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Brandenburg „Impfkontrollen in Schulen und Kitas sind nur konsequent“
Brandenburg „Impfkontrollen in Schulen und Kitas sind nur konsequent“
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00:22 28.03.2019
Hans Kössel ist Chefarzt der Kinderklinik am Städtischen Klinikum in Brandenburg/Havel. Quelle: Städtisches Klinikum Brandenburg an der Havel
Brandenburg/Havel

In Brandenburg wird gerade wieder über das Thema Impfungen diskutiert – nachdem das Gesundheitsamt Kindern in Kleinmachnow den Schulbesuch verboten hatte, die keinen Impfschutz gegen Windpocken vorweisen konnten. Wieso eine Impfpflicht in manchen Fällen sinnvoll ist, erklärt Hans Kössel (56), Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel.

Herr Kössel, wie stehen Sie zu einer allgemeinen Impfpflicht?

Eigentlich bin ich für eine Impfpflicht. Man müsste sie aber auf schwerwiegende Krankheiten beschränken, die tödlich verlaufen oder zu schweren lebenslangen Behinderungen führen können. Wir sprechen hier von Erkrankungen, die nur seltener geworden sind, weil ein Großteil der Bevölkerung seiner Impfpflicht nachgekommen ist.

Welche Krankheiten sind das?

Zum Beispiel Masern und Windpocken. Das sind akute Erkrankungen, die zwar meist folgenlos ausheilen. Bei Windpocken treten bei ein bis zwei Prozent der Betroffenen schwerwiegende Komplikationen auf, die lebensgefährlich sein können. Bei Masern gibt es solche Komplikationen bei jedem 500. bis 1000. Kind.

Zur Person

Hans Kössel (56) ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Brandenburg und stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte im Land Brandenburg.

Wie wirksam ist die Impfung?

Bei Masern, Mumps und Röteln haben 90 Prozent der Kinder nach der ersten Impfung Antikörper für ihr ganzes Leben aufgebaut. Nach der zweiten Impfung ist der Schutz noch einmal deutlich besser. Wenn der Großteil der Bevölkerung geimpft ist, sprechen wir von einer „Herdenimmunität“. Die Geimpften schützen die Nicht-Geimpften mit. Wenn die Anzahl der Geimpften sinkt, wird die Ausbreitung von Epidemien wahrscheinlicher – vor allem in Kitas. Epidemiologisch ist eine Impfpflicht also sinnvoll.

Übertreiben Schulen und Kitas, wenn sie nicht geimpfte Kinder ausschließen?

Ich finde das nur konsequent. Staatliche Einrichtungen sollten darüber nachdenken, die Impfpässe der Kinder zu kontrollieren.

Treten ausgerottet geglaubte Kinderkrankheiten wegen der Impfverweigerer wieder häufiger auf?

Selbstverständlich. Wir hatten immer wieder Ausbrüche von kleineren, lokalen Epidemien. Eine davon war die Masern-Epidemie im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg im Jahr 2015, bei der ein Kind starb. Gefühlt nimmt die Anzahl der Eltern, die ihre Kinder nicht impfen, auch in unserer Klinik zu. Natürlich gibt es auch Erwachsene, die keinen ausreichenden Schutz haben. Die erkranken dann besonders schwer.

Wie stehen Sie zum anderen Extrem, den Masernpartys?

Aus kinderärztlicher Sicht kann ich das nur kategorisch ablehnen. Sie dürfen nicht vergessen: Es handelt sich um eine gefährliche, ansteckende Krankheit, die potenziell lebensgefährlich ist. Sie würden Ihr Kind doch auch nicht absichtlich an Hepatititis B erkranken lassen! Streng genommen ist das Kindeswohlgefährdung. Wenn 500 Kinder zu einer Masernparty kommen, wird statistisch gesehen am Ende eins davon sterben.

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Von Hannah Rüdiger

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