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Das ist das kurioseste Diebesgut aus Brandenburg

Rätselhafte Beutezüge Das ist das kurioseste Diebesgut aus Brandenburg

Gerodete Kiefernwälder, abgeerntete Weizenfelder und angezapfte Spritleitungen: In Brandenburg scheinen Langfinger besonders erfinderisch. Die MAZ erinnert an besonders dubiose Diebstähle.

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Das war mal eine Kiefer: In Berkenbrück (Teltow-Fläming) haben Unbekannte ein ganzes Waldstück gestohlen.

Quelle: Fotolia

Potsdam. Ein ganzes Stück Kiefernwald ist spurlos verschwunden: In Berkenbrück (Teltow-Fläming) vermisst eine Waldbesitzerin gut 250 Meter Festholz – abgeholzt und abtransportiert, womöglich von einer professionellen Holzfällerbande, ausgerüstet mit schwerem Gerät. Die Polizeimeldung aus der vergangenen Woche ist nur ein Beispiel aus der Liste kurioser Diebstähle in Brandenburg.

Heimattreue Schild-Bürger

In einem RBB-Fernsehbeitrag über das gerade zu Ende gegangene Helene-Beach-Festival in Frankfurt (Oder) schlenderte eine Party-Jüngerin mit einem zuvor geklauten Ortsschild von Luckenwalde (Teltow-Flming) durchs Bild. Eine wachsame Straßenamtsmitarbeiterin informierte Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD). „Ob das nun einen großen Tragekomfort hat, auf einem Festival mit einem solchen Schild herumzulaufen, würde mich auch interessieren“, sagte die Rathauschefin nicht ohne Ironie in die RBB-Kamera – um zugleich anzumahnen, ein Ortsschild sei kein „Stadtsouvenir für Selbstabholer“. Auch wenn sich Lokalpolitiker insgeheim über die Heimatliebe der Schilderdiebe freuen müssen: Es handelt sich weder um einen Einzelfall noch um einen Kavaliersdelikt.

Amerika in der Mark

300 Euro kostet der Ersatz für ein geklautes Ortsschild. Beliebte Beute sind Schilder mit kuriosen Ortsnamen wie Amerika, Boston, Orion, Philadelphia und Zuckerfabrik.

Eine Anzeige droht Dieben auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Denn ohne Ortsschild wissen Verkehrsteilnehmer nicht, dass Tempo 50 gilt.

Ungewollte Erntehelfer

Vor einem Jahr machte ein seltsamer Kriminalfall aus der Prignitz Schlagzeilen. Unbemerkt war im August 2015 bei Preddöhl eine ganze Ernteladung gestohlen worden – die Beute befand sich zum Tatzeitpunkt wohlgemerkt noch auf dem Feld. Reifenspuren verrieten, dass die 22 Hektar große Fläche professionell abgeerntet wurde – 150 Tonnen Weizen im Wert von 27.000 Euro. Tags darauf klärte sich der Fall allerdings auf. Das Abernten beruhte offenbar einer zuvor unter Landwirten getroffenen Abmachung. Alles andere hätte Lothar Pawlowski vom Kreisbauernverband Prignitz auch gewundert: „Wenn bei uns etwas gestohlen wird, dann Mähdrescher oder Traktoren. Aber ein ganzes Feld, das abgeerntet wird, das klingt abenteuerlich. Das macht nicht so eine kleine Räuberbande.“ Ähnliche Missverständnisse gibt es immer wieder. 2014 waren in Stechow (Havelland) 16 Hektar Mais und 2013 in Löwenberg (Oberhavel) acht Hektar Getreide abgeerntet worden – angeblich illegal. In beiden Fällen stellte sich heraus: Es gab Streitigkeiten zwischen den beteiligten Firmen um Eigentums- und Nutzungsrechte.

Falsche Tiertransporte

Nicht nur hochpreisige Erntemaschinen geraten regelmäßig ins Visier von Kriminellen. Die Diebesbanden haben es auch auf Viehherden abgesehen. Die Schäden liegen jährlich im fünfstelligen Euro-Bereich, betroffen ist vor allem das Grenzgebiet zu Polen. Im Mai 2016 vereitelte ein Traktorist aus Brandenburg an der Havel einen einträglichen Beutezug: Mitten in der Nacht verfolgte er einen verdächtigen Viehtransport. Wie sich herausstellte, hatten Unbekannte 40 Rinder aus einer benachbarten Stallanlage entführt. Als die Polizei auf der Autobahn bei Michendorf (Potsdam-Mittelmark) zuschlagen wollte, steuerte der Viehlaster auf eine Rastanlage, der Fahrer konnte unerkannt flüchten. Aber zumindest die Tiere mit einem Wert von 40 000 Euro waren gerettet.

Metallbauer und Blitzer-Saboteure

Metalldiebe machen sich immer wieder an den unmöglichsten Stellen zu schaffen, wie zuletzt an der A 24. Auf einer Länge von gut 400 Metern stahlen Unbekannte Ende Juli nahe der Anschlussstelle Herzsprung (Ostprignitz-Ruppin) mehr als 80 Pfähle eines Wildschutzzaunes. Schaden: knapp 20.000 Euro. Gut doppelt so teuer war die Beute, als im Februar bei Wildau (Dahme-Spreewald) ein Blitzerkasten aufgebrochen und die Kamera gestohlen wurde. 200 überführte Raser durften sich Ende 2013 in Brandenburg an der Havel freuen: Während die Polizei die Geschwindigkeit maß, stibitzten Unbekannte das Tempo-70-Schild. Entsprechend nichtig waren die Messergebnisse.

Verräterische Sprit-Zapfer

Eine unerklärliche Benzinpfütze im Maisfeld verriet im Oktober 2013 einen besonders dreisten Fall von Treibstoffdiebstahl bei Heckelberg im nördlichen Oderbruch (Märkisch-Oderland). Über Monate war die 78 Kilometer lange Leitung von der PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder (Uckermark) zum Tanklager Seefeld (Barnim) angezapft worden. Wie viel Benzin und Diesel dabei geklaut wurden, konnte nicht geklärt werden. 400 Container kontaminierter Erde musste auf den Sondermüll gebracht werden. Allein durch das dreitägige Zudrehen der Leitung entstand der Raffinerie ein Schaden von mehr als 500.000 Euro.

Von Bastian Pauly

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