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Das Schloss der Taschenlampen-Millionäre

MAZ-Serie zu Herrenhäusern in Brandenburg Das Schloss der Taschenlampen-Millionäre

Mit LED-Taschenlampen sind die Zwillingsbrüder Opolka Millionen reich geworden. Frei nach dem Motto "Kultur ist für alle da" haben sie das Schloss Hubertushöhe in Storkow gekauft und das Herrenhaus und seinen Park für alle zugänglich gemacht.

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Die Schlossherren: Rainer (l.) und Harald Opolka.

Quelle: dpa

Harald Opolka liebt hohe Wände. „Da können sich die Gedanken freier entfalten“, sagt der 58-Jährige. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Rainer gehört ihm seit einem Jahr das romantische Schloss Hubertushöhe bei Storkow. Hohe Wände findet der gelernte Elektriker in dem um 1900 im Jagdstil erbauten Gemäuer jede Menge.

Frei nach dem Motto „Kultur ist für alle da“ setzen die beiden gebürtigen Bottroper ihre Vision eines offenes Hauses inklusive eines frei zugänglichen neun Hektar großen Literatur- und Kunstparkes um. Schon als Jugendliche, erinnert sich Harald Opolka, hätten sie gewusst, dass sie sich später dafür engagieren wollen, Menschen unabhängig von ihrem Geldbeutel den Zugang zu Kultur und Bildung zu ermöglichen. „Geld ist für uns also nur Mittel zum Zweck“, meint der gelernte Elektriker, der gemeinsam mit seinem Bruder durch Erfindung und Verkauf von LED-Taschenlampen reich geworden ist. Kunst und Bildung wollten beide in dem besonderen Ambiente eines Schlosses vermitteln. Einige alte Herrenhäuser hatten sie sich angeschaut, keines jedoch passte perfekt zu ihren Vorstellungen. Doch schließlich wurden sie im Internet fündig, wo das bisher als Nobelhotel genutzte Schloss Hubertushöhe zum Verkauf angeboten wurde.

„Die andere Seite reagierte auf unser Interesse allerdings erst, als wir einen Bankauszug vorlegten“, so der 58-Jährige. Wie viel das Schloss genau gekostet hat, darüber wurde letztlich Stillschweigen vereinbart. „Wir hatten es Jahre zuvor bei einem Urlaub mit unserem Segelboot kennengelernt – wenn auch nur von Weitem“, erzählt der Wahl-Brandenburger schmunzelnd. Denn damals hatten sie an den Bootsstegen angehalten, um im Gourmetrestaurant des Fünf-Sterne-Hauses zu speisen. „Man ließ uns aber gar nicht erst an Land. Wir sahen wohl nicht reich genug aus“, erinnert sich der Unternehmer.

Infos zum Schloss Hubertushöhe

  • Erbaut wurde das unter Denkmalschutz stehende Schloss Hubertushöhe um 1900 vom Geheimen Kommerzienrat Georg Büxenstein, einem Berliner Industriellen. Es ist im Stil eines Jagdsitzes gestaltet, innen und außen mit Jagdmotiven verziert, dazu verspielte Türmchen, Torbögen und Drachenköpfe. Prominentester Gast soll Kaiser Wilhelm (1859 – 1941) gewesen sein.
  • 1916 verkaufte Büxenstein das Anwesen an den Berliner Damenmantelfabrikanten und Ehrenbürger Hermann Bamberg, einen Juden. Sein Sohn war ein bekannter Kinderarzt, der 1933 von der SA auf Schloss Hubertushöhe festgenommen wurde. 1936 ging das Anwesen an den Tabakkonzern Reemtsma, mit Beginn des II. Weltkrieges wurde es als Lazarett genutzt. Zu DDR-Zeiten beherbergte es die Ingenieurschule für Binnenfischerei.
  • Nach der Wende erwarb die Firma Reemtsma das Schloss erneut und machte daraus für Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro ein Luxushotel, in dessen Restaurant „Windspiel“ Brandenburger Spitzenköche wirkten.
  • Zuletzt gehörte das Fünf-Sterne-Haus mit den 23 Suiten und Zimmern der südafrikanischen Louis Gruppe, einer Investmentholding, die das Schlosshotel schließlich 2011 in den Konkurs führte. Seitdem stand es leer und ungenutzt. Im Sommer 2012 erwarben es die Brüder Opolka.

Den Großteil ihrer Taschenlampenfirma haben die beiden erfolgreichen Brüder verkauft, durch Patente und andere Geschäftsbeziehungen fließe das Geld noch immer reichlich, ohne dass sie noch etwas dafür tun müssten, erzählt der Schloss-Miteigentümer. Bleibt mehr Zeit für Literatur und Kunst, zu beidem haben Harald und Rainer Opolka eine Affinität. Zitate berühmter Dichter und Denker, philosophische Weisheiten oder chinesische Sprichwörter kommen ihnen wie selbstverständlich über die Lippen.

Zum eigentlichen Schlossgelände haben sie noch weitere Flächen in der unmittelbaren Umgebung angekauft, um in dem riesigen Park rund 250 Stein- oder Holztafeln mit Aphorismen aufzustellen und damit die Begegnung mit „großen Geistern“ von Goethe über Voltaire bis hin zu Brecht zu ermöglichen.

Außerdem sollen in der Zukunft noch literaturthematische Pfade angelegt werden. Auch der Neubau einer 1200 Quadratmeter großen Kunsthalle ist geplant. Für Schüler und Studenten, die auf Schloss Hubertushöhe Literatur- oder Kunstkurse besuchen, sollen einfache Unterkünfte erbaut werden. Schon jetzt schufen Opolkas mit ihrer Gesellschaft „Zweibrüder Kunst und Kultur“ elf Arbeitsplätze, denn das Schloss wird für Hochzeiten und Tagungen oder auch als Filmkulisse vermietet. Die sogenannte Fischerkate direkt am Seeufer ist ein Imbiss für Spaziergänger und Wassersportler. Auch im Schloss selbst soll wieder ein Restaurant eröffnen, mit bodenständigen Gerichten zu moderaten Preisen, versichern die Opolkas, die selbst unter einfachen Verhältnissen im Ruhrgebiet groß geworden sind.

30 bis 40 Jobs könnte die Gesellschaft haben, wenn ihre Vision vom Kunst- und Literaturpark Wirklichkeit geworden ist. „Es wird Filmfestivals geben, Liedermacher-Workshops, Malerpleinairs, Lesungen, Theatervorführungen“, beschreibt Harald Opolka, der hofft, in zwei Jahren tatsächlich so weit zu sein. Allerdings: „Die Behörden machen es uns nicht leicht – die bürokratischen Mühlen mahlen langsam“, seufzt er. Trotz dieser Widerstände fühlen sich beide angekommen, vor allem in der Stadt Storkow, wo sie inzwischen Mitglieder im Mittelstandsverein sind. Rainer Opolka hat sogar ein Buch über die Kommune mit dem Storch im Wappen geschrieben, eine poetische Liebeserklärung, die Ende des Monats erscheint.

Bevor sie zu Schlossbesitzern wurden, waren Harald und Rainer Opolka bereits in der Region heimisch geworden. Ganz in der Nähe, in Wendisch Rietz (Oder-Spree) am Scharmützelsee , kauften sie vor sieben Jahren ein ehemaliges DDR-Kinderferienheim, das sie zu ihrem neuen Zuhause machten. „Da haben wir uns gleich zu Hause gefühlt“, sagt Harald Opolka. Landschaftlich gefalle ihnen die wasserreiche Mark und auch der Menschenschlag hier sei „nett und aufgeschlossen“. Auch die Berlin-Nähe inklusive des vielfältigen Angebots an Theatern und Museen war ausschlaggebend für die Wahl der neuen Heimat.

Von Jeanette Bederke

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