Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg „Der Kohleausstieg erfolgt bereits - Schritt für Schritt“
Brandenburg „Der Kohleausstieg erfolgt bereits - Schritt für Schritt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:53 14.03.2018
Leag-Chef Hilmar Rendez (r.) im sächsischen Tagebau Nochten mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, M.) und einem Leag-Mitarbeiter. Quelle: imago
Anzeige
Cottbus

Helmar Rendez (55) ist seit 2016 Vorstandschef der Leag, der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG mit Sitz in Cottbus. Das Unternehmen ist der viertgrößte deutsche Energieversorger..

Herr Rendez, die Große Koalition nimmt jetzt ihre Arbeit auf. Wie viele Kerzen haben Sie angezündet, als klar war, dass es nicht zu „Jamaika“ und einer Regierungsbeteiligung der Grünen kommt, die zehn Kohlekraftwerke sofort abschalten wollten?

Helmar Rendez: Ich bin froh, dass sich energiepolitische Vernunft durchgesetzt hat. Unser Wohlstand, unser Wachstum basieren auf einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung, die zugleich ökologisch ist und Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Der Strom muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das ist die Grundlage für eine funktionierende Volkswirtschaft. Nur unter diesen Paradigmen kann die Energiewende gelingen. Wir als größtes ostdeutsches Bergbau- und Kraftwerksunternehmen wollen dabei weiter aktiv mitwirken.

Was ist daran unvernünftig, wenn die Grünen zum Schutz des Klimas auf einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohle drängen?

Rendez: Ich hatte den Eindruck, dass es den Grünen bei Jamaika vor allem darum ging, ihrer Klientel ein paar rasch vorzeigbare Ergebnisse zu liefern. Aber wer dafür plädiert, sofort drei, fünf, sieben oder sogar zehn Megawatt Kraftwerksleistung abzuschalten, der missachtet sträflich die Versorgungssicherheit. Solange es keine ausreichenden und wirtschaftlichen Speicherkapazitäten für Ökostrom gibt, sorgen wir für den Strom aus der Steckdose.

Hoffen Sie auf einen stärkeren Bedarf für Braunkohlestrom, weil durch die Abschaltung der letzten Atommeiler bis 2023 rund 10 000 Megawatt wegfallen?

Rendez: Fakt ist, dass wir in diesem Jahr eine ausgeglichene Bilanz zwischen Stromangebot und -nachfrage haben. Dies gilt für die sogenannten Spitzentage des Energieverbrauchs, an denen kein Wind weht, die Sonne nicht scheint und unsere Wirtschaft auf Hochtouren läuft. Durch die sukzessive Abschaltung von Kernkraftwerken wird sich jedoch eine zunehmende Lücke in diesen Phasen auftun.

Die sogenannte Dunkelflaute...

Rendez: Richtig. Auch an solchen Tagen wollen die Bürger und die Wirtschaft zuverlässig mit Strom versorgt werden. Unser Auftrag als Energieversorger ist es, Deutschland 365 Tage im Jahr zuverlässig am Brummen zu halten.

Man könnte an solchen Tagen doch einfach Strom aus Nachbarländern einkaufen, so wie Deutschland auch Strom exportiert.

Rendez: Ich kenne dieses Argument. Allerdings überzeugt es mich nicht. Gerade an Tagen, an denen die Jahreshöchstlast benötigt wird, können wir uns nicht auf Lieferungen aus Nachbarstaaten verlassen, weil die dieselben Probleme haben wie wir, etwa keinen Wind, keine Sonne, aber höchsten Bedarf. Oder wollen wir uns wirklich auf französische Kernkraft verlassen, statt auf den einheimischen und subventionsfreien Energieträger Braunkohle? Vergessen sie nicht, dass wir auch an solchen Tagen die Großindustrie - Stahlwerke, Aluminiumhütten, Papierfabriken - stabil und zuverlässig versorgen müssen. Darauf basiert unsere Wirtschaft und unser Wohlstand.

Was erwarten Sie vom neuen CDU-Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier?

Rendez: Ich habe die Hoffnung, dass die neue Bundesregierung den Mut zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme der Energiepolitik aufbringt. Das geltende Energiekonzept der Bundesregierung stammt aus dem Jahre 2010. Es beruht auf den Annahmen, dass erneuerbare Energien ausgebaut, Atomkraftwerke länger laufen, die Gebäudesanierung kräftig vorangetrieben, zehn Prozent des Stromverbrauchs gesenkt oder die CO2-Abscheidungs- und Speichertechnologie CCS eingeführt werden. Erreicht wurde allerdings nur das Ziel bei den erneuerbaren Energien. Allerdings mit einem enormen und teilweise fragwürdigen Aufwand und mit rund 25 Milliarden Euro, die uns die EEG-Förderung jährlich kostet.

Was heißt ehrliche Bestandsaufnahme, wollen Sie in 40, 50 Jahren wirklich noch Braunkohle verstromen?

Rendez: Es gibt aktuell kein Unternehmen, das in Deutschland neue Tagebaue oder Kraftwerke planen würde. Im Gegenteil: Die vorhandenen Anlagen gehen sukzessive und altersbedingt vom Netz, weil sie das Ende der technischen Lebensdauer erreicht haben. Der Kohleausstieg erfolgt bereits, und zwar Schritt für Schritt. Aber für uns geht es nicht um Ausstiegsszenarien sondern um Zukunftsperspektiven. Unser Lausitzer Revierkonzept passt zu den internationalen Klimaschutzverpflichtungen Deutschlands, zur Energiestrategie der Länder Brandenburg und Sachsen und unterstützt die Strukturentwicklung in der Lausitz.

Das Ende des Kohlestroms wird also kommen. Aber wann?

In unserem Revierkonzept für die Lausitz aus dem Jahr 2017 peilen wir einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren an, in dem wir sukzessive die Tagebaue ausgekohlt haben und dementsprechend die Kohleverstromung verringern werden . Doch für diese Spanne benötigen wir dringend Planungssicherheit durch die Politik, kein kurzfristiges Hin und Her. 25 bis 30 Jahre – das ist ein anspruchsvoller Zeitrahmen. Denken sie nur mal 30 Jahre zurück: 1988 setzte man in der alten Bundesrepublik auf Atomkraft und in der DDR haben Zehntausende Kumpel Braunkohle gefördert und verstromt - und das unter Bedingungen, die heute undenkbar sind.

Was versteckt sich hinter Ihrer Vision eines Energy Valley in der Lausitz?

Das Energy Valley drückt aus, welches Potenzial in der Lausitz steckt. Wir haben in der Region jahrzehntelange Erfahrung in der Energiewirtschaft, sowohl konventionell als auch Erneuerbare. Dazu Universitäten mit starken Fachbereichen in dem Themenfeld. Auf dieser Basis gilt es, neue Geschäftsfelder für die Energieversorgung der Zukunft zu erschließen. Etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien, der Speicherung, Verteilung und Digitalisierung. Das gilt auch für die Leag. Daneben müssen wir aber auch unser derzeitiges Kerngeschäft effizienter machen, um die Mittel für die notwendigen Investitionen zu erwirtschaften. Die Leag hat heute rund 8000 hochmotivierte und flexible Mitarbeiter, kluge Ingenieure und Techniker, die sich den künftigen Herausforderungen stellen. Man muss uns nur eine faire Chance geben, den notwendigen Strukturwandel in der Lausitz mit gestalten zu können.

Passen Braunkohle und Digitalisierung überhaupt zusammen?

Aber ja, sehr gut sogar. Digitalisierung ist bei uns längst keine Zukunftsmusik mehr. Nur zwei Beispiele: Mit Drohen vermessen wir unsere Abbaufelder oder überprüfen unsere Heizkessel, die so groß sind, dass die Kugel des Berliner Fernsehturmes hinein passen würde.

Wie sehr ärgert es Sie noch, dass die CCS-Technologie in Deutschland beerdigt wurde?

Es betrübt mich, dass wir diese Technologie – eine von vielen in Deutschland entwickelten Zukunftstechnologien - nicht weiter verfolgen können. Wir haben in die Entwicklung der Technologie rund eine Viertel Milliarde Euro gesteckt, davon rund 100 Millionen Euro in die Pilotanlage in Schwarze Pumpe. Und in China werden derzeit erste Kraftwerke mit CCS-Technologie ausgerüstet. Eine Entwicklung, die man schon in Frage stellen kann, denn die Frage des Transports und der Lagerung von CO2 ist technisch gelöst. Gescheitert sind wir an projektverhindernden gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Akzeptanz. Generell hoffe ich, dass die Akzeptanz für neue Technologien in Deutschland wieder wächst. Davon hängt schließlich unser Wohlstand und unsere Zukunft ab.

Von Reinhard Zweigler

Wer durch Brandenburg fährt, trifft immer wieder auf brüchige Straßen und Schlaglöcher. Verkehrsministerin Schneider sieht inzwischen aber einen „Start der Trendwende“ und kündigt 153 neue Straßenbau-Projekte ab. Knapp eine halbe Million Euro steht landesweit zur Verfügung.

14.03.2018
Brandenburg Größter Milchhändler ist insolvent - Brandenburgs Bauern: Wohin mit unserer Milch?

Mit der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (BMG) ist der wichtigste Milchhändler der Region insolvent gegangen. Vor allem Bauern aus Brandenburg stehen jetzt vor einem großen Problem. Sie müssen kurzfristig einen Abnehmer für ihre Milch finden. Doch das dürfte nicht so einfach werden.

14.03.2018

Seit mehreren Jahrzehnten galten sie in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Nun haben es Tierschützer geschafft die Großtrappen vor dem Verschwinden zu bewahren. Brandenburger haben einen erheblichen Teil dazu beigetragen.

14.03.2018
Anzeige