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Das ist der Kopf hinter "Kraftfuttermischwerk"

Blog als Schatzkiste und Ventil Das ist der Kopf hinter "Kraftfuttermischwerk"

Ronny Kraak hätte sich vor elf Jahren wohl nicht träumen lassen, was mal aus seinem Blog „Kraftfuttermischwerk“ werden würde. Damals schrieb der Potsdamer eher für sich selbst, machte nebenbei mit ein paar Freunden Musik und fertig war die Mischung. Mittlerweile ist Kraak allein mit seinem Blog und wird immer bekannter – sogar weltweit.

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Ronny Kraak
 

Quelle: Privat

Potsdam.  Sein Blog ist wie eine große Schatzkiste. Als Ronny Kraak ihn vor elf Jahren eröffnet hat, schrieb er hauptsächlich für sich selbst. Das ist jetzt anders. Denn mittlerweile folgen dem „ Kraftfuttermischwerk“, wie der Blog heißt, 45 000 Menschen auf Facebook. Etwa 30 000 Leser zählt Kraak durchschnittlich täglich auf seiner Seite. Eine Menge, die er sich nicht vorstellen kann. Der 39-jährige Sozialarbeiter verrät, wie er das Bloggen neben seinem 40-Stunden-Job stemmt und warum sich sein Blog über die Jahre verändert hat.

Angefangen hat alles im September 2005. „Irgendwie hatten auf einmal alle Blogs und ich wollte auf dieser Welle mitschwimmen“, erzählt Ronny Kraak. Zu dieser Zeit waren seine Beiträge sehr persönlich, meist ein Foto und dazu ein paar Zeilen Text aus dem täglichen Leben. Doch der Blog war nicht nur politisch oder persönlich, sondern auch musikalisch.

Mit Musik fing das Gemeinschaftsprojekt an

Denn ganz am Anfang von „Kraftfuttermischwerk“ stand ein Bandprojekt. Kraak hatte damals noch drei Freunde an Bord, die, wie er auch, in Teltow aufgewachsen sind. Ihrem Projekt wollten sie ein bisschen heimische Identität verleihen und benannten es deshalb nach dem ehemaligen DDR-Kombinat „Kraftfuttermischwerk“, das in Teltow ansässig war. Kraak hatte damals in Teltow eine große Wohnung, die er zum Teil in ein richtiges Studio verwandelte. Dort probten, mixten und improvisierten die Jungs eine Weile ihre House- und Downbeats-Musik. Als das Gemeinschaftsprojekt irgendwann auseinander brach, machte Kraak alleine weiter. „Ich war viel als DJ unterwegs, auf Festivals und in Clubs“, sagt er. Auch in diesem Jahr hat er Auftritte in Magdeburg, Dresden, Berlin oder auf der Insel Usedom.

Die Musik ist mittlerweile aber nicht mehr das Hauptaugenmerk. „Der Fokus liegt jetzt ganz klar auf dem Blog“, so Kraak. Seit etwa zwei Jahren verdient er damit sogar Geld, weil er sich nach einem langen Kampf mit sich selbst dazu entschieden hat, Werbung auf seinem Blog zuzulassen. Eigentlich sei er immer dagegen gewesen, doch ein befreundeter Blogger habe ihm letztlich dazu geraten, sie dezent einzusetzen. „Wichtig war mir von Anfang an nur, dass die Beiträge entsprechend gekennzeichnet sind“, sagt der Wahl-Potsdamer. Der Blog bringt ihm jetzt sogar so viel Geld ein, dass er seinen Sozialarbeiter-Job schmeißen könnte. Doch das will er nicht. Die Arbeit im Jugendclub in Fichtenwalde, der er schon seit mehr als 13 Jahren nach geht, macht ihm viel zu viel Spaß, sagt er.

Acht Stunden Arbeit frisst der Blog täglich

In seinen Blog investiert Kraak am Tag etwa acht Stunden, weitere acht Stunden verbringt er auf der Arbeit. Bleiben noch fünf Stunden Schlaf und ein bisschen Zeit für die Familie. „Meine Frau und ich sind über die Zeit zusammen in das Blogprojekt reingewachsen. Sie findet okay, was ich mache“, erzählt er. Seine beiden Töchter sind mittlerweile 8 und 17 Jahre alt. Für die Musik bleibt also kaum noch Zeit und ein Studio gibt es momentan auch nicht. Aber aufgeben will Kraak trotzdem nicht. „Für die Musik braucht man einfach Kopf und Geld“, sagt er. Die Auftritte, die er als DJ momentan hat, füllen ihn aber so aus, dass er ohnehin keine Zeit für mehr hat.

Ronny Kraak

Ronny Kraak

Quelle: Twitter

Die Themen auf seinem Blog haben sich in den vergangenen elf Jahren gewandelt, erzählt Kraak. Waren es früher textlastige und persönliche Posts, ist es jetzt eine gute Mischung aus Neuigkeiten, Kuriosem aus aller Welt, Musik und Fotos. Quelle für seine vielen aktuellen Beiträge sind vor allem die etwa 450 Blogs, die Kraak abonniert hat. Der Kontakt in die ganze Welt sei wichtig, damit ihm kein Trend durch die Lappen geht. Aber er schreibt auch immer noch über Erlebnisse, die ihm selbst widerfahren sind. Dennoch ist er mit persönlichen Dingen vorsichtig geworden. „Ich überlege mir vorher sehr gut, was ich öffentlich teile und was nicht.“ Denn die meisten seiner 45 000 Facebook-Fans kennt er natürlich nicht und ist auf Facebook auch schon Missgunst durch den ein oder anderen „Hater“ begegnet.

Politisch positioniert sich der Blogger klar und öffentlich

„Ich verstecke mich gerne hinter meinem Blog“, gesteht er und sagt, dass er eigentlich eher öffentlichkeitsscheu ist. Deshalb wäre die Videoplattform Youtube auch nichts für ihn. „Wenn ich mir vorstelle, dass mich Leute auf der Straße erkennen, ich glaube, das wäre mir unangenehm.“ Kraak nutzt seinen Blog nicht, um sich selbst zu präsentieren. Er gibt zwar seine eigene Meinung preis, bleibt aber sonst eher bedeckt. Auch sein Profilfoto ist eher dezent. „Es war schon immer so, dass ich Dinge in den Blog verpackt habe, auf die ich einfach nicht klar komme, und die mich aufwühlen“, sagt er. In dieser Hinsicht ist der Blog auch ein Ventil.

Ein Thema, das Kraak immer wieder aufwühlt, ist die Situation der Flüchtlinge und die Politik drumherum. Politik sei ohnehin ein großes Thema auf seinem Blog, das von den Lesern gut angenommen wird. Er selbst hat sich von vornherein in die „Ecke ganz links außen“ positioniert und daraus kein Geheimnis gemacht. „Das zieht natürlich auch Leser an“, so Kraak. Gerade bei politischen Themen wie AfD oder Pogida-Demos fällt ihm allerdings immer wieder eins auf: „Die Kommentarkultur ist unter aller Kanone.“ Noch vor einigen Jahren hat es viele Kommentare auf Facebook gegeben, mittlerweile lässt er sie automatisch filtern. Denn immer wieder waren Leute dabei, die den Blogger persönlich beleidigt oder bedroht haben. „Da hatte ich am Anfang schon ganz schön Angst“, gibt er zu.

Der Mann hinter dem Blog

Für den Beruf des Sozialarbeiters interessiert sich Ronny Kraak schon seitdem er selbst als Jugendlicher im damaligen Jugendclub in Teltow war. Der Sozialarbeiter dort sei allerdings kein gutes Beispiel für die Jugend gewesen, also wollte Kraak es besser machen.
In der Umbruchzeit der Wende waren jedoch in erster Linie Handwerker gefragt. Also absolviere er eine Lehre zum Maler und Lackierer in Berlin. Obwohl er schon am ersten Tag merkte, dass der Job nichts für ihn ist, zog er die drei Jahre durch.
Zwei bis drei Jahre schlug er sich danach mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er seinen Zivildienst begann. Als er 23 Jahre alt war, fing Kraak dann eine Erzieherausbildung in Potsdam und arbeitet seit seinem 26. Lebensjahr im Jugendclub in Fichtenwalde.
Mehr zu dem Blog „Kraftfuttermischwerk“, der unter dem Motto „Liebe. Freiheit. Alles! Und Musik“ steht, gibt es unter www.kraftfuttermischwerk.de oder auf Facebook www.facebook.com/Kraftfuttermischwerk

Die Stadt Potsdam bedeutet für Ronny Kraak vor allem Heimat: „Ich bin gerne Potsdamer und wohne auch unheimlich gerne hier.“ Fragt man ihn nach seinem Lieblingsort in der Stadt, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Zuhause.“ Einen Plan für die Zukunft seines Blogs hat Kraak noch nicht. Er will so lange weitermachen, wie es ihm Spaß macht. Doch seine Leser können sich auf eine kleine Neuerung freuen: Der Blog soll noch in diesem Jahr ein frisches Design bekommen.

Von Luise Fröhlich

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