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Das Zika-Virus ist eine Gefahr für Ungeborene

Gesundheit und Freizeit Das Zika-Virus ist eine Gefahr für Ungeborene

Der Potsdamer Tropenmediziner Thomas Weinke würde derzeit keiner Frau, die eine Schwangerschaft plant, eine Reise nach Lateinamerika empfehlen. Das Risiko, sich bei Fernreisen einen gefährlichen Keim einzuhandeln, kann aber durch vernünftiges Verhalten minimiert werden. Einige grundlegende Ratschläge gibt Weinke im MAZ-Interview.

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Schon Kindern – hier ein Mädchen aus dem Bundesstaat La Libertad in El Salvadior – ist die Gefahr einer Zika-Infektion durch Mückenstiche bewusst.

Quelle: AFP

Potsdam. Thomas Weinke ist Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam.

Auch das Klinikum in Bad Saarow hat jetzt eine reise- und tropenmedizinische Beratung. Ist das Zeichen einer gesteigerten Reisetätigkeit in tropische Regionen?

Thomas Weinke
: Ich würde sagen, der Reiseboom ist ungebrochen und es gibt natürlich schon ein großes Bestreben bei den Deutschen, die Welt und damit auch außereuropäische Länder kennenzulernen. Ich würde aber nicht sagen, dass das unbedingt zugenommen hat. Wir haben schon vor fünf oder sogar zehn Jahren gemerkt, dass es in Sachen Fernreisen in Brandenburg und Berlin ein großes Interesse gibt.

Vorbeugen ist das Entscheide

Welcher Anteil der Reisenden begibt sich denn in tropische Länder?

Weinke: Ein Großteil der Reisenden geht natürlich in die Mittelmeerregion, wozu die südeuropäischen und die nordafrikanischen Länder, aber auch die Türkei zählen. Infektionsmedizinisch sind das nicht so die ganz gefährlichen Gebiete. Die großen gefährlichen Bereiche sind zum einen das tropische Afrika. Dort hat man, was Malaria angeht, das größte Risiko zu erkranken. Der indische Subkontinent und Südostasien sind Gebiete, wo man sowohl Magen-Darm-Infektionen als auch Typhus bekommen kann, und es gibt auch einige, insbesondere ländliche Ecken in Lateinamerika, wo man ein relativ hohes Erkrankungsrisiko hat. Ich betone aber: Vorbeugen ist das Entscheidende. Und wenn man vor Ort ein entsprechendes Verhalten an den Tag legt, kann man die Risiken deutlich reduzieren.

Die WHO hat wegen des Zika-Virus’ den globalen Notstand ausgerufen. Könnten Sie auch zu diesem in der Öffentlichkeit noch wenig bekanntem Infekt schon kompetent beraten?

Weinke: Das Virus ist keineswegs neu. Es wurde schon in den fünfziger Jahren entdeckt. Es kommt ursprünglich aus Afrika. Der Name rührt von einem Waldgebiet in Uganda, dem Zika-Wald, her. Dort ist es zuerst entdeckt und beschrieben worden. Wir haben jetzt eine globale Ausbreitung eines Erregers, der vorher ein Nischendasein führte. Er traf aber nun auf eine Bevölkerung, die auf ihn nicht vorbereitet war und keine Antikörper hatte. Weil auch die ökologischen Bedingungen, also die Existenz der Überträgermücke, gegeben waren, konnte sich das Virus in Lateinamerika ganz rasch ausbreiten.

Wie gefährlich ist Zika?

Weinke: Per se ist es ein harmloseres Virus als andere tropische Infektionen und damit längst nicht so gefährlich wie etwa das Dengue- oder das Chikungunyafieber. Die Besonderheit des Zika-Virus ist die Tatsache, dass es zu Schädel-Hirn-Schädigungen bei ungeborenen Kindern kommen kann. Der Zusammenhang zwischen Erkrankung der Mutter und der Schädigung des Kindes ist zwar nicht bewiesen, aber sehr wahrscheinlich. Aber das ist der Grund, weswegen die Krankheit jetzt so im Fokus steht.

Würden Sie derzeit jungen Frauen von Reisen nach Brasilien abraten?

Weinke: Die Entscheidung ist natürlich immer individuell. Wenn es um eine rein touristische Reise geht, würde ich einer Frau, die auch noch eine Schwangerschaft plant, eher abraten. Das empfehlen auch die brasilianischen Gesundheitsbehörden. Bei beruflichen Reisen würde ich eine individuelle Risiko-Nutzen-Analyse empfehlen. Aber auf jeden Fall würde ich einer Frau raten, in der Zeit nicht gerade schwanger zu werden. Das Risiko von Missbildungen ist besonders in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft am größten.

Klassische Symptome eines Infekts

Was macht der Infekt sonst?

Weinke: Sie bilden die klassischen Symptome eines allgemeinen Virusinfektes aus. Sie bekommen Fieber, haben Muskel- und Gelenkschmerzen und vielleicht eine Bindehautentzündung. Oftmals ist auch ein Exanthem, ein Hautausschlag, zu sehen. Es gibt keine Therapie dagegen. Der Körper muss den Infekt selbst in den Griff bekommen.

Welche Krankheiten sind für Tropenreisende aus Ihrer Sicht am gefährlichsten?

Weinke: Im Fokus unserer Reiseberatung stehen natürlich die Erkrankungen, gegen die man etwas machen kann. Immer ein Thema ist für tropische Länder die Malaria. Das Risiko ist dabei aber individuell höchst verschieden. Ein Rucksacktourist hat sicher ein höheres Risiko als ein Gast im Vier-Sterne-Hotel. Auf jeden Fall können wir aber bei Malaria mit Tabletten eine Prophylaxe betreiben. Andererseits kann man natürlich auch mit Spray etwas gegen die Mücken als die Überträger tun. Daneben gibt es eine Reihe von Krankheiten, gegen die man sich impfen lassen kann: Typhus, Hepatitis A, Hepatitis B, Tollwut und japanische Encephalitis um nur einige zu nennen. Was nötig ist, kann man individuell durchdiskutieren.

Anpassung an die Gefahrensituation

Ist das Reisen durch das Auftauchen neuer Krankheiten gefährlicher geworden?

Weinke: Nein, das würde ich nicht sagen, aber man muss natürlich immer wachsam sein. Das macht die WHO, indem sie jeweils die Situation analysiert und entsprechende Gefahrenmeldungen herausgibt. Diese Risikolage haben wir als Tropenmediziner immer im Auge. Dementsprechend passen wir auch unsere Reiseberatung an.

Kann ich mich vorab informieren, bevor ich zur Reiseberatung gehe?

Weinke: Ja, ich würde mich aber auf qualifizierte Homepages verlassen. Wenn man auf die Seiten des Robert-Koch-Instituts oder des Auswärtigen Amtes geht, hat man sicher für die deutsche Situation sehr qualifizierte Statements. Dann hat man schon eine Vorstellung, welche Risiken einem erwarten. Das macht die Reiseberatung sicher noch effizienter.

Einen privaten Kostenbeitrag werde ich dabei wohl immer leisten müssen, oder?

Weinke: Nicht unbedingt. Einige Krankenkassen haben Tropenkrankheiten bewusst als Marketingstrategie integriert. Insofern lohnt es sich immer, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob sie Kosten übernimmt.

Interview: Rüdiger Braun

 

Von Rüdiger Braun

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