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Der Herr des Fliegens

Firma aus Wildau baut Drohnen Der Herr des Fliegens

Hightech aus Brandenburg: Die Firma Aidrones aus Wildau (Dahme-Spreewald) baut zivile unbemannte Fluggeräte - sogenannte Drohnen - für den Weltmarkt. Firmengründer Yorck Rackow, ein gelernter Maschinenbau-Ingenieur, ist schon lange fasziniert von der unbemannten Luftfahrt.

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Schrauber von der TH Wildau: Clemens Brand (l.) und Henning Scharf.

Quelle: Julian Stähle

Wildau. Der Startup-Geist ist noch nicht verflogen. Schraubenzieher, Zange und Teppichmesser verteilen sich über die Werkbank. Junge Männer um die 20 gehen ein und aus, sie feilen und testen, umgeben von bunten Lagerkästen. Ihr Chef Yorck Rackow umkreist eines der neuesten Werke. „Es sieht aus wie ein übergroßes Insekt.“ Mit Augen aus Glas und Flügeln aus Karbon. Was sich da vor dem Enddreißiger mit dem Dreitagebart auftürmt, kommt daher wie ein zu groß geratenes Spielzeug. Doch der AiD-MC8 Octocopter ist nicht für Kinder gedacht.

Autonome und intelligente Flugsysteme – mit diesem Anspruch umwirbt Rackow seine Kunden. Er ist Gründer der Firma AiDrones in Wildau (Dahme-Spreewald). Das Unternehmen hat sich der unbemannten Luftfahrt verschrieben. In der unscheinbaren Werkstatt im Zentrum für Luft- und Raumfahrt, nur ein paar Schritte vom Campus der Technischen Hochschule Wildau entfernt, werden Fluggeräte produziert, die ohne Piloten auskommen.

Feinschleifer: Mechaniker Martin Ritschel bearbeitet eine Schutzhaube.

Quelle: Julian Stähle

Drohnen für jedermann

Drohnen sind inzwischen für jedermann erschwinglich. Online-Shops bieten die Fluggeräte mit eingebauter Kamera für weniger als 100 Euro an. Lange Zeit schienen unbemannte Flugkörper der militärischen Nutzung vorbehalten. Schon 1849 hatten die Österreicher mit Bomben beladene Ballons in den Himmel aufsteigen lassen, um Venedig anzugreifen. US-Präsident Barack Obama schätzt bewaffnete Drohnen für eine vermeintlich sterile Kriegsführung. Nach Vorstellungen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll sich nun auch die Bundeswehr solche Kampfdrohnen anschaffen.

Yorck Rackow geht es weder um Krieg noch um heimliche Kameraaufnahmen aus dem nachbarlichen Garten. Der Maschinenbau-Ingenieur ist fasziniert von der unbemannten Luftfahrt. Noch als Student entwickelte er einen autonom fliegenden Hubschrauber. Nach dem Abschluss in die Entwicklungsabteilung eines Automobilbauers zu gehen, war für ihn keine Option. So spannend das Feld auch sei, sagt er, die Entwicklung für die kommenden Jahrzehnte scheint vorgegeben. Rackow wollte sich nicht im mühseligen Berufsalltag verlieren. „Als Ingenieur bearbeitet man meist nur einen ganz kleinen Teil des großen Ganzen.“

Pionier der unbemannten Luftfahrt

Anders ist es in Wildau. Die Entwicklung im Drohnengeschäft geht in großen Schritten voran, aber weniger ins technische Detail als auf dem Automarkt. Rackow wähnt sich wie in der Pionierzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Neben autonom fliegenden Hubschraubern sind Multicopter mit einer Vielzahl an Propellern besonders gefragt.

Die acht Rotoren surren wie Brummkreisel, als der Octocopter abhebt. Kaum mehr als zweieinhalb Kilogramm wiegt der insektengleiche Leichtflugkörper, der es in seinen Abmessungen von einem Rotorarm zum anderen mit der Flügelspannweite eines Bussards aufnehmen kann. Die Akkus, die AiDrones verbaut, sind bis zu zehnmal stärker als die üblicher Smartphones. Die Energie reicht, um die Drohnen bis zu einer halben Stunde in der Luft zu halten. Satellitensignale und Lagesensoren halten das gegen Wind und Wetter gewappnete Objekt auf Kurs.

Drohnen weltweit im Einsatz

Die bedächtig schwebende Drohne könne mit ihrer Kamera bedeutsame Dienste verrichten, davon ist Rackow überzeugt. Seine Fluggeräte hat er schon in Südamerika, Afrika und Asien verkauft. So lässt eine Ölgesellschaft eine Pipeline in Nordeuropa mit Hightech made in Brandenburg überwachen. Im südafrikanischen Krüger-Nationalpark erforscht eine Wildauer Drohne die Vegetationsdichte und den Artenbestand. Der Basispreis liegt bei 15.000 Euro pro Exemplar. Je nach Kundenwunsch können die Kosten auf bis zu eine halbe Million Euro steigen. Was die Kundschaft angeht, ist AiDrones ein Global Player. Allein in Deutschland könnte der Absatz besser sein, findet Rackow.

Skepsis gegenüber Drohnen

Hierzulande sind die Vorbehalte gegen pilotenlose Forschungsflieger größer als in manchem Schwellenland. Über das Negativ-Image, das Drohnen anhafte, klagt Rackow, dürften sich Smartphone-Hersteller und Geheimdienste nicht beschweren. Rechtlich setzt der Gesetzgeber der Nutzung „unbemannter Luftfahrtsysteme“, die ab einer Flughöhe von 30 Metern zum Luftfahrzeug werden, enge Grenzen: Für den Einsatz braucht es eine behördliche Erlaubnis. Die Flughöhe von 150 Metern sowie eine Gesamtmasse von 25 Kilogramm dürfen nicht überschritten werden. Grundsätzlich müssen die Geräte in Sichtweite des Steuerers bleiben. 2013 erteilte die Gemeinsame obere Luftfahrtbehörde Berlin und Brandenburg in der Mark 31 Aufstiegsgenehmigungen. Zumeist ging es um Kameraaufnahmen, etwa für Film und Fernsehen.

„Auf dem asiatischen Markt gibt es eine ganz andere Dynamik“, sagt Rackow, der künftig aber auch verstärkt auf deutsche Kunden hofft. In Berlin setzt die Polizei bereits seit 2009 auf eine 45.000 Euro teure Aufklärungs-Drohne, die Staus und Tatorte filmt. Bei Demonstrationen soll das Fluggerät nicht zum Einsatz kommen. Das Land Brandenburg hat bisher auf die Anschaffung einer Drohne verzichtet. Neben Polizei und Feuerwehr sieht AiDrones-Geschäftsführer Rackow auch die Landwirtschaft als mögliches Einsatzgebiet, etwa um die Bodenqualität zu prüfen und Ertragsprognosen zu erstellen.

Auch wenn das Geschäft in Deutschland besser laufen könnte, muss sich Rackow zumindest über fehlenden Nachwuchs nicht beklagen. AiDrones arbeitet mit der benachbarten Technischen Hochschule zusammen. Studenten der Luftfahrttechnik und -logistik können bei der Firma ihre Abschlussarbeit schreiben. In der Wildauer Werkstatt werden innovative Ideen so schnell nicht ausgehen.

Von Bastian Pauly

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