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Brandenburg Das Potsdamer Start-up, das die Logistik-Branche aufmischt
Brandenburg Das Potsdamer Start-up, das die Logistik-Branche aufmischt
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00:16 17.10.2017
Ein Navi für Logistik-Unternehmen: Synfioo berechnet Ankunftszeiten von Container-Lieferungen. Quelle: Foto: dpa
Potsdam

Im Büro von einem der erfolgreichsten Start-ups in Brandenburg trägt Gründungsmitglied Marian Pufahl einen Kapuzenpulli über dem Polohemd. Hoodie statt Sakko – ein bisschen Gründer-Kultur muss sein, bei Synfioo, dem jungen IT-Unternehmen, das sich anschickt, von Potsdam-Babelsberg aus die Logistik-Branche aufzumischen.

Das Computerprogramm, das Pufahl und seine Mitstreiter entwickelt haben, ist eine Art Navigationssystem für Transportunternehmen – und trotz des hochkomplexen Themas auch für Laien verständlich. Das Programm berechnet für Firmen, die Container voller Bananen, Turnschuhe oder Autos versenden, die Ankunftszeit ihrer Waren. „Am Ende des Tages ist entscheidend, wann ein Container wo sein wird“, sagt Pufahl. Synfioo rechnet Störungen wie Staus oder Zugausfälle – wie jüngst nach Sturm „Xavier“ – mit in die Fahrtzeit ein und kann so kurzfristig rückmelden, ob eine Containerlieferung sich verspätet oder droht, eine Anschlussfähre zu verpassen.

Aus einer Idee wurde eine Firma

Aus ihrer Idee, die in einem Projekt am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut entstand, haben Pufahl und seine beiden Mitgründer seit Oktober 2015 Synfioo aufgebaut und sind nun – zwei Jahre später – eine deutlich gefestigtere Firma mit potenten Kunden, wie dem holländischen Logistik-Konzern Jan de Rijk mit mehr als 1000 Lastwagen. Synfioo ist damit ein echtes Start-up, also ein junges Unternehmen, das aus einer fortschrittlichen Idee ein neuartiges Produkt entwickelte.

Im Gegensatz zur schillernden Welt des kalifornischen Silicon Valley bedienen Pufahl und Synfioo aber nicht das Klischee des hippen Jungunternehmens, das in einer Garage entstand und dank Umsatzwachstum in futuristische Gebäude umzieht. Synfioo hat eher den Charme einer Firma von Computer-Tüftlern, setzt auf schlichte Büroräume statt bunter Plastikrutsche zur Mitarbeiter-Bespaßung – und ist vielleicht gerade deswegen erfolgreich.

„Wir sehen diese shiny Start-up-Kultur durchaus kritisch“

„Wir sehen diese shiny Start-up-Kultur durchaus kritisch“, sagt Pufahl. Eine Rutsche im Büro sei am Ende nur dazu da, die Mitarbeiter länger ans Büro zu binden, Freizeit und Arbeit zu verschmelzen. „Aber ich habe auch eine Familie und will nicht, dass Mitarbeiter hier 16 Stunden am Tag arbeiten“, sagt Pufahl. Vom Klischee der Start-up-Kultur ist bei Synfioo nur der Hoodie geblieben.

Trotzdem hatten Pufahl und das mittlerweile auf 14 Mitarbeiter angewachsene Team in den vergangenen zwei Jahren die gleichen Pro­bleme wie viele andere Unternehmens-Neugründungen auch. „Wir haben nicht erwartet, dass alles glatt geht“, sagt Pufahl. „Aber auch wir haben einen Prozess mit Irrungen und Wirrungen durchgemacht.“

Die Potsdamer haben ihr Produkt stärker auf die Ankunftszeit der Container zugespitzt und vor allem eines gelernt: Vieles dauert länger als erwartet. „Der Vertragsabschluss mit einem großen Logistik-Unternehmen kann schon mal bis zu einem Jahr dauern“, erzählt Pufahl. Für eine erst zweijährige Firma wie Synfioo ist das eine Ewigkeit.

Finanzspritze in Millionenhöhe

Von den Hürden der ersten Jahre haben Pufahl und Synfioo am Freitag beim Auftakt des neuen Business-Planwettbewerbs Berlin-Brandenburg im Rahmen der Gründer-Messe deGut berichtet. Vor zwei Jahren waren sie bei dem Start-up-Wettbewerb im Finale. Jetzt kehrten sie als Experten zurück – und mit einer Finanzspritze in Millionenhöhe in der Tasche. Im Juni hatte die Fondsgesellschaft Brandenburg Kapital, eine Tochterfirma der Investitions(ILB), in das Start-up Geld gesteckt. „Das zeigt auch: Da glaubt jemand an uns“, sagt Pufahl. In der schnelllebigen Neugründer-Welt, in der Kunden zweifeln, ob eine junge Firma das nächste Jahr überlebt, war das ein wichtiges Zeichen – für Synfioo und die märkische Start-up-Szene.

Unterstützung für junge Gründer

Was braucht man, damit aus einer guten Idee eine funktionierende Firma entstehen kann? Bei diesen und anderen Fragen rund um Start-ups will der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) junge Gründer unterstützen. Denn anders als der Name vermuten lässt, ist die größte regionale Existenzgründungsinitiative kein reiner Wettstreit um Preisgeld.

Der Wettbewerb wird getragen von den Investitionsbanken und Hochschulen der Länder Berlin und Brandenburg und bietet auch ein kostenloses Angebot an Seminaren, Workshops und Ansprechpartnern für junge Gründer. Der Einstieg ist zu jeder Zeit möglich. Die besten Geschäftsideen werden mit insgesamt mehr als 50 000 Euro prämiert. Das Potsdamer Unternehmen Synfioo belegte vor zwei Jahren Platz drei.

Von Ansgar Nehls

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