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Brandenburg Chefarzt fordert Spezialklinik für Migranten
Brandenburg Chefarzt fordert Spezialklinik für Migranten
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02:16 25.07.2015
Eine Klinik hinter Stacheldraht: Der Maßregelvollzug in Brandenburg/Havel ist stark gesichert. Quelle: Foto: dpa
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Brandenburg/Havel

Sprachliche und kulturelle Barrieren erschweren die Therapie: Der Chefarzt des Maßregelvollzugs in Brandenburg/Havel, Ingolf Piezka, fordert eine spezielle Klinik zur Behandlung von psychisch kranken Straftätern mit Migrationshintergrund. Mit dem Zustrom an Flüchtlingen werde sich das Problem in den kommenden Jahren verstärken, meint der medizinische Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie.

Einige Patienten weigern sich, mit Frauen zu sprechen

„Zu manchen Kulturkreisen bekommen wir nur schwer Zugang“, beschreibt Piezka das Problem in einem Gespräch mit der MAZ. Zum Beispiel gebe es Patienten, die sich weigerten, mit Frauen zu sprechen. In Brandenburg/Havel sind fünf von sechs Stationsleitern weiblich. Größtes Problem sei aber die Sprache. „Wir versuchen uns über Dolmetscher zu behelfen“, erklärt Piezka. Das sei aber bei einer Therapie schwierig. Um analysieren zu können, wie ein Patient auf eine Frage reagiert, dürfe es keinen Zeitverzug durch Übersetzung geben. „Wir werden den Menschen, die teils schwer traumatisiert sind, nicht gerecht“, so der Psychiater. Ein Zentrum in Deutschland, in dem ausländische Täter aus dem gesamten Bundesgebiet von speziell ausgebildeten Ärzten und Therapeuten begleitet werden, erhöhe die Chancen auf einen Therapieerfolg und Resozialisierung, meint Piezka.

Ingolf Piezka Quelle: privat

Vorschlag für Spezialklinik wird zurückhaltend aufgenommen

Das für den Maßregelvollzug zuständige Gesundheitsministerium in Potsdam lehnt den Vorschlag nicht ab. Er sei „im politischen Raum noch nicht diskutiert worden“, sagt Sprecherin Marina Ringel. Die drei Brandenburger Gerichtspsychiatrien leisteten gute Arbeit, auch bei der Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund, betont Ringel. „Migranten können im Maßregelvollzug eine besondere Herausforderung darstellen“, räumt sie jedoch ein. Verständigungsschwierigkeiten, soziokulturelle Unterschiede und zum Teil wenig Hintergrundinformationen könnten die Behandlung von Ausländern und Migranten erschweren. „Bei der Behandlung spielt die Herkunft als Sozialisationserfahrung eine wichtige Rolle“, so Ringel. „Die spezifische Lebensgeschichte muss bei jedem Patienten berücksichtigt werden.“

Der Maßregelvollzug ist Ländersache

Derzeit befinden sich im Land Brandenburg insgesamt 286 Patienten im Maßregelvollzug, wovon 96 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. In Brandenburg/Havel liegt der Anteil der Patienten mit Migrationshintergrund laut Piezka bei rund 5 Prozent. Er rechnet damit, dass dieser durch den enormen Zuzug aus Krisenländern stark steigen wird.

Der Maßregelvollzug ist Ländersache. Für eine bundesweite Einrichtung müssten sich die Länder einigen. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen kann sich mit dem Brandenburger Vorstoß nicht anfreunden. „Nordrhein-Westfalen hat mit dem Regionalisierungskonzept im Maßregelvollzug gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Sprecher des Düsseldorfer Gesundheitsministeriums, Christoph Meinerz. Das gelte auch für Menschen mit Migrationshintergrund.

Besserung und Sicherung

In Brandenburg wird der Maßregelvollzug in den drei Forensischen Kliniken in Brandenburg/Havel, Eberswalde (Barnim) und Teupitz (Dahme-Spreewald) durchgeführt.

Das Land hat 2006 diese Vollzugsaufgabe zusammen mit den damaligen Landeskliniken privaten Krankenhausträgern übertragen und diese mit hoheitlicher Gewalt ausgestattet. Sie unterliegen der Aufsicht durch das Gesundheitsministerium.

In einem psychiatrischen Krankenhaus werden psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht, die dort falls möglich geheilt werden sollen. Die Maßregel dient der Besserung und Sicherung.

Maßregelvollzug ist nicht Strafvollzug und nicht Sicherungsverwahrung. Maßregelvollzug leistet die fachgerechte Behandlung und sichere Unterbringung von Straftätern, die aufgrund ihrer psychischen oder Suchterkrankung das Unrecht ihrer Straftat nicht einsehen können. Diese Täter werden von Gerichten als nicht oder vermindert schuldfähig in die Psychiatrie eingewiesen.

Die Anlass-Straftaten sind vielfältig. Oft handelt es sich um Körperverletzung und Tötungs- und Sexualdelikte, aber auch Brandstifter, Räuber und Diebe kommen in die Forensische Psychiatrie, wenn die Tat mit einer psychischen Störung zusammenhängt.

Von Marion Kaufmann

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