Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg „Das Mordmotiv muss nicht Hass sein“
Brandenburg „Das Mordmotiv muss nicht Hass sein“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:04 18.07.2016
Rudolf Egg ist Kriminologe  Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

 Rudolf Egg (67) ist Kriminologe und war Direktor der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden. Zu seinen Schwerpunkten zählen Sexual- und Gewaltdelikte.

Wie würden Sie die Psyche und Motivation beschreiben?

Egg:Bei solchen Personen kann der Wunsch, ein Geschwisterkind zu haben oder mit Jungs zu spielen, dann auch eine sexuelle Färbung annehmen. Diese kann unter Umständen - je nach den vorherigen Fantasien des Mannes - zur Entführung von Jungen führen. Dann geraten solche Personen mitunter in eine Lage, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden, und dann aus Angst entdeckt zu werden, so ein Kind ermorden. Das Mordmotiv muss nicht Hass oder Dominanzstreben sein. Es kann eine Art Verdeckungsmotiv sein, weil man etwas getan hat, das am Anfang eher ein Wunsch nach Nähe war, und das am Ende in purer Verzweiflung gemündet ist.

Sind solche Personen schon vorher auffällig?

Egg:Es kann sein, dass sie auffällig sind, aber nicht unbedingt durch Straftaten. Es sind ja Personen, die nicht per se gewalttätig sind oder in der Schule oder im Privatleben als Schläger bekannt waren. Sie können nach außen eher ängstlich, scheu, kontaktschwach wirken. Sie machen sich dann an Kinder heran, weil sie glauben, mit denen eher umgehen zu können. Das muss einem nicht auffallen. Aus eigenartigem Verhalten kann man nicht den Schluss ziehen, der wird mal Kinder entführen und umbringen.

Der Mann hat schnell gestanden. Ein Zeichen, dass das Geständnis eine Art Befreiung für ihn ist?

Egg:Aus meiner Erfahrung, ja. Sie schleppen eine belastende Situation mit sich herum: etwas gemacht zu haben, das sie anfangs nicht wollten, aber nicht verhindern konnten. Sie haben niemanden, dem sie sich öffnen können. Wenn es dann bekanntwird, ist es für manche ein Stein, der vom Herzen fällt.

Von dpa

Brandenburg Traurige Gewissheit am Freitag - Elias & Mohamed: Liveticker zum Nachlesen

Zwei unschuldige Kinder hat Silvio S. zunächst entführt und dann getötet. Am Freitag haben Ermittler eine Kleingartenanlage in Luckenwalde durchsucht. Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. hat dort nach eigenen Angaben den kleinen Elias (6) aus Potsdam vergraben. Freitagnachmittag dann der schreckliche Fund – eine Leiche.

30.10.2015

In Berlin-Kreuzberg ist am Freitag eine 250-Kilogramm schwere Fliegerbombe erfolgreich entschärft worden. Am Morgen mussten rund 12.000 Menschen deswegen ihre Wohnungen verlassen. Schon am Nachmittag gab es die Entwarnung. Alles lief wieder nach Plan.

30.10.2015

Mohamed ist vor seinem Tod von Entführer Silvio S. missbraucht worden. Auch bei Elias, der in einer Luckenwalder Kleingartenanlage vergraben sein soll, gehen die Ermittler von einem Sexualmord aus. Bundesweit sprechen die Menschen von einem „Pädophilen“, wenn sie an Silvio S. denken. Wir haben uns den Begriff näher angesehen.

30.10.2015
Anzeige