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Der Kampf gegen gefährliche Silvesterknaller

Gefährlich „wie eine Granate“ Der Kampf gegen gefährliche Silvesterknaller

Die Zollfahndung in Berlin und Brandenburg ist so kurz vor Silvester stark ausgelastet. Es vergeht kaum ein Tag ohne Zugriff. Das Ziel: Die Schmuggler von gefährlichen Knallern und Raketen. Viele erinnern eher an Bomben oder Granaten – und sie kosten Leben. Immer wieder wird es auch für die Beamten selbst sehr gefährlich.

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Quelle: dpa

Berlin. Viele Menschen in Deutschland wollen es an Silvester granatenmäßig krachen lassen - und nehmen das allzu wörtlich: Es gehen Böller in die Luft, die mit ihrer Sprengkraft eher an eine Bombe erinnern und hochgefährlich sind. In der Silvesternacht vor einem Jahr starben zwei junge Menschen durch die Wucht der Explosion. Ungezählt sind die vielen schweren Verletzungen.

Solch gefährliche Knaller sind in Deutschland nicht zugelassen. Viele wollen sie trotzdem haben und kaufen illegale Ware. Der Schmuggel über die Grenzen läuft auf vollen Touren, im Westen, aber vor allem im Osten an der Grenze zu Polen, wie Polizei und Zoll feststellen.

Kaum ein Tag ohne neuen Knaller-Fund

Bei der Zollfahndung Berlin-Brandenburg vergeht kaum ein Tag ohne Zugriff. Die Schmuggler-Fahrzeuge sind oft vollgestopft mit gefährlichen Knallern und Raketen - damit mehr rein passt, ohne die sperrigen Verpackungen, wie Zollsprecherin Claudia Bandelow sagt. Für die Zollbeamten ist das ein zusätzliches Risiko: Man weiß ja nie, wie die brisante Ladung auf Reibung und Erschütterung bei der Fahrt reagiert. Manchmal würde die Fracht ausreichen, um das ganze Auto in die Luft zu jagen.

In der Regel werden von Polen sogenannte Tschechien- oder Polen-Böller eingeschmuggelt. Hergestellt werden sie überwiegend in China, manchmal auch in Italien, wie Bandelow sagt. Niemand weiß, was da genau drin ist - nicht die Fahnder an der Grenze, aber auch nicht die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die Feuerwerkskörper für den deutschen Markt testet und zulässt. Legale Böller haben eine Identifikationsnummer der BAM, Registriernummer, CE-Zeichen und eine deutsche Gebrauchsanleitung.

Illegale Böller sind unberechenbar

Die illegalen Böller sind eine Art unberechenbare Blackbox: Wie sind sie aufgebaut, wie reagieren sie - niemand weiß das. „So manch kleiner Böller, den wir angezündet haben, enthielt auch Sprengstoff. Die Wirkung ist dann viel, viel heftiger“, sagt BAM-Sprecherin Ulrike Rockland.

Wurde dann auch noch eine verbotene Anzündschnur verwendet, wie sie in Deutschland nur für große elektronisch gesteuerte Feuerwerke zugelassen ist, geht der Böller ohne Zeitverzögerung in der Hand hoch.

Diese illegale Pyrotechnik wurde beschlagnahmt

Diese illegale Pyrotechnik wurde beschlagnahmt.

Quelle: dpa

Bei einem geprüften Feuerwerkskörper käme ein Mensch mit leichteren Verbrennungen weg. Doch illegale Knallkörper enthalten statt Schwarzpulver einen Knallsatz mit Metallpulver. „Dann reißt es ganze Finger, oder sogar die ganze Hand ab. Das wirkt wie eine Granate“, beschreibt Professor Raymund Horch, Präsident der Fachgesellschaft für plastische Chirurgen DGPRÄC, die Folgen. Viele Patienten hätten auch erzählt, dass der ausgegangene Böller bei dem Versuch, ihn noch mal anzuzünden, mit einem überaus lautem Knall in der Hand explodiert sei.

Feuerwerk nur in Deutschland kaufen

Fachleute der BAM haben am Freitag bei einer Vorführung mit einer Handattrappe gezeigt, wie schnell Menschen einen oder mehrere Finger verlieren können, weil sie nicht zugelassene Knallkörper anzünden. Obwohl es eine einheitliche EU-Prüfung für Böller und Raketen gibt, sind die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen von Land zu Land verschieden. Die Bundesanstalt rät deshalb, Feuerwerk nur in Deutschland und nicht im europäischen Ausland zu kaufen und über die Grenze zu bringen.

Dass die illegale Einfuhr von Böllern kein Kavaliersdelikt ist, sagt Jens Flören von der Bundespolizei in Nordrhein-Westfalen. Der Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz kann demnach mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Auch im Westen Deutschlands an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden fängt die Bundespolizei immer wieder explosive Transporte ab. „Wenn da jemand kommt und hat drei, vier Kisten mit nicht zugelassenen Sprengkörpern drin, dem kann man unterstellen, dass er es bewusst eingekauft hat, weil es billiger ist und er meint, er hat dann einen größeren Effekt.“

Von MAZonline und dpa

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