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Das Reinheitsgebot ist nicht alles

Serie: Bier in Brandenburg Das Reinheitsgebot ist nicht alles

Wenn einem das Bier nicht schmeckt, braut man eben selbst welches! Der Brandenburger Gernot Brätz betreibt seit 1997 die älteste Hausbrauerei des Landes. Das Reinheitsgebot ist ihm dabei nicht immer das wichtigste, auf den Geschmack kommt es an.

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Seinen Gästen in der Gartenstadt wollte der Gastronom Gernot Brätz eigenen Gerstensaft auf den Kneipentisch stellen.

Quelle: Saskia Popp

Brandenburg/Havel. Mit dem Bierbrauen angefangen hat Gernot Brätz aus einem einfachen Grund: „Mir hat das alles einfach nicht geschmeckt“, erzählt der 55-Jährige, „ich wollte es besser machen.“ Also stellte Brätz Sudpfannen und Gärtanks in seinem Lokal Kneipe Pur auf und machte es besser. 280 Hektoliter Bier produziert er im Jahr, verkauft wird das Gebräu ausschließlich in der eigenen Wirtschaft in der Gartenstadt.

Serie „Märkisches Bier“: MAZ-online.de/bierstrasse

Die Kneipe Pur gibt es bereits seit 1988. „Das war eigentlich alles Zufall“, erinnert sich der Gastronom. Essen gehen wollte er damals. Mit dieser wirklich netten Frau, Karola Dröske, die er kennengelernt hatte. „Aber die Gaststätte hatte geschlossen, so haben wir einfach bei Karola Rouladen gegessen, die sie noch da hatte“, sagt Brätz. Die Roulade war, so sagt man in der Gartenstadt, fantastisch – Karola Dröske und Gernot Brätz stellten fest, dass man doch gemeinsam eine neue Kneipe aufmachen könne. Hier, mitten im dörflichen Idyll des Brandenburger Stadtteils Plaue.

Karola Dröske kocht, Gernot Brätz braut und zapft

Karola Dröske kocht, Gernot Brätz braut und zapft.

Quelle: Saskia Popp

Der ehemalige Speisesaal der Bauarbeiter, welche die Siedlung einst aus dem Boden gestampft hatten, stand schon lange leer. Heruntergekommen war er damals, doch den gelernten Hochbaumeister Brätz konnte das nicht schrecken. Heute, fast 30 Jahre später, beherbergt sein Lokal ein wahnwitzig anmutendes Sammelsurium an Erinnerungsstücken, kaum ein Quadratzentimeter Wand ist frei. Hochzeitsfotos hunderter Paare, alte Werbeschilder, eine von der Decke hängende Tuba und sogar eine fernsteuerbare Spielzeugeisenbahn findet sich hier. Eine Einrichtung wie diese ließe jeden hippen Berliner Gastronomen in seiner Flohmarkt-Vintage-Bar neidvoll erblassen, doch sie ist nur ein kleiner Teil des Erfolgsrezepts der Kneipe Pur. Entscheidend sind die beiden Gastgeber. Karola Dröske kocht, worauf sie gerade Lust hat, Gernot Brätz steht am Tresen und braut Bier.

Deutsches Reinheitsgebot

Für Bier gibt es seit 500 Jahren ein Reinheitsgebot. Es besagt, dass Bier lediglich aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser bestehen darf. Andere Zusätze sind untersagt.

Das 500-jährige Jubiläum des deutschen Reinheitsgebotes wird in Potsdam am 23. April mit einem zweitägigen Fest begangen. Auf einer Bierstraße mit elf Stationen präsentiert sich die märkische Biertradition.

Die MAZ stellt bis zum Jubiläum märkische Bierbrauer vor. Im Internet: www.MAZ-online.de/bierstrasse

Nächste Folge: die Alte Ölmühle in Wittenberge (Prignitz).

An das deutsche Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 hält sich der Brandenburger Hausbrauer Brätz übrigens nicht immer. „Das Gebot ist gut und wichtig“, sagt Gernot Brätz, „aber als Handwerker steht das Produkt im Mittelpunkt. Da darf man auch mal kreativ sein.“ Anfangs, erinnert sich Gernot Brätz, musste er den Geschmack der Gäste erziehen. „Die waren alle dieses Bier aus Massenherstellung gewöhnt, das mit dem Brauhandwerk eigentlich nichts mehr zu tun hat“, sagt er. Gegen den Einheitsbrei setzt der Brandenburger Spezialitäten wie Honigbier, Indian Pale Ale, Wacholder- und Rauchbier – immer wieder etwas anders gebraut, immer einzigartig. Auch die Küche ist untypisch. „Wir glauben nicht an Speisekarten“, erklärt Brätz.

Elemente des Handwerks tauchen am Herd wieder auf

Stattdessen steht die kunterbunte Küche für jeden offen, Karola Dröske kocht live vor und mit den Gästen, was gerade marktfrisch ist. Die Elemente des Brauhandwerks nimmt sie am Herd wieder auf. Geschrotetes Malz wird zum Panieren eingesetzt, das hausgebackene Brot bekommt dadurch ein ganz eigenes Aroma. Gehetzte Gäste mag die resolute Köchin nicht. „Für ein gutes Essen ist immer Zeit“, sagt Dröske, „und wenn es nur eine Schmalzstulle ist.“

Von Saskia Popp

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