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Dem Geheimnis des Denkens auf der Spur

Forschung in Potsdam Dem Geheimnis des Denkens auf der Spur

Von Sonntag, 3. September, bis Mittwoch, 6. September, tagt am Griebnitzsee die Europäische Gesellschaft für Kognitive Psychologie (Escop). Rund 800 Wissenschaftler aus 40 Ländern stellen ihre neuesten Ergebnissen aus der Welt des Denkens, der Wahrnehmung und der Sprache vor. Der Potsdamer Professor Martin Fischer hat das Event mitorganisiert,

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Quelle: Sören Stache

Potsdam. Wie funktioniert eigentlich der menschliche Geist? Seit 1985 stellt die Europäische Gesellschaft für Kognitive Psychologie (Escop) alle zwei Jahre die neuesten Forschungsergebnisse der Psychologen in einer großen europäischen Stadt vor. Wo genau die vielen hundert in der Escop organisierten Psychologen, Linguisten und Pädagogen sich zur Tagung treffen, hängt auch davon ab, wie stark und bedeutend die kognitive Psychologie in einer bestimmten Hochschulstadt überhaupt ist. In Deutschland richtete bislang nur Würzburg eine Escop-Konferenz aus.

In Potsdam ein Profilbereich

Kognitionswissenschaften befassen sich unter anderem mit geistigen Prozessen und ihren neurobiologischen Grundlagen. An der Universität Potsdam sind die Kognitionswissenschaftlen ein Profilbereich. Die rund 30 Forscher der Universität beschäftigen sich mit den neuronalen Grundlagen von Sprache, mit visueller Wahrnehmung, numerischem Denken und damit, wie Kinder und Erwachsene Handlungen planen und ausführen.

Renommee gewann die Universität schon jetzt durch Forscher wie Reinhold Kliegl, Birgit Elsner und Harald Clahsen. Der Leibnizpreisträger Kliegl untersucht, wie sich geistige Fähigkeiten im Alter verändern, Birgit Elsner testet in raffinierten Versuchsanordnungen, ab wann schon Babys bestimmten Akteuren Absichten unterstellen, Harald Clahsen interessiert sich für das Phänomen der Vielsprachigkeit und wann Fremdsprachen am besten erlernt werden können. bra

Wenn sich vom kommenden Sonntag an bis zum Mittwoch unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) nicht weniger als 800 Wissenschaftler aus 40 Ländern zu unzähligen Vorträgen und Seminaren auf dem Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam zusammenfinden, ist das auch eine Auszeichnung für die psychologische Forschung in der Landeshauptstadt. Das ist auch dem Professor für Kognitive Wissenschaft, Martin Fischer, bewusst. In seiner Hand lag die Organisation einer der größten Konferenzen Brandenburgs dieses Jahres.

Potsdam schon lange auf dem Radar

„Wir waren bei der Community schon auf dem Radar“, sagt Fischer. „Und ich wurde vor etwa zwei Jahren gefragt, ob wir die Konferenz in Potsdam ausrichten können.“ Die Entscheidung sei ihm uns seinen Kollegen an der Universität Potsdam „nicht so schwer“ gefallen, zumal Fischer in den kommenden Tagen damit ein Thema in den Vordergrund rücken kann, das ihm selbst sehr am Herzen liegt: Verkörpertes Wissen.

Fischer und seine Mitarbeiter von der „Potsdam Embodied Cognition Group“, der Potsdamer Gruppe für verkörpertes Wissen, zeigen durch ihre Experimente, dass selbst hoch abstraktes Wissen sehr viel mit unserem Körper zu tun hat. Ein aus dem Alltag wohlbekanntes Beispiel: Kinder lernen durch Abzählen mit ihren Fingern mathematische Operationen. Fischer konnte sogar zeigen, dass die Zahl Zwei auf einem Bildschirm schneller erkannt wird, wenn eine Maschine Daumen und Zeigefinger der Versuchspersonen berührt. Weniger bekannt dürfte die Tatsache sein, dass Körperausrichtungen nach rechts unbewusst mit Addition verbunden werden, Körperausrichtungen nach links eher mit Subtraktion.

„All das zeigt, dass es wichtig ist zu wissen, dass die Art unserer Kognition in einem menschlichen Körper stattfindet und nicht in irgendeiner beliebigen Hardware“, sagt Fischer. So gesehen, dürfte es künstlicher Intelligenz ziemlich schwer fallen, uns in allen wesentlichen Bereichen zu übertreffen, zumal sie zumindest bis jetzt nicht über einen menschartigen Körper verfügt.

Verkörpertes Wissen auch in der US-Forschung topaktuell

Fischer hätte für das Thema „Verkörpertes Wissen“ gerne den Psychologieprofessor Larence Barsalou von der Universität Glasgow als Referenten vor Ort gehabt. Barsalou legt Wert darauf, dass individuelle Ziele und die jeweiligen Umstände einen großen Einfluss auf die Entwicklung geistiger Prozesse haben. „Er musste aber leider absagen“, erklärt Fischer. Umso mehr freut er sich, dass der Amerikaner Arthur Glenberg von der Arizona State University kommen wird.

Glenberg ist davon überzeugt, dass wahre Bedeutung für einen Menschen nur dann entsteht, wenn sie letztlich mit körperlichen Aktionen in bestimmten Situationen verbunden werden kann. Am Dienstagnachmittag will Glenberg in seinem Vortrag darlegen, wie individuelle Unterschiede die letztlich körperlichen Grundlagen des Sprachverstehens belegen können. Diese Erkenntnisse sind nicht zuletzt auch für Potsdamer Pädagogen und damit für die Lehrerbildung von hohem Interesse.

Potsdams Psychologie ist schon lange spitze

Natürlich dreht sich die Konferenz nicht nur um verkörpertes Wissen. Themen wie Gedächtnis, Problemlösen, Sprache und Wahrnehmung kommen in anderen Vorträgen ebenso zur Sprache wie die viel diskutierte Fähigkeit zum Multitasking. Immer sind die Vorträge auf dem neuesten Stand der Forschung. Und natürlich gibt es auch Events außerhalb der Wissenschaft. Weil die Escop in Potsdam das 20. Treffen dieser Art ist, wird das Jubiläum am Dienstagabend mit einer Haveltour für die Wissenschaftler gefeiert. Und am Mittwochabend wollen junge Wissenschaftler der Universität im sogenannten „Science Slam“ publikumswirksam fast wie Rapper in wenigen Minuten die Inhalte ihrer aktuellen Forschung herüberbringen und so für Entspannung nach drei Tagen anspruchsvoller Debatten sorgen.

Mit der Abreise der Kollegen aus aller Welt am Donnerstag werde die Wirkung der großen Konferenz aber bestimmt nicht verpuffen, meint Fischer. „Es ist auch für die Potsdamer eine Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und weitere Netzwerke aufzubauen“, sagt Fischer. Die von der Universitätsleitung betriebene Internationalisierungsstrategie erhalte durch diese wichtige Psychologiekonferenz einen großen Schub. Schließlich würden die Informationen, die die Forscher aus aller Welt nach Potsdam tragen, hiesige Studien anregen und voranbringen.

In Sachen Forschungsleistung müssen sich die Potsdamer Psychologen schon jetzt nicht verstecken. In Potsdam angesiedelt ist der stark von Psychologen bestrittene Sonderforschungsbereich „Die Grenzen der Variabilität in der Sprache“. Außerdem arbeiten kognitive Psychologen im Sonderforschungsbereich „Datenassimilation“ mit. Die Escop-Konferenz dürfte mit all ihren Anregungen die jetzt schon hohe Forschungslatte noch ein Stück höher legen.

Von Rüdiger Braun

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