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Dem Staat fehlt die Zahlungsmoral

Firmen in Bedrängnis Dem Staat fehlt die Zahlungsmoral

Die Steuereinnahmen sprudeln auf hohem Niveau, doch wenn es ums Bezahlen geht, gibt sich der Staat knausrig: Die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand hat sich trotz guter Haushaltslage verschlechtert. Vor allem Baufirmen bringt das in wirtschaftliche Nöte.

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Baufirmen müssen lange auf ihr Geld vom Staat warten.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand hat sich trotz sprudelnder Steuereinnahmen verschlechtert. Das geht aus einer Mitgliederumfrage des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg hervor. Demnach schätzen zwar 86 Prozent der befragten Firmenchefs das Zahlungsverhalten der staatlichen Stellen und öffentlichen Betriebe als gleichbleibend ein, 14 Prozent aber geben an, sie hätten größere Probleme, an ihr Geld zu kommen.

Dieser Befund steht in Kontrast zum Finanzgebaren privater Auftraggeber: Die zahlen nach Einschätzung der befragten Geschäftsführer besser als noch vor einem Jahr. Angesichts der guten Konjunktur sagt der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands, Axel Wunschel: „Man sollte eigentlich meinen, dass die Zahlungsmoral sich in solchen Zeiten bessert.“ Befragt wurden die rund 150 Mitgliedsfirmen des in Potsdam ansässigen Verbands. Geantwortet hat laut Wunschel rund ein Drittel.

Staat zahlt zuverlässig, aber zu spät

Der Befund deckt sich mit Ergebnissen der Frühjahrsumfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zum Zahlungsverhalten in der Wirtschaft. Demnach meldet mehr als jedes dritte Bauunternehmen (36 Prozent), dass ihre öffentlichen Kunden nicht innerhalb von 30 Tagen, sondern erst später ihre Rechnung begleichen. Bei den privaten Auftraggebern liegt die Quote lediglich bei sieben Prozent.

Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg

Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg.

Quelle: Christel Köster

Die öffentliche Hand zahle am Ende zuverlässig, bis dahin dauere es aber lang, heißt es auch beim Bundesverband der Inkassounternehmen (BDUI). Dessen Präsident Wolfgang Spitz sagt: „Die öffentliche Hand ist ein schlechter Zahler.“ Dabei sollte sie beim Zahlungsverhalten eine Vorbildfunktion haben, mahnte der BDUI-Präsident. Die Kommunen seien gerade in Ostdeutschland in vielen Gegenden trotz der brummenden Konjunktur in Haushalts-Notlagen. „Jeder Euro wird dreimal umgedreht“, sagt Verbandssprecher Marco Weber.

Zahlungsaufschübe sind existenzbedrohend

Für viele Baubetriebe sind die langen Zahlungsaufschübe existenzbedrohend. Hintergrund ist das vergleichsweise hohe Auftragsvolumen durch die öffentliche Hand. Bundesweit entfallen laut des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie 28 Prozent des Umsatzes auf Aufträge dieser Kunden. Deshalb sei die Insolvenzintensität der Branche besonders hoch, sagt Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Bauhauptgewerbes, der von einem „Giftcocktail“ aus schlechter Zahlungsmoral, geringen Renditen und niedrigen Eigenkapitalquoten spricht. Er sieht den Staat in einer besonderen Verantwortung: „Wir appellieren deshalb an alle öffentlichen Auftraggeber, ihre starke Marktposition nicht auszunutzen“, sagt Knipper.

Von Ulrich Wangemann

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