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Der Hund vor Gericht – eine haarige Sache

Tierische Urteile Der Hund vor Gericht – eine haarige Sache

Kuschelig, treu und der beste Freund des Menschen. Scharfe Zähne, lautes Bellen, gerne mal ein Häufchen: Ein Hund ist nicht jedermanns Sache. Vor allem, wenn der Hund mal schnappt oder die Tierliebe überhand nimmt. Oft landen solche Fälle vor Gericht. Eine Auswahl vergangener „Hunde-Urteile“.

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Potsdam. Für manche sind Hunde des Menschen bester Freund, für andere eine haarige Störquelle auf vier Beinen. Nicht selten landen Streitigkeiten um die Vierbeiner vor dem Gericht – wie auch aktuell der Fall „Dackel Bonnie“ .

Eine Auswahl vergangener Urteile:

Zähne kaputt

Es sollte eine freudige Begrüßung werden. Doch weil Schäferhund Camillo zu stürmisch war, ging die Zahnbrücke zu Bruch. 7000 Euro forderte der betroffene Rentner von Camillos Besitzerin, doch deren Versicherung wollte zunächst nicht zahlen. Vor dem Oberlandesgericht München kam es im Juni 2016 zum Vergleich: Die Versicherung muss nun 3250 Euro überweisen.

Gedeckte Hündin

Rüden dürfen Hündinnen nicht ohne Einverständnis von deren Besitzer schwängern. Tun sie es doch, gilt das als Sachbeschädigung. Im Jahr 2014 verlangte der Anwalt einer Hundebesitzerin vor dem Landgericht Coburg in Bayern 16 000 Euro Schmerzensgeld. Die beiden Parteien einigten sich dann aber auf eine Ausgleichszahlung von 500 Euro.

Verleugneter Hund

Eine Vermieterin warf einem Mieter im Jahr 2009 vor, trotz Verbots einen Hund zu halten. Der Mann beteuerte, Bulldogge “Clyde“ lebe bei seiner Mutter. “Clyde“ wurde in den Zeugenstand des Amtsgerichts Köln geladen. Dort wurde klar: Die Seniorin wird mit dem großen Tier gar nicht fertig. Das Gericht gab der Vermieterin Recht.

Zu laute Hunde

Das Celler Amtsgericht untersagte 2002 einer Hundehalterin in Wietze (Niedersachsen) die Haltung von 15 Cockerspaniels. Damit wehrte sich ein Nachbar erfolgreich gegen das häufig kläffende Rudel in dem Wohngebiet. Die Frau durfte nur noch drei Hunde halten und musste nachts sowie in der Mittagszeit für Ruhe sorgen.

Ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az: 130 C 275/00) besagt, dass ein Hundehalter, der sein bellendes Tier nicht ruhigstellen kann, bei Mietminderungen genervter Nachbarn für den Schaden des Vermieters aufkommen muss.

Fünf Hunde für eine Wohnung zu viel

Ist in einem Mietvertrag nicht geregelt, ob und gegebenenfalls wie viele Hunde ein Mieter in seiner Zweieinhalb- Zimmer-Wohnung halten darf, muss der Vermieter mit der Anschaffung eines Vierbeiners einverstanden sein. Fünf Hunde muss er aber nicht akzeptieren. Das Amtsgericht München (Az.: 424 C 28654/13) befand, die Haltung von mehr als einem Hund entspreche „nicht mehr dem vertragsgemäßen Gebrauch einer Mietwohnung“.

Tritte bei Angriff erlaubt

Briefträger, die von Hunden angegriffen werden, dürfen sich auch mit Fußtritten und Knüppeln wehren. Das Oberlandesgericht Hamm (Nordrhein-Westfalen) befand 1997, die Tierarzt-Kosten für Dackel “Biene“ müsse sein Besitzer tragen - und nicht der Zusteller.

Schmerzensgeld für Hundebiss in Tierpension

Eine Border-Collie-Mischlingshündin biss die Betreiberin der Pension in Ober- und Unterlippe. Die Frau verlangte daraufhin Schadensersatz vom Hundehalter. Die Richter vom Amts- und Landgericht lehnten die Klage ab. Ihre Begründung: Wer eine Hundepension hat, der weiß um die Gefahr, gebissen zu werden und übernimmt freiwillig dieses Risiko. Zudem habe der Hundehalter keine Möglichkeit gehabt, Einfluss zu nehmen. Das sah die Betreiberin der Hundepension anders und zog vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe – und das mit Erfolg.

Die obersten Zivilrichter waren jedoch der Ansicht, dass die Tierhalterhaftung grundsätzlich auch dann besteht, wenn ein Tieraufseher – wie hier die Pensionsbetreiberin– im Rahmen seiner Aufsichtsführung von einem der betreuten Tiere verletzt wird.

Die Professionalität der Hundebetreuung hat nach Ansicht des Bundesgerichtshofs ebenfalls nicht zu einem Haftungsausschluss des Hundehalters geführt. Denn auch ein Fachmann könne nicht jede typische Tiergefahr beherrschen, vor allem weil er in der Regel die Eigenarten des Tieres nicht kennen wird.

Der Bundesgerichtshof verwies den Fall im Frühjahr 2014 zur erneuten Entscheidung zurück, um zu klären, ob die Betreiberin der Tierpension im Rahmen der Ausübung ihres Gewerbes ein Mitverschulden an ihrer Verletzung trifft.

Strafe, weil Mann alten Hund nicht einschläfern lässt

Mehr als zwei Jahre lang hat sich Stella gequält. Die Hündin war schwerkrank, litt unter Schmerzen und konnte kaum noch gehen. Trotzdem ging ihr Besitzer, der heute 47 Jahre alte Roland Michael W., nicht zum Tierarzt, sondern ließ den alten Staffordshire-Terrier-Mischling in seiner Wohnung in der Potsdamer Innenstadt vor sich hin siechen.

Weil sich der Hundehalter trotz einer Verfügung des Amtstierarztes dagegen gewehrt hatte, die kranke Hündin einschläfern zu lassen, verurteilte ihn das Amtsgericht Potsdam jüngst wegen Tiermisshandlung zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro.

Fremder Hundeführer haftet wie Tierhalter

Wer einen fremden Hund aus Gefälligkeit ausführt, haftet wie der Tierhalter, wenn das Tier Personen verletzt. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Az.: I-9 U 91/14) entschieden. Nach dem Richterspruch greift in diesem Fall zwar nicht die gesetzlich geregelte Tierhalterhaftung. Allerdings hafte der Hundeführer persönlich für die Verletzung seiner Aufsichtspflicht .

Von MAZonline

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