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Das ist Brandenburgs bekanntester Milchmann

Zu Besuch bei Gunnar Hemme Das ist Brandenburgs bekanntester Milchmann

Gunnar Hemme (46) ist Brandenburgs wohl bekanntester Milchmann. Die Produkte seiner gleichnamigen Molkerei sind in vielen Supermärkten zu finden. Die MAZ hat sich in der Molkerei, die nun vergrößert werden soll, umgeschaut und das Geheimnis hinter dem charakteristischen Hemme-Milch-Beutelerfahren.

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Gunnar Hemme im Kühlhaus seiner Molkerei

Quelle: dpa-Zentralbild

Schmargendorf. Gunnar Hemme hatte, als er vor 18 Jahren in die Uckermark kam, einen Traum. In der Region sollte es „zwischen Kuh und Kunden“ nur noch seine Milch geben – Hemme-Milch. Das hat sich in Form eines durchschlagenden Milchmann-Systems erfüllt. Über 200 Kindergärten und Schulen sowie fast 2000 private Haushalte werden inzwischen mit Milch aus der kleinen Molkerei im uckermärkischen Schmargendorf bei Angermünde beliefert.

Jetzt plant der 46-jährige Landwirt, der aus der Nähe von Hannover stammt, eine Erweiterung. Eine „Schaumolkerei“ soll entstehen, samt Besucherzentrum mit Hofladen und Café. Hemmes Wunsch ist es, dass Besucher voll mit Eindrücken nach Hause fahren, wie ihre Milch zu leckeren Produkten verarbeitet wird. „Im Supermarkt vor dem Frischeregal muss dann ein Film ablaufen“, hofft er und lächelt vielsagend. „Denn den Herrn Hemme gibt es wirklich.“

Drei Millionen Euro kostet das neue Vorhaben

Dass der Bedarf für eine gläserne Molkerei vorhanden ist, da ist er sich sicher. Im Juni wurde sein Hof von Besuchern regelrecht überrannt. Anlass war die „Landpartie“, bei der Höfe ihre Tore öffneten. Milchchef Hemme war in seinem Element. Er führte selbst die Besuchergruppen über die Anlage.

Drei Millionen Euro kostet das neue Vorhaben, das er gegen zahlreiche Widerstände, vor allem vom örtlichen Naturschutzbund, durchsetzen musste. Das Gelände liegt am Rande des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Ein Buchenwald dort steht auf der Liste des Unesco-Weltnaturerbes. Doch sein Projekt, das auch irgendwie zum Tourismus gehört, überzeugte letztlich die Behörden. Heute sind alles des Lobes voll über den wohl bekanntesten Milchmann Brandenburgs und suchen seine Nähe – vom Bürgermeister über den Landrat bis zum Wirtschaftsminister, der das Projekt mit 1,2 Millionen Euro fördert. Alle erhielten kürzlich eine Extra-Führung durch die Molkerei. Hemme bedankte sich für die „Eins-A-Förderkulisse“ und freute sich, dass die Pläne inzwischen begrüßt würden, „auch von Axel Vogel“, wie er betonte. Vogel ist Fraktionschef der Grünen im Landtag.

Rund 80 Prozent der Produktion geht nach Berlin oder ins Umland

Dabei begann es auf der grünen Wiese in der Uckermark eher gewagt. 1998 habe er mit gemieteten Geräten und einen kleinen Geldbeutel los gelegt, erzählt Hemme, der auf dem Agrarhof seiner Eltern in Niedersachsen aufgewachsen ist. Vier Mitarbeiter habe er damals gehabt, heute sind es 25. Rund 30 000 Liter Milch werden inzwischen pro Tag verarbeitet. Die holt sich die Firma vom benachbarten eigenen Kuhstall über eine unterirdische Leitung. Auch zwei Milchviehbetriebe der Region liefern Milch. Die Preise werden regional vereinbart, sagt Hemme. Das heißt: Vom Milchpreisverfall kann sich die Firma abkoppeln.

Rund 80 Prozent der täglichen Produktion von Milch, Joghurt, Quark oder Sahne geht nach Berlin oder ins Umland. In Berlin läuft in den großen Supermärkten das Geschäft mit den typischen rund-wackeligen Milchbeuteln und dem Kunststoffgriff gut.

Die typischen Milchbeutel von Hemme-Milch kennen viele Brandenburger

Die typischen Milchbeutel von Hemme-Milch kennen viele Brandenburger.

Quelle: Julian Stähle

Hemme-Milche ist keine Bio-Milch

Für Hemme war es eine Grundsatzentscheidung. Heute nennt er es das „Alleinvertretungsmerkmal“. „Wir müssen uns doch von der Großindustrie abheben.“ Seine Milchtüte sei mit 40 Prozent Kreideanteil zudem ökologisch und wiege nur 16 Gramm, ein Tetra-Pack das Doppelte. Er wirbt besonders mit der Tagesfrische des Produkts. Sonst weiß Hemme auch nicht so genau, warum viele auf seine Milch – Literpreis 1,09 Euro – so schwören. Sie ist nicht bio, sie ist nicht entrahmt. „Nur einmal kurz auf 70 Grad erhitzt und wieder heruntergekühlt“, sagt Hemme, der Wert darauf legt, dass seine Kühe nur gentechnikfreies Futter bekommen. Wer sie beobachten will, kann dies inzwischen im Internet auf der Hemme-eigenen „Kuh-Cam“.

Das Label „Q-Regio“

Unter dem Label „Q-Regio“ werden in Brandenburg seit elf Jahren regionale Erzeugnisse mit besonderer Qualität unter einem Dach vermarktet. Die Idee stammt aus der Uckermark vom holländischen Landwirt Pieter Wolters, der in Bandelow eine Bauernkäserei („UckerKaas“) betreibt und rund 1300 Kühe betreut. Er liefert auch Milch an die Molkerei Hemme. Inzwischen gibt es Q-Regio-Hofläden in Berlin und Potsdam. Partner sind Feinkost- und Fachhändler sowie Gastronomen.

Von Igor Göldner

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