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Das zerrüttete Verhältnis von Jan G. zur Mutter

Dreifach-Mord von Ostbrandenburg vor Gericht Das zerrüttete Verhältnis von Jan G. zur Mutter

Erste Zeugen sagen im Mordprozess nach dem gewaltsamen Tod einer Rentnerin und zweier Polizisten vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) aus. Sanitäter schildern, dass Jan G. sich nach dem Befinden der von ihm überfahrenen Polizisten erkundigt hat. Und es wird deutlich, wie zerrüttet die Psyche des jungen Mannes ist – und wie schwierig sein Verhältnis zur Mutter.

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Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Der mutmaßliche Dreifachmörder von Oegeln und Müllrose (Oder-Spree), Jan G., hat sich nach seiner Festnahme am 28. Februar 2017 nach dem Befinden der von ihm überfahrenen Polizeibeamten erkundigt. Das sagten am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) Rettungssanitäter aus, die den verletzten jungen Mann nach dem Ende seiner Flucht per Rettungswagen in ein Krankenhaus überführten. Die Aussage könnte von einiger Bedeutung sein, da die Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen Täter vorwirft, die beiden Polizisten in mörderischer Absicht überfahren zu haben - mit Tempo 140. Jan G. dagegen behauptet, er habe die Männer nicht töten wollen, als sie an einer Straßensperre auf ihn warteten.

Ehrliche Sorge um die Polizisten?

Ob nun ehrliche Sorge den jungen Mann nach dem Gesundheitszustand der Polizisten fragen ließ? Das zumindest behauptet der Angeklagte. „Eine solche Frage stellt man nicht einfach so. Ich war um das Wohl der Polizisten besorgt“, äußerte der hagere, bleiche Mann auf der Anklagebank. Dagegen hatte einer der Sanitäter gegenüber der Polizei nach der Tat gesagt, er habe den Eindruck, die Äußerung von Jan G. trage eher Züge einer „Schutzfrage“. Ein im Rettungswagen anwesender Notarzt, so schilderten die Zeugen weiter, antwortete nur knapp auf Jan G.’s Frage: „Nicht gut“. Zu diesem Zeitpunkt waren die 49 und 52 Jahre alten Beamten schon tot.

Hochgradig gestörtes Verhältnis zur Mutter

Eine Gewissheit brachte der zweite Prozesstag: Jan G. hat ein hochgradig gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter Leila G. Als „rotes Tuch“ für den jungen Mann bezeichnete der mittlerweile verstorbene Lebensgefährte Leila G.s die Mutter. Dass die Familie samt Schwester auf einem Grundstück in Müllrose (Oder-Spree) nebeneinander Tür an Tür wohnte, machte die Sache nicht besser. Laut Polizeiprotokoll hatte der Lebensgefährte der Mutter dem jungen Mann Hausverbot erteilt - und zwar schriftlich und mit Kenntnis des sozialpsychiatrischen Dienstes, der über Jan G.s Therapie und Werdegang wachen sollte.

Dem Protokoll zufolge verlangte der junge Mann eines Tages von seiner Mutter und deren Lebensgefährten, dass sie sich vor seinen Augen Schnittverletzungen mit einem Messer beibringen sollten. Er hatte dasselbe zuvor unter den entsetzten Blicken seiner Mutter sich selbst angetan. Vor dem Hintergrund dieses Mutter-Sohn-Verhältnisses ließ eine Wortmeldung des Angeklagten aufhorchen. Aufgebracht beschwerte er sich, dass Leila G. nicht zu dem Prozess erschienen sei. Seine Aussage interessiere seine Mutter wohl nicht, obwohl ihm doch vorgeworfen werde, ihre Mutter getötet zu haben - dabei sprach der Angeklagte von Leila G. als „Frau G.“

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In Müllrose, Kreis Oder-Spree, hat sich am Dienstag ein schreckliches Verbrechen abgespielt. Dort soll ein 24-jähriger Mann zunächst seine 79-jährige Großmutter umgebracht haben. Dann floh er und überfuhr auf der Flucht zwei Polizisten. Die Beamten waren sofort tot. Bilder der Unglücksstelle

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Jan G. tyrannisierte die Familie

Seinen Familienmitgliedern gegenüber führte sich der Angeklagte schon seit Jahren als Tyrann auf, wie weiter aus den protokollierten Aussagen des Lebensgefährten der Mutter hervorgeht. Einmal trat er von hinten an die Großmutter heran und drückte sie extrem fest, so dass die Rentnerin Angst bekam.

Jan G. bat um seine Erschießung

Jan G. soll das, als das Vorkommnis vor einem Gericht zur Sprache kam, so kommentiert haben: Er hätte die 79-Jährige töten können, habe es aber nicht getan. Er hätte ihr nur „etwas Liebes“ tun wollen. Mit einem Pilzmesser bedrohte er bei anderer Gelegenheit den Lebensgefährten der Mutter, außerdem kündigte er an, er werde sich und die ganze Familie umbringen - in einem „erweiterten Suizid“. Zuvor allerdings wolle er eine Bank ausrauben, in eine Villa einbrechen und mit einem dicken Mercedes durch die Gegend fahren. Ein besonders seltsames Gespräch gab es am 21. Juni 2015 mit dem Lebensgefährten der Mutter: Jan G. soll ihn gebeten haben, ihn zu erschießen - kurz und schmerzlos, so wie es „jedem Schwein“ zustehe.

Am Tattag: Streit am Morgen

Am Morgen des verhängnisvollen 28. Februar 2017 hatte es laut dem Lebensgefährten erneut Streit in der Familie gegeben. Jan G. habe verlangt, die Hunde seiner Schwester ausführen zu dürfen. Dies sei dem jungen Mann verweigert worden - wohl nicht zuletzt, weil dieser einige Zeit zuvor die Katze seiner Mutter mutwillig getötet hatte.

Seine Schwester verweigert die Aussage

Die Schwester von Jan G. will vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) keine Aussage in dem Prozess machen. Das teilte sie dem Gericht laut der Vorsitzenden Richterin mit. Angehörige von Angeklagten haben das Recht zu schweigen. Die für Freitag als Zeugin geladene Schwester machte außerdem medizinische Gründe für ihr Fernbleiben geltend und legte laut Gericht eine Bescheinigung ihrer Hausärztin bei, wonach die junge Frau psychisch und aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei, eine öffentliche Aussage zu machen.

Keine Schwierigkeiten werden wohl dem Verfahren aus dem Umstand erwachsen, dass auf dem Sender RTL vor Prozessbeginn ein Film gelaufen war, der Videos und andere Informationen aus den Ermittlungsakten enthält. Alle Schöffen erklärten am Mittwoch schriftlich, sie hätten den Beitrag nicht gesehen. Damit wäre der mögliche Vorwurf der Befangenheit unbegründet.

Von Ulrich Wangemann

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