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Der Feldhamster stirbt aus

Bedrohte Tierart Der Feldhamster stirbt aus

Er wurde zum Tier des Jahres 2016 gekürt, doch retten wird es ihn wahrscheinlich nicht: Feldhamster sind seit Jahren akut vom Aussterben bedroht. In Brandenburg ist der putzige Nager schon seit mehr als 15 Jahren verschwunden, nun gehen die Zahlen auch in anderen Bundesländern dramatisch zurück. Die Chancen stehen sehr schlecht.

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Kleine schwarze Knopfaugen, ein weiches Fell und ein bebendes Schnuffelnäschen - Feldhamster sind niedlich, aber seit Jahren akut vom Aussterben bedroht.

Quelle: dpa

Heidelberg. Er ist so putzig und den Deutschen so vertraut. In vielen Kinderbüchern streckt der Feldhamster seine kleine Nase mit den langen Schnurrhaaren ins Bild, streunt durch Weizenfelder und packt einen dicken Vorrat von Weizenkörnern für den Winter in seinen Bau. Aber der kleine Nager stirbt in Deutschland aus, befürchten Forscher der Deutschen Wildtier-Stiftung und andere Experten. „Es ist kurz vor Ultimo“, sagt der Biologe Peer Cyriacks. An diesem Wochenende treffen sich rund 90 Feldhamster-Forscher aus aller Welt in Heidelberg.

In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus dem Jahr 2012 längst keine Exemplare mehr. In Nordrhein-Westfalen seien die Feldhamster zuletzt ausgestorben, sagt Cyriacks. Baden-Württemberg werde bald folgen. Die Zahl der verbliebenen Hamster in dem Bundesland schätzt er auf unter 100; bundesweit sollen es nicht mal mehr 100.000 dieser Tiere sein.

Die Landwirtschaft gab ihm den Rest

„Die Tendenz ist einfach sehr negativ“, sagt Artenschutz-Expertin Ruth Petermann vom BfN. Aktuelle Zahlen aus 2016 gebe es zwar nicht, die Situation sei aber dramatisch. Seit vielen Jahren gehe sowohl die Verbreitung wie auch die Population stetig zurück. „Wir sehen, dass dringend etwas getan werden muss.“ Das putzige Nagetier steht seit Jahren auf der Roten Liste bedrohter Tierarten.

Der Feldhamster wird wohl bald nur noch, wie hier, ausgestopft im Museum zu sehen sein

Der Feldhamster wird wohl bald nur noch, wie hier, ausgestopft im Museum zu sehen sein.

Quelle: dpa

Dabei galt es bis in die 80er-Jahre hinein als massiver Schädling in der Landwirtschaft und wurde bekämpft. Mit der intensiven Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen begann ein drastischer Rückgang der Lebensräume - und damit der Bestandszahlen: von Millionen Feldhamstern auf unter 100.000. Sogar zum „Tier des Jahres 2016“ wurde er gekürt - vergebens. Die Zahlen gehen weiter zurück. „In Deutschland machen alle die Augen zu“, moniert Cyriacks. „Alle Bundesländer wissen seit langem, dass es dem Feldhamster schlecht geht.“

Diese Tiere gibt es in Brandenburg nicht mehr

Elche sind in Brandenburg historisch belegt. Allerdings ist die frühere Verbreitung unklar. Das Einstandsgebiet soll schon im Mittelalter durch Elbe und Oder begrenzt gewesen sein. In einem Edikt Johanns von Sigismund, Kurfürst von Brandenburg, von 1610 wird der Elch schon nicht mehr als frei lebendes Wild genannt. Seit mehreren Jahren ziehen aber verstärkt immer wieder Elche aus Polen kommend bis nach Brandenburg.

Luchse kamen bis in das 17. Jahrhundert in Brandenburg vor. Auch in Mecklenburg und Pommern gab es sie. Ein letzter bekannter Abschuss ist 1734 bei Liebenwalde erwähnt. Aktuell gibt es Beobachtungen im Fläming in Sachsen-Anhalt, unmittelbar an der Landesgrenze zu Brandenburg.

Wisente gab es in Brandenburg lediglich noch im Hochmittelalter. Schon im 11. Jahrhundert beschreiben sie die Quellen auch in Polen als selten. Über den genauen Zeitpunkt des Verschwindens ist nichts bekannt. Nur in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide (Havelland) leben heute wieder 75 angesiedelte Wisente.

Braunbären gab es in Brandenburg möglicherweise sogar länger. Zumindest wurden in unmittelbarer Nachbarschaft zu Brandenburg, im Harz, in Thüringen und in Oberschlesien, bis ins späte 18. Jahrhundert Braunbären geschossen. Der Zeitpunkt des Aussterbens des Braunbärs ist nicht bekannt. Dass es sie definitiv in Brandenburg gab, ist belegt. Kurfürst Joachim II. hat laut den Quellen 1552 in der Schorfheide mit einem Bären gekämpft.

Auerochsen starben in Deutschland dagegen schon vor 500 oder 600 Jahren aus. Das letzte bekannte Tier starb 1627 in Polen.

Das Land Baden-Württemberg unternehme jedenfalls „erhebliche Anstrengungen“, um die Feldhamsterpopulation zu erhalten, widerspricht ein Sprecher des Umweltministeriums in Stuttgart; auch andere Bundesländer haben längst Schutzprogramme aufgelegt. Der Erfolg ist bislang bescheiden.

Notwendig seien deutlich mehr Anstrengungen, vor allem in Zusammenarbeit mit Landwirten, betonen Umweltschützer: „Später Getreide ernten oder Getreidestreifen ganz stehen lassen, damit das Tier Deckung findet“, sagt Cyriacks. Normalerweise werde die Ernte im Juni oder Juli schon eingefahren. „Dann stehen die Felder drei Monate leer, bis der Feldhamster in Winterschlaf geht - was soll er solange fressen, wo sich verstecken?“

„Das ist auch ein kultureller Verlust“

„Sein eigener Lebensraum ist gleichzeitig sein Problem“, erklärt Petermann. „Für Seeadler kann man Schutzgebiete ausweisen. Für den Feldhamster nicht.“ Er lebe nun mal in Kornfeldern, und die würden gebraucht und durch intensive Landwirtschaft genutzt. Außerdem sei er ein klassisches Beutetier - „das macht seine Rettung nicht gerade einfacher“.

Auerhahn, Feldhase, Feldlerche, Rehe, Feldhamster - solche Tiere sind stark im Heimatgedächtnis verankert, in Bilderbüchern, auf Gemälden, in der Literatur. „Wenn es so ein Tier dann nicht mehr gibt, ist das auch ein kultureller Verlust“, meint Jochen Goedecke, Landwirtschaftreferent beim Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Es lohne sich auf jeden Fall, sich um die Lebensräume des Nagers zu bemühen, „denn das sind auch die vieler anderer Pflanzen und Tiere“. Aufgeben ist also keine Option, aber für den Feldhamster sieht Goedecke eher schwarz. „Es gibt kaum noch Hoffnung.“

Von Anika von Greve-Dierfeld

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