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Das weltweit erste Zoomobjektiv fürs Kino

Entwickelt in Rathenow Das weltweit erste Zoomobjektiv fürs Kino

Wer einen Beamer hat, kennt das Problem: Es ist nicht egal, wie weit der Projektor von der Wand entfernt steht. Bei der Kinotechnik der ersten Jahrzehnte musste der Vorführer seinen Apparat noch zentimetergenau im Raum platzieren. Doch dann hatten Entwickler in Rathenow eine Idee.

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Rolf Merkel mit dem historischen Objektiv.

Quelle: Wetzel

Rathenow. Wer heute für den privaten Gebrauch einen Beamer anschafft, kennt das Problem: Es ist nicht ganz egal, wie weit der Projektionsapparat von der Wand entfernt stehen muss, wenn das Bild scharf sein soll. Die Hersteller geben bei den Geräten jeweils Von-bis-Entfernungen an. Bei der Kinotechnik der ersten Jahrzehnte musste der Vorführer seinen Apparat noch zentimetergenau im Raum platzieren.

Kinoboom beflügelte Rathenower Industrie

Nachdem die Bilder vor etwa 110 Jahren laufen lernten, beflügelte das die optische Industrie in Rathenow (Havelland) zu neuen Produkten. Neben Brillen, Ferngläsern, Mikroskopen und Kameraobjektiven gehörten nun auch Projektionsobjektive für Kinematographen zum Angebot. Eine Statistik belegt, dass es im Jahr 1924 in Brandenburg 532 Kino-Theater gab. Das war im Deutschen Reich einsame Spitze, weit vor dem Freistaat Sachsen (336) oder dem Freistaat Hessen (99 Kinos).

Erst Reichspatent, dann Weltausstellung

Bis in die 1930er Jahre mussten die Säle der Lichtspieltheater noch nach den technischen Daten der Vorführgeräte ausgerichtet werden. Dann aber brachte die Emil Busch AG 1931 eine Weltneuheit auf den Markt, die den Kinobetreibern die Arbeit erheblich vereinfachte. Das weltweit erste Linsensystem mit Zoomfunktion wurde in Rathenow entwickelt und erhielt prompt ein deutsches Reichspatent. Auf der Weltausstellung 1937 in Paris gab es für das Projektionsobjektiv „Vario-Neokino“ sogar eine Goldmedaille. Nun ließ sich die Brennweite zwischen 70 und 140 Millimeter stufenlos verstellen. Und es war nicht mehr entscheidend, ob zwischen Lichtquelle und Leinwand fünf oder zehn Meter lagen.

Das Objektiv ist eine Seltenheit

Rathenow im Sommer 2015: Rolf Merkel, Ingenieur im Ruhestand, hält das Objekt der Superlative in der Hand. Es ist drei Kilo schwer, Baujahr 1935 und lässt sich von 19,5 Zentimeter auf 25 Zentimeter ausfahren. Um die ruhmreiche Geschichte der Wiege der Optikindustrie zu dokumentierten, wurde im Dachgeschoss des Kulturzentrums im Herzen der Stadt ein eindrucksvoller und lehrreicher Schauraum eingerichtet. Merkel selbst hat die Ausstellung gerade gründlich überarbeitet. Unter DDR-Bedingungen hatte er als Entwicklungsingenieur erheblichen Anteil daran, dass die optischen Erzeugnisse aus Rathenow ein Exportschlager blieben. Von seinem Wissen profitiert der Verein zur Förderung, Pflege und Erhaltung der optischen Traditionen in Rathenow e.V., dem Rolf Merkel angehört.

Leider nur eine Leihgabe

Da die Rathenower Firmen-Archive im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört worden sind, müssen die Exponate, die den Ruhm der Stadt belegen, oft mühsam herbeigeschafft werden. Das „Vario-Neokino“-Objektiv ist leider nur eine Leihgabe, es geht bald wieder zurück an den Sammler Jan Beenke nach München. Das gute Stück ist zwar erst 80 Jahre alt, aber für Technik-Enthusiasten eine begehrte Rarität.

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Von Karim Saab

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