Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
„Das ist ein Fehlurteil“

Maskenmann-Anwälte legen Revision ein „Das ist ein Fehlurteil“

Der Maskenmann soll lebenslang hinter Gitter. Wenige Stunden nach Prozessende hat die Verteidigung von Mario K. Revision gegen das Urteil des Frankfurter Landgerichts eingelegt. Die Richter sind überzeugt: Der 47-Jährige ist schuldig. Wichtiges Indiz: seine Vorstrafen.

Voriger Artikel
Kein Haus von der Stange
Nächster Artikel
Landluft schnuppern bei der Landpartie

Mario K.s Verteidiger Axel Weimann.

Quelle: Foto: Dpa

Potsdam. Der Rummel ist riesig. Schon eine halbe Stunde vor Prozessbeginn staut sich eine Traube aus Zuschauern und Medienvertretern vor Saal 007. Nicht einmal zum Prozessauftakt vor 13 Monaten waren so viele Interessierte nach Frankfurt (Oder) gekommen. Doch damals war der seltsame Entführungsfall zwar schon spektakulär, dass er sich zu einem Prozess mit vielen Wendungen und politischer Sprengkraft entwickeln würde, war da nicht abzusehen.

Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs macht es am Freitag nicht lange spannend: lebenslang. Der Angeklagte Mario K. sei der Maskenmann. Der Berliner schaut weiter auf seinen Block. Stumm, wie den gesamten Prozess über. Auf Seiten der vier Opfer und ihrer Anwälte macht sich hingegen sichtlich Erleichterung breit.

Fuchs’ Urteilsbegründung wirkt wie die Blaupause des Anklageplädoyers. In der Gesamtschau der Indizien ergebe sich klar: Mario K. ist der Mann, der 2011 zwei Überfälle auf eine Millionärsfamilie begangen und ein Jahr später einen Banker entführt hat. Als wichtigstes Indiz nennt Fuchs die Vorstrafen K.s. Insgesamt neun Jahre Haft hat der Dachdecker abgesessen.

1997 schoss er im Streit auf Jugendliche. Mit einer Ceska. Eine Waffe diesen Typs oder ähnlicher Bauart soll bei den Taten verwendet worden sein. Zudem habe Mario K. in einem Schützenverein mit einer Ceska geübt. Noch auffälliger sei eine Tat aus dem Jahr 2004: Der gelernte Dachdecker wurde damals in einem Camp im Wald aufgespürt. Er hatte Gegenstände aus Yachten gestohlen und diese anschließend angezündet. Gestohlene Bootsmotoren transportierte er laut Richter Fuchs mit Hilfe eines Kajaks, an das eine Luftmatratze gebunden war. Auf diese Art und Weise soll der Maskenmann auch den Banker Stefan T. von seinem Haus am Storkower See auf eine Schilfinsel verschleppt haben.

„Er hat offenbar aus seiner Tat von 2004 gelernt“, so Fuchs. „Aus dem Diebstahl von Bootsmotoren wird man nicht reich.“ Deshalb habe er sieben Jahre später den Plan entwickelt, über eine Entführung an Geld zu kommen. Zuerst habe er sich Familie P. als Opfer ausgeschaut. Bei der Ausspähung des Anwesens in Bad Saarow im August 2011 seien plötzlich die Hunde der Familie auf ihn aufmerksam geworden. Als ihm beim Rückzug die Unternehmergattin in die Quere kam, habe er auf sie eingeprügelt. Weil die Frau so wehrhaft gewesen sei, habe er auf die Tochter als potenzielles Entführungsopfer umgeschwenkt. Beim Versuch, die junge Frau zu kidnappen, stellte sich der Wachmann Torsten H. in den Weg. „Weil es mit den Frauen nicht so einfach war“, habe sich der Maskenmann 2012 schließlich einen Mann als Opfer ausgesucht: den Investmentbanker Stefan T. im nahen Storkow, an dessen Geschichte er nicht zweifle. „Er hat kein Motiv, eine Lügengeschichte zu erfinden“, sagt Fuchs, zumal der neunjährige Sohn die Entführung mit ansehen musste. Eine Rekonstruktion der Polizei habe zudem ergeben, dass die Entführung per Kajak möglich sei.

Was Fuchs nicht erwähnte: Die Rekonstruktion fand unter anderen Bedingungen statt und wurde schnell abgebrochen, wie Polizisten vor Gericht erklärten. Auch der Versuch der Verteidigung, die Entführung mittels Boot und Luftmatratze nachzustellen misslang – obwohl ein Profipaddler das Entführungsgefährt steuerte.

„Das ist ein Fehlurteil, das sich abgezeichnet hat“, sagt Verteidiger Axel Weimann sichtlich konsterniert. Sein Mandant sei erschüttert. „Wir haben mehr als ein Jahr gekämpft“, so Weimann. „Jetzt kämpfen wir weiter“, sagt er mit Blick auf die eingelegte Revision. Auch manche Zuschauer haben ein anderes Urteil erwartet. „Das ist eine Show“, sagt eine Rentnerin aus Erkner, die ihren Namen nicht nennen will. „Millionäre stehen hier unter Denkmalschutz.“

Von Marion Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg