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Dem Drogen-Bauern droht lange Haft

Bad Belzig, Prozess in Potsdam Dem Drogen-Bauern droht lange Haft

Kokain unterm Kuhstall: Im Februar stieß der Zoll bei einer Razzia bei einem Landwirt aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) auf Drogen im Wert von gut einer Million Euro. Jetzt wird dem Milchbauern der Prozess gemacht.

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Der Angeklagte Landwirt Marinus V. auf einer Aufnahme von 2010.

Quelle: Dirk Fröhlich

Potsdam. Der Milchpreis ist im Sinkflug, als Marinus V. einen folgenschweren Entschluss gefasst haben muss. Höchstwahrscheinlich war es die Aussicht auf scheinbar leicht verdientes Geld, die den Niederländer dazu veranlasste, den Keller seiner Milchviehanlage in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) in einen Drogenbunker umzufunktionieren. Anderthalb Jahre lang soll die kriminelle Zweitkarriere des Landwirts, der sich nach eigenen Angaben als Geschäftsführer mit einem Gehalt von 1000 Euro begnügen musste, gewährt haben. Bis im Februar 2016 Zollfahnder seinen Hof einer Razzia unterzogen und das illegale Depot mit gut 100 Kilogramm harter Drogen entdeckten.

26.02.2016: Der Drogen-Bauer von Bad Belzig

Auf dem Gelände der Milchviehanlage in Bad Belzig entdeckte der Zoll bei einer Razzia im Februar kiloweise Drogen

Auf dem Gelände der Milchviehanlage in Bad Belzig entdeckte der Zoll bei einer Razzia im Februar kiloweise Drogen.

Quelle: Thomas Wachs

Drogenfund kam ganz unverhofft

Seit Donnerstag wird dem 60-Jährigen am Landgericht Potsdam der Prozess gemacht. Ihm wird der Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen, was bei diesen Mengen auf eine „nicht geringe Haftstrafe“ hinauslaufen kann, wie Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst sagte. Ihr sei bislang kein vergleichbarer Fall untergekommen. Laut Anklageschrift beschlagnahmten die Ermittler 84 Kilogramm Marihuana, gut sechs Kilogramm Kokain, knapp zehn Kilogramm Amphetamin und mehr als sechs Kilogramm Ecstasy. Eigentlich hatten die Zollbeamten lediglich damit gerechnet, dass Marinus V. seine Landmaschinen mit Heizöl betankte und im illegalen Zigarettenhandel mitmischte – die Verdachtsmomente bestätigten sich, aber im Vergleich zu dem unverhofften Drogenfund im Gesamtwert von gut einer Million Euro wirkten die 37 000 festgestellten illegalen Zigaretten fast schon wie ein Kavaliersdelikt.

Die Menge an Drogen könnte dem Bauern lange Haft einbringen

Die Menge an Drogen könnte dem Bauern lange Haft einbringen.

Quelle: Polizei

Einmal pro Monat in die niederländische Heimat

Einmal pro Monat soll der Landwirt in seine niederländische Heimat gefahren sein und Drogen besorgt haben, die illegale Ware soll er auch aus Spanien bezogen haben. Für den Kurierdienst kassierte er laut Anklage 1000 Euro pro Zehn-Kilo-Lieferung. Weitere 300 Euro pro Jahr soll ihm das Drogendepot im Bad Belziger Ortsteil Werbig eingebracht haben. Marinus V. plante offenbar, die Drogen gewinnbringend weiterzuverkaufen, was durch die Razzia vereitelt wurde. Er hatte laut Staatsanwaltschaft einen Komplizen, der sich in einem gesonderten Verfahren verantworten muss.

Bei Arbeitsunfall ein Bein verloren

Im Prozess, der auf drei Verhandlungstage angesetzt ist, will sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern. Am Donnerstag machte er zunächst nur Angaben zu seiner Person. Bei einem mehr als 30 Jahre zurückliegenden Arbeitsunfall habe er ein Bein verloren, erzählte der Bauernsohn, der in der Nähe von Groningen aufwuchs und offenbar einen bescheidenen Lebensstil pflegt. Im Jahr 2003 entschloss sich Marinus V. nach Brandenburg zu ziehen. Sein Milchviehbetrieb wuchs beständig und hatte zuletzt 700 Kühe und mehrere Mitarbeiter. Unter dem Einfluss des beständig fallenden Milchpreises gerieten die Geschäfte im vergangenen Jahr allerdings in die Verlustzone – da war der 60-Jährige nach Auffassung der Anklage aber längst ins Drogengeschäft eingestiegen.

Für den Fall, dass der Angeklagte ein Geständnis ablegen sollte, haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt, um die laufenden Ermittlungen gegen seinen Komplizen nicht zu gefährden.

Der Prozess wird am 29. August fortgesetzt.

Drogenmissbrauch: Mehr klinische Behandlungen

12.529 Brandenburger wussten 2014 aufgrund ihres Drogenkonsums wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen in Kliniken behandelt werden. Das sind die jüngsten Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg.

Drogenprobleme nehmen demnach zu. Im Vergleich zum Jahr 2010 stieg die Zahl der klinischen Behandlungen um 9,4 Prozent. Nur etwa 22 Prozent der Behandelten waren Frauen. Häufigster Behandlungsgrund war mit Abstand Alkohol, gefolgt von dem Konsum von Drogenmixes und Cannabisprodukten.

Von Bastian Pauly

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