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Der 12. Häftlings-Suizid seit 2011

Tod in der Zelle Der 12. Häftlings-Suizid seit 2011

Der mutmaßliche Mörder der 26-jährigen Rumänin Andrea O. ist tot. Er hat sich in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel erhängt. Der 32-jährige Landsmann und einstige Partner von Andrea O. ist der 12. Häftling, der sich seit 2011 in einem märkischen Gefängnis das Leben nahm.

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In der JVA Brandenburg.

Quelle: Foto: B.G.

Potsdam. Nach dem Freitod des Rumänen Nicolae V. in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Brandenburg an der Havel sucht das Potsdamer Justizministerium nach Möglichkeiten, Suizide hinter Gefängnismauern weitestgehend zu verhindern. „Hundertprozentig ausschließen können wir das aber nicht“, sagte Ministeriumssprecherin Maria Strauß am Freitag.

Ein im Frühjahr angekündigtes Konzept sei in Vorbereitung. Flyer, in denen etwa Ansprechpartner bei psychischen Problemen benannt werden, seien im Umlauf. „Wir wollen auch die Bediensteten stärker sensibilisieren“, so Strauß. Anlass für das Konzept war der Selbstmord des 59-jährigen Rüdiger W. in der JVA Brandenburg an der Havel. Gegen den Potsdamer Autohändler war wegen Betrugs eine sechsjährige Haftstrafe verhängt worden. Er hatte sich in der Nacht nach dem Urteil erhängt.

Nicoale V. war am vergangenen Mittwochmorgen in seinem Haftraum am Fenstergitter erhängt aufgefunden worden. Der 32-jährige Rumäne saß in Untersuchungshaft wegen des mutmaßlichen Mordes an seiner Ex-Partnerin und Landsfrau Andrea O. Er hatte die 26-jährige Mutter zweier Kinder Anfang Juni vor einem Supermarkt in Brandenburg an der Havel grausam umgebracht.

Die JVA habe sich im Zusammenhang mit V.s Tod nichts vorzuwerfen, so Strauß. Anfangs habe er als suizidgefährdet gegolten, er hatte die Nahrung verweigert und angekündigt sich umzubringen. Deshalb sei V. eine Zeit lang in der JVA-Krankenabteilung untergebracht worden, so die Sprecherin. Später sei er in einen mit Kameras überwachten Haftraum verlegt worden. Nachdem zwei Psychiater und ein Seelsorger festgestellt hätten, dass der Untersuchungsgefangene keine Gefahr mehr für sich selbst oder andere darstelle, sei er in einen normalen Haftraum gekommen. „Es sprach nichts für Selbstmord. Er hat noch am Vorabend um eine Arbeitserlaubnis gebeten“, so Strauß.

Laut Justizministerium nahmen sich seit 2011 brandenburgweit zwölf Gefängnisinsassen das Leben. Bundesweit setzen Studien zufolge jedes Jahr zwischen 60 und 100 Gefangene ihrem Leben ein Ende. Brisanz hatte das Thema mit dem Fall Thomas Middelhoff erlangt. Die Anwälte des wegen Untreue zu einer Haftstrafe verurteilten Ex-Top-Managers hatten behauptet, ihr Mandant sei durch Schlafentzug in der JVA Essen krank geworden. Middelhoff galt als suizidgefährdet. Alle 15 Minuten hatte ein Wärter deshalb auch nachts nach ihm geschaut.

Die nächtliche Überwachung ist in solchen Fällen laut Ministerium auch in Brandenburgs Haftanstalten vorgesehen – üblich sei aber eine stündliche Überwachung durch den Türspion.

Von Volkmar Krause

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