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„Das Mordmotiv muss nicht Hass sein“

Drei Fragen an einen Kriminalpsychologen „Das Mordmotiv muss nicht Hass sein“

Ein 32-Jähriger, der noch bei seinen Eltern lebt und als eher scheu beschrieben wird: Kriminalpsychologe Rudolf Egg beantwortet die drei wichtigsten Fragen über Beweggründe von Menschen wie dem mutmaßlichen Mörder von Mohamed (4) aus Berlin und Elias (6) aus Potsdam.

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Rudolf Egg ist Kriminologe
 

Quelle: dpa

Berlin.  Rudolf Egg (67) ist Kriminologe und war Direktor der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden. Zu seinen Schwerpunkten zählen Sexual- und Gewaltdelikte.

Wie würden Sie die Psyche und Motivation beschreiben?

Egg: Bei solchen Personen kann der Wunsch, ein Geschwisterkind zu haben oder mit Jungs zu spielen, dann auch eine sexuelle Färbung annehmen. Diese kann unter Umständen - je nach den vorherigen Fantasien des Mannes - zur Entführung von Jungen führen. Dann geraten solche Personen mitunter in eine Lage, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden, und dann aus Angst entdeckt zu werden, so ein Kind ermorden. Das Mordmotiv muss nicht Hass oder Dominanzstreben sein. Es kann eine Art Verdeckungsmotiv sein, weil man etwas getan hat, das am Anfang eher ein Wunsch nach Nähe war, und das am Ende in purer Verzweiflung gemündet ist.

Sind solche Personen schon vorher auffällig?

Egg: Es kann sein, dass sie auffällig sind, aber nicht unbedingt durch Straftaten. Es sind ja Personen, die nicht per se gewalttätig sind oder in der Schule oder im Privatleben als Schläger bekannt waren. Sie können nach außen eher ängstlich, scheu, kontaktschwach wirken. Sie machen sich dann an Kinder heran, weil sie glauben, mit denen eher umgehen zu können. Das muss einem nicht auffallen. Aus eigenartigem Verhalten kann man nicht den Schluss ziehen, der wird mal Kinder entführen und umbringen.

Der Mann hat schnell gestanden. Ein Zeichen, dass das Geständnis eine Art Befreiung für ihn ist?

Egg: Aus meiner Erfahrung, ja. Sie schleppen eine belastende Situation mit sich herum: etwas gemacht zu haben, das sie anfangs nicht wollten, aber nicht verhindern konnten. Sie haben niemanden, dem sie sich öffnen können. Wenn es dann bekanntwird, ist es für manche ein Stein, der vom Herzen fällt.

Von dpa

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