 Spermaportionen in die ganze Welt verkauft. Vor gut zehn Jahren war er der meist eingesetzte Bulle. „Das ist für so einen kleinen und noch jungen Verband ein großer Erfolg“, sagt Buchholz. „Ich wünsche mir natürlich, dass wir irgendwann noch einmal einen wie Laudan haben.“ Die Zucht sei für den Verband entscheidend, sagt die Geschäftsführerin. Darauf bauen die anderen beiden Geschäftsfelder Besamung und Vermarktung auf. Genetik aus Brandenburg ist weltweit gefragt: 2014 exportierte der Verband rund 4000 Zuchtrinder in 18 Länder.

Cornelia Buchholz (57) verband die Liebe zu den Tieren mit ihrem späteren Beruf

Cornelia Buchholz (57) verband die Liebe zu den Tieren mit ihrem späteren Beruf.

Quelle: Luise Fröhlich

Cornelia Buchholz stammt ursprünglich aus Berlin und hegte schon immer den Wunsch, beruflich mit Tieren zu arbeiten. Tierärztin stand ganz oben auf ihrer Wunschliste, doch in Berlin fand sie keinen Studienplatz. Deshalb ging sie zuerst ihrem Zweitwunsch, dem Journalismus, nach. Ein Volontariat führte sie nach Rostock, wo sie parallel Tierproduktion studierte, um sich als Fachjournalistin im Bereich der Landwirtschaft zu profilieren. Doch in den Journalismus kehrte sie nicht wieder zurück, sondern wurde zuerst in einer Außenstelle des VEB Frankfurt in Strausberg in der Zuchtwertschätzung tätig. Dort wurden Rinder auf die Qualität ihrer Genetik und Abkommen geprüft.

Positive Bilanz nach 25 Jahren

Blickt die Geschäftsführerin auf die vergangenen 25 Jahre zurück, zieht sie eine positive Bilanz. „Es gab natürlich auch Durststrecken, aber die muss man verkraften können.“ Der Kuhbestand und die Betriebszahlen seien seit Jahren stabil. Jeder Zuchtbetrieb hat durchschnittlich 365 Kühe, damit gehören sie zu den größten Deutschlands, sagt Buchholz. Jede Kuh gab 2014 im Schnitt 9500 Kilogramm Milch, im Jahr 2000 lag die Leistung noch bei rund 7500 Kilogramm. Der stetig fallende Milchpreis aber treibt der Expertin den Schweiß auf die Stirn. Manche Bauern verdienen weniger als 25 Cent pro Liter Milch. 31 Cent müssten es laut Buchholz mindestens sein, damit die Bauern überleben können. Einige Betriebe des Verbandes haben deswegen bereits aufgeben müssen, teils waren es auch langjährige Mitglieder. „Das ist schade, vor allem weil Brandenburg als Flächenland potenziell noch viel mehr Kühe halten könnte.“

In der Zukunft sieht Buchholz zwei große Herausforderungen für den Verband. „Die Nachwuchsgewinnung wird für uns ein großes Thema sein, auch in Hinblick auf die fehlenden Fachkräfte in den Ställen“, sagt die Berlinerin. Gute Arbeit dafür leistet seit 20 Jahren der Brandenburger Jungzüchterverein, den der RZB finanziell und fachlich unterstützt. Immer weniger Jugendliche würden sich für die schmutzige und schwere Arbeit im Kuhstall begeistern können. Den zweiten Schwerpunkt, die Öffentlichkeitsarbeit für mehr Transparenz in der Landwirtschaft, habe der Verband lange Zeit vernachlässigt, gesteht Buchholz. „Jeder Landwirt ist bestrebt, mit gesunden Kühen wirtschaftlich zu arbeiten. Große, sogenannte moderne Ställe bieten eine artgerechte Haltung. Von Gegnern der Massentierhaltung wird das anders suggeriert.“ Deshalb wolle man in Zukunft vor allem objektiv über die Arbeit der Landwirte informieren. Über die Geschichte der Rinderzucht in Brandenburg können Interessierte einiges im hauseigenen Museum des Verbandes erfahren. Neben alten, handschriftlich geführten Herdbüchern, sind dort auch Geräte aus damaliger Zeit ausgestellt – und natürlich der Kopf des erfolgbringenden Bullen Laudan.

Lange Tradition

13 Ehrenamtler
zählt der Verband insgesamt, ohne die er kaum überleben könnte. Denn die Landwirte bilden die Chefetage des Verbandes.

Der Verband finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge, die zum einen personenbezogen und zum anderen hinsichtlich der Bestandsgröße der Herden im jeweiligen Betrieb berechnet werden.

Vorgänger war der Landesverband Kurmärkischer Rindviehzüchter, der 1934 gegründet wurde und aus den organisierten Rinderzuchtverbänden der einzelnen Regionen entstand.

Von Luise Fröhlich

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