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Brandenburg Der Hass des „Druiden“ Burghard B.
Brandenburg Der Hass des „Druiden“ Burghard B.
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09:48 26.01.2017
Gegen Burghard B. besteht Terrorverdacht. Quelle: Facebook
Rietz-Neuendorf

Auf den Fotos in seinem Facebook-Account sieht Burghard B. (62) aus wie ein freundlicher Esoterik-Opa mit weißem Bart und langen Haaren. Doch was der selbst ernannte „selbstständige keltische Druide“ an Schriftlichem absondert, hat nichts mit Miraculix zu tun: Der 62-Jährige ist ein knallharter Antisemit und Rechtsextremist. Am Mittwochmorgen wurde er bei einer Razzia im brandenburgische Ort Rietz-Neuendorf (Oder-Spree) verhaftet. Er soll Teil einer rechtsextremistischen Gruppe sein. Die oberste Anklagebehörde prüft gegen ihn und einen weiteren Mann Haftbefehle wegen Gründung einer rechtsextremen Terrorvereinigung.

Waffen und Munition gefunden

Die Gruppe hat nach Überzeugung der Ermittler Anschläge auf Juden, Asylbewerber und Polizisten in Deutschland geplant haben. Bei den Razzien gestern in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wurden laut Bundesanwaltschaft Waffen, eine große Menge an Munition sowie Sprengmittel sichergestellt.

„Antisemit ist, wer sich das Denken nicht verbieten lässt“, hetzt Burghard B. auf seinem Facebook-Profil und ergeht sich in Tiraden aus dem Gedankengut der so genannten „Reichsbürger“-Bewegung. Die erkennt die Bundesrepublik nicht an und behauptet, das Deutsche Reich bestehe weiter fort. „Kauft nicht bei Juden!“, fordert der Kelten-Verehrer und zitiert damit die Pogrom-Sprüche der Nazis. Dann ruft er dazu auf, Schweinsköpfe in Moscheen und Synagogen abzulegen.

Nachtwölfe und Asylbewerberheim-Proteste

Ein Foto zeigt ihn bei einem Spaziergang im Spreewald. Welche Beziehung B. genau zu Brandenburg hatte ist unklar. Der eigentlich aus Schwetzingen in Schwaben stammende Fan der rechtsextremen Identitären Bewegung wurde von den Beamten bei einer Bekannten angetroffen. In Rietz-Neuendorf soll er nach MAZ-Informationen nicht polizeilich gemeldet sein. In der Region hält sich Burghard B. wohl häufig auf. So mischte er sich unter die Demonstranten gegen ein Asylbewerberheim in Berlin-Marzahn. In Berlin traf er sich nach eigenen Angaben auch mit den Putin-treuen russischen Rockern der „Nachtwölfe“ und schreibt: „Ich bin begeistert.“ Im Mai 2015 ruft er auf: „Bewaffnet Euch. Unsere Gegner taten es bereits.“

Suche nach „Juristen für den Deutschen Volksgerichtshof“

Sein Lebensmittelpunkt scheint sonst eher der Südwesten der Republik zu sein. Mal ist er auf Fotos mit Deutschlandflagge in Mannheim zu sehen – als Ein-Mann-Demonstration. Mal greift er wie Gandalf der Magier in einen Wasserfall im Pfälzer Wald oder zelebriert in Bruchsal eine Mittelalter-Hochzeit. Zwischen Bildern von der Holunder- und Baldrian-Ernte hetzt er gegen Juden und Linke und sucht „Juristen für den Deutschen Volksgerichtshof“.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt insgesamt gegen sechs Verdächtige im Alter zwischen 35 und 66 Jahren wegen Bildung einer rechten Terrorvereinigung. Ein weiterer Mann soll die Gruppe unterstützt haben. Die Verdächtigen sollen vorwiegend über soziale Medien miteinander vernetzt gewesen sein und seit Frühjahr 2016 Angriffe geplant haben.

Von Ulrich Wangemann

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