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Brandenburg „Unsere Studierenden sehen sich als Bildunsgpioniere“
Brandenburg „Unsere Studierenden sehen sich als Bildunsgpioniere“
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00:22 31.01.2019
Gipskurs für Medizinstudenten des ersten Semesters an der MHB. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Edmund A. M. Neugebauer ist Präsident der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane. Die erste Ausbildung von Ärzten auf dem Boden Brandenburgs begann im April 2015.

Wie beliebt ist die Medizinische Hochschule Brandenburg?

Edmund Neugebauer: Wenn ich nach den Bewerbungen gehe: äußerst beliebt. Wir haben gerade ein Auswahlverfahren für die Medizin im kommenden Sommersemester abgeschlossen. Es hatten sich 653 Studierwillige an der MHB beworben. Wir können aber nur 48 Studierende aufnehmen. Beim Studiengang Psychologie ist es fast genauso. Da haben wir etwa 200 Bewerber auf 70 Plätze.

Bewerber mit Herz für den Arztberuf

Wo kommen die Bewerber überall her?

Wir haben schon einen Schwerpunkt von Bewerbern aus Brandenburg und Berlin, aber inzwischen kommen Bewerber aus dem ganzen Bundesgebiet, einige sogar aus dem deutschsprachigen Ausland.

Wie wählen Sie Ihre Studenten aus?

Eine unsere Bewerbungsstationen ist ein Interview. Hier findet man sehr schnell heraus, was die eigentliche Motivation ist, ob man zum Beispiel nur Arzt werden will, weil die Eltern es auch sind, oder ob man sich berufen fühlt, Menschen zu helfen und dafür auch schon einige Erfahrung mitbringt.

Zeigt sich im Laufe des Studiums, dass nicht nur die Motivation stimmt, sondern auch die fachliche Kompetenz?

Wir, die Dozierenden, erfreuen uns daran, wie sich die Studierenden entwickeln und sie an ihren Aufgaben wachsen. Unser Studiengang ist ein Modellstudiengang. Man lernt also Fächer wie Chemie, Physik, und Physiologie nicht hintereinander, sondern integriert an einem konkreten Fall. Nach jedem Semester gibt es einen sogenannten Fortschritts-Test. Den haben 16 andere Universitäten auch. Unsere Studierende liegen im Vergleich mit anderen Hochschulen immer im oberen Drittel der Bewertungen. Dadurch sind wir sicher, dass wir eine gute Ausbildung anbieten.

80000 Euro für das Studium

Ein Medizinstudium ist sehr teuer. Ihre Studierenden müssen Gebühren zahlen. Wie kann ein junger Mensch das finanzieren?

Es gibt verschiedene Modelle. Im einen Fall geben die an der MHB beteiligten Kliniken den Studierenden ein Darlehen von 80000 Euro. Das müssen die Studierenden nicht zurückzahlen, wenn sie in der Klinik, die das Darlehen gibt, ihre Facharztausbildung machen. Dann fehlen noch 45000 Euro, die man über eine Bank finanzieren kann oder über einen sogenannten umgekehrten Generationenvertrag. Die Studierenden müssen dieses Darlehen erst zurückzahlen, wenn sie als Arzt Geld verdienen. Die Belastung von 45000 Euro ist dann nicht mehr so groß und der Arztberuf ist nicht so schlecht bezahlt. Etwa ein Drittel unserer Studierenden macht aber von dem Darlehen durch die Kliniken keinen Gebrauch. Sie haben entweder Eltern, die das bezahlen können, Erspartes aus früherer Tätigkeit oder sie nehmen einen Kredit auf.

Das Land Brandenburg will Medizinstudenten Stipendien geben, wenn diese sich hinterher verpflichten, zumindest eine Weile in Brandenburg tätig zu sein. Können auch Studierende der MHB solche Stipendien bekommen?

Die Idee, die Landarztversorgung in Brandenburg auch mithilfe von Stipendien sicherzustellen, finden wir grundsätzlich gut. Das ist im Prinzip deckungsgleich mit dem Motto der MHB „Aus dem Land, für das Land“. Dem Land ist bewusst geworden, dass man spätestens jetzt etwas tun muss, weil wir sonst in eine Unterversorgung rutschen. Auch Studierende der MHB werden sich auf solche Stipendien bewerben können. Derzeit werden die genauen Vergabekriterien erstellt. Hier sind wir auch involviert. Für das kommende Semester wird es dieses Stipendium wohl noch nicht geben, aber sicher ab dem Jahr 2020.

Wo sehen Sie Unterversorgung im Land Brandenburg?

Sicher bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es kann nicht sein, dass in Brandenburg rund viermal so viele Menschen an einem Herzinfarkt versterben wie in Berlin. Es gibt aber noch andere Bereiche, wo wir noch nicht einmal die Ursachen kennen, warum dort die medizinische Bilanz schlechter aussieht. Die Aufgabe der gemeinsamen Fakultät wird es sein, die Ursachen dafür zu erforschen- und hier spielt die Versorgungsforschung eine wichtige Rolle.

Forschung braucht viel Geld

Reicht Ihnen die Förderung des Landes durch den Gesundheitscampus aus?

Geld kann man natürlich nie genug haben. Aber Spaß beiseite: Wir können über die Studiengebühren zwar bislang gut die Lehre abdecken, aber weniger gut die Forschung, die ja von uns als staatlich anerkannte Universität berechtigt verlangt wird. Ohne Forschung keine gute Medizin! Dazu brauchen wir finanzielle Mittel. Zum Teil versuchen wir diese über unser neu eingerichtetes Fundraisingreferat einzuwerben. Wir hoffen da zum Beispiel auf Unternehmen der Gesundheitswirtschaft, die die Medizinausbildung im Land und damit auch die medizinische Versorgung unterstützen wollen.

Was ist bei der Forschung so teuer?

Einerseits forschen unsere Professoren schon und werben auch Drittmittel vom Land oder Bund ein. Aber eine der Auflagen des Landes ist zum Beispiel, dass jeder forschende Professor drei wissenschaftliche Mitarbeiter haben soll. Tatsächlich kann man ohne Mitarbeiter kaum Forschung betreiben, denn die klinischen Professoren müssen ja auch ihre Kranken versorgen und die Lehre stemmen. Wenn man als tätiger Arzt daneben Forschung betreiben soll, braucht man Personal – und eine gute Ausstattung. An staatlichen Universitäten liegt die Unterstützung für Forschung bei mindestens 100000 Euro Landesmittel pro Student.

Welche Ausstattung finden Ihre Studierenden vor?

In Brandenburg an der Havel zum Beispiel einen Forschungsbau mit Labors vom Feinsten, das sogenannte Zentrum für krankheitsorientierte translationale Grundlagenforschung. Dort sitzen Arbeitsgruppen der MHB, die im Grundlagenbereich arbeiten. In Neuruppin wurde kürzlich das Koordinierungszentrum für klinische Studien Brandenburg (KKS-BB) eingerichtet. In Bernau schließlich wollen wir in 2019 ein Zentrum für Versorgungsforschung aufbauen. Studierende und Assistenten werden in Arbeitsgruppen mitarbeiten und dort selbst Forschung machen können. Die räumlichen Bedingungen für Wissenschaft sind in großen Teilen gegeben.

Und wie sieht es mit grundlegenden Dingen wie Hörsälen aus?

Wir haben das zum Teil, aber eigentlich brauchen wir keine Hörsäle in der herkömmlichen Form. Das Studium ist in Form von Kleingruppenunterricht aufgebaut, da braucht es gar keine großen Räume. Nach dem siebten Semester sind die Studierenden eines Jahrgangs dann sowieso an verschiedenen Orten in Brandenburg aufgeteilt. Hier setzen wir inzwischen ein dezentrales Videosystem für E-Learning ein. Das ist genial. Der Dozierende unterrichtet an einem Ort und alle anderen Studierenden sind zugeschaltet. Alle können sich am Seminar beteiligen. Der Dozent sieht jeden auf dem Bildschirm, egal wo jemand ist. Die Studierenden lieben das. Übrigens ist solch ein dezentraler Unterricht auch die beste Garantie, dass die Studierenden später im Land bleiben, weil sie die Kliniken hier kennengelernt haben.

Ausbildung soll Ärztemangel abwenden

Was ist das Attraktive an den brandenburgischen Kliniken?

Von über 50 Kliniken im Land kooperieren 26 mit uns. Diese Kooperationen wollen wir weiter intensivieren und die Kliniken in Lehre und Forschung stärker einbinden. Ich fahre selbst dorthin und bin erstaunt, was für eine hohe Qualität an medizinischer Versorgung in den Häusern vorzufinden ist. Zunächst ist einmal die Ausstattung sehr gut und dann haben viele Kliniken eine besondere Expertise in einem bestimmten Feld ausgebildet – und das bekommen die Studierenden natürlich mit, weil sie vor Ort sind.

Kann also der Medizinermangel auf dem Land auch durch die MHB behoben werden?

Davon gehen wir fest aus. Deswegen geben wir uns so große Mühe. Das wird jetzt gar nicht mehr lange dauern. Unsere ältesten Studierenden haben jetzt noch drei Semester, dann kommt ihr praktisches Jahr. Damit findet bei den meisten von ihnen in etwa zweieinhalb Jahren die Facharztausbildung in Brandenburg statt. Jedes Jahr kommen dann neue Generationen nach – und wenn wir dann die Studierendenzahl auf 72 aufstocken, wird das die Versorgung noch einmal beschleunigen. Natürlich haben wir jetzt noch eine Durststrecke zu gehen.

Sie ziehen also für die vergangenen drei Jahre eine optimistische Bilanz?

Mehr als das, ich bin begeistert. Wir hatten wirklich einen erfolgreichen Start. Es konnte gar nicht besser laufen. Wir sind eine Universität der zukunftsweisenden Lehre. Für unsere Studierenden ist es die Erfüllung eines Lebenstraums, wenn sie in unser Studium kommen. Wie gut es läuft, sieht man nach dem fünften Semester. Unsere Studierenden könnten nach der Prüfung auch an eine staatliche Hochschule wechseln. Die wollen es aber alle nicht. Außerdem gibt es kaum Abbrecher, vielleicht einen Studierenden pro Jahrgang. Ich selbst erinnere mich höchstens an drei Abbrecher insgesamt.

Was ist aus studentischer Sicht so attraktiv?

Es gibt einen besonderen Zusammenhalt. Die Gruppen sind klein und man kennt auch die Professoren gut. Man hat ein eher familiäres Verhältnis. Die Studierenden sehen sich auch ein Stück weit als Bildungspioniere. Jeder baut die Universität mit auf, zum Beispiel auch direkt in Gremien wie dem Fakultätsrat. Auch sonst machen die Studierenden Vorschläge, zum Beispiel über weitere Einsatzmöglichkeiten unseres Videosystems. Das schafft Begeisterung. Ich denke, wenn unsere heutigen Studenten irgendwann Arzt sind, können sie sagen: Ich habe die MHB mit aufgebaut.

Von Rüdiger Braun

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