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Brandenburg Der Bunker als Resonanzraum
Brandenburg Der Bunker als Resonanzraum
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19:19 30.08.2013
Aus Hermann Josef Hacks Arbeit über Die Klimaflüchtlinge. Quelle: Promo
Wünsdorf

So dunkel und entrückt die Zeit hier auch scheint, stehen geblieben ist sie nicht. Darauf verweisen schon russische Tageszeitungen vom 13. März 1988, die in der biedermeierlich tapezierten Kantine des einstigen Oberkommandos der sowjetischen Streitkräfte in Fetzen von der Wand hängen und als Makulatur dienten. Den Leitstand eines überstandenen heißen und eines durchlittenen Kalten Krieges durchzuckt das Licht von Monitoren und Videoprojektionen. Die Lichtbilder sind eine letzte Möglichkeit, verschwindende Dinge zu sichern.

Barbara Schnabel und El Doelle haben 2010 den Hausrat ihrer Großmutter entstaubt, neu geordnet und musealisiert, nachdem er zwölf Jahre in einer Zeitblase unberührt lag. Und weil sie nun fürchten, dass die Originale – abgeschliffenen Messer, eine in Klöppelspitze gekleidete Puppe und alte Papiertüten – im Wünsdorfer Bunker Schimmel oder Rost ansetzen, zeigen sie neben einem robusten Einweckglas mit Bohnen nur digitalisierte Abbilder. In der Hoffnung, dass das technische Abspielgerät den Klimaschock durchsteht.

„Steuerflüchtlinge helft Klimaflüchtlingen!“ fordert in einem anderen Raum des Bunker-Labyrinths Hermann Josef Hack. Seine Arbeit ist ausgesprochen politisch und setzt ästhetische Signale mit plakativen Wimpeln. Sie sollen eine neue Identität stiften, die jene Menschen brauchen, die ihren Stamm oder ihren Staat verlassen müssen, weil wachsende Wüsten oder Sturmfluten die Lebensgrundlage zerstören. Seine Intervention kann auch als Kampfansage ausgelegt werden: Wir Künstler in der Nachfolge von Joseph Beuys werden die Überwachung und Vergegenwärtigung der Welt nicht dem amerikanischen Geheimdienst NSA überlassen!

Die Video-Performance „Kind als Pinsel“ von Else Gabriel streift ebenfalls das Thema Lebensraum. Paul Dessau bekräftigte Anfang der 50er Jahre mit seiner Komposition „Die Erziehung der Hirse“ eine stalinistische Vision, die dem „Ernteleiter“ Stalin und dem Scharlatan Lyssenko huldigte und eine große Hungersnot verursachte. Im Stile einer mütterlichen Pionierleiterin führte Else Gabriel 2008 das pathetische Werk im Atelier noch einmal auf – mit ihren beiden Kindern in Pionierblusen. Der ideologische Missbrauch, den die heutige Professorin der Kunsthochschule Berlin-Weißensee am eigenen Leib erfahren hat, gipfelt in einem szenischen Bild: Sie taucht ihre Tochter kopfüber mit den Haaren in einen Farbeimer und streicht den Fußboden.

Bei allen Arbeiten, welche Zeitschicht sie auch berühren, wirkt die bombensichere Befehls- und Nachrichtenzentrale der deutschen Wehrmacht und der Sowjetarmee wie ein archaischer Resonanzraum. Das gilt auch für die Foto-Installation von Kerstin Becker, der eine autobiografische Bilanz zugrunde liegt. An der eigenen Person führt sie den Nachweis, wie sehr ein privates Umfeld von gesellschaftlichen Entwicklungen und Umbrüchen bestimmt wird. Die Diplom-Bildhauerin musste kürzlich eine alte Wassermühle aufgeben, die sie seit den 1980er Jahren mühevoll restauriert hat, und ihre selbst geschaffene Dingwelt entrümpeln. Die Fotos ihres Lebenswegs im Treppenhaus kommentiert sie mit einem mantraartigen Text vom Band, der die vielen materiellen und immateriellen Dinge beschwört, auf die sie verzichten musste.

Die Ausstellung rückt auch zwei Klassiker der modernen Kunst in den Fokus. Der Film „Der Lauf der Dinge“ aus dem Jahr 1987 von dem Schweizer Künstlerduo Peter Fischli & David Weiss gewinnt dem Thema „Über-Leben“ eine stofflich-heitere Seite ab und schwelgt in verschiedenen Aggregatzuständen. Die Loops der Kölnerin Ulrike Rosenbach, die aktuell den Vorsitz des Künstlervereins Gedok innehat, sind dagegen in einem meditativen Ton gehalten. Sie erinnert an die rührende Arbeit der Trümmerfrauen 1945. Und das im unverwüstlichen Stahlbeton, in der einstigen Fernschreibzentrale des destruktiven Militärs.

Karim Saab

„Dinge 5 – Über-Leben“. Bunkeranlagen Maybach I und Zeppelin Wünsdorf-Waldstadt (Teltow-Fläming). Zehrensdorfer Str. 12. Eröffnung: 1. Sep, 12 Uhr. Am 3. Sep. 19 Uhr, liest die Autorin Jenny Erpenbeck. Infos und Führungen unter 033702/9600.

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